Herr K., 28 Jahr alt, von schlankem Körperbau, litt an einer großen Kropfgeschwulst, welche im schnellen Zunehmen begriffen war, und durch Zusammenpressen der Luftröhre und der großen Gefäße des Halses das Athmen erschwerte und die Cirkulation des Blutes im Kopfe bedeutend störte. In seinem Vaterlande, Oesterreich, von den berühmtesten Aerzten mit Jod u. s. w. zweckmäßig behandelt, sah er zu seiner Bekümmerniß die wenigstens kindskopfgroße Geschwulst täglich wachsen und seinen Zustand immer peinlicher machen. Die Geschwulst nahm die linke Seite des Halses ein, erstreckte sich jedoch über diese Seite hinaus. Sie fühlte sich stellenweis hart und weich an und war, da sie mit den unterliegenden Theilen fest zusammenhing, unverschiebbar. Die Unwirksamkeit der Arzeneimittel war erkannt, und nur noch operative Hülfe übrig. Die Exstirpation schien mir aber fast absolut tödtlich, das Durchziehen eines Haarseils, weil der Kropf massiv war und keine Säcke enthielt, eben so gefährlich. Die Unterbindung der oberen Schilddrüsenschlagader zur Verödung der Geschwulst hielt ich hier für die einzige zu rechtfertigende Operation, obgleich der Kropf kein aneurysmatischer war. Was mein Vertrauen auf die Ligatur der gedachten Arterie vergrößerte, war die bedeutende Erweiterung der nach hinten gedrängten Arteria carotis communis. Nachdem der Kranke vorher einige Minuten ätherisirt worden war, stellte sich Betäubung mit fortdauernder Empfindlichkeit ein. Dann erwachte er wieder, gerieth in einen sehr aufgeregten Zustand und rollte dabei die Augen bei weit geöffneten Augenlidern so stark nach oben, daß nur ein Theil der Hornhaut sichtbar blieb. Jetzt legte ich den Kranken nieder, führte einen 3 Zoll langen Schnitt am äußeren Rande der Geschwulst herab und legte das Gefäß sogleich bloß. Der frei gewordene Theil der carotis communis, die carotis cerebralis und facialis, so wie die Arteria thyreoidea waren beträchtlich erweitert – die erstere von der Dicke eines kleinen Fingers, letztere von der eines Gänsefederkiels. Nachdem ich die Schilddrüsenarterie an ihrem Ursprunge ringsum frei gemacht hatte, führte ich mit einem feinen geöhrten Haken einen dünnen Faden um dieselbe herum, unterband sie, schnitt ein Fadenende am Knoten ab und vereinigte die ganze Wunde mittelst Pflasterstreifen.
Jetzt erst kam der Kranke wieder vollkommen zu sich; er gab an, die Operation nur undeutlich gefühlt zu haben, obgleich er bei derselben sprach und sich in einer gewissen Aufregung befand. In der Geschwulst war in Folge der Unterbindung keine wesentliche Veränderung zu bemerken. Am Abend war dieselbe etwas turgescirend und heißer anzufühlen. Der Kranke fühlte sich sehr angegriffen und zeigte eine geringe fieberhafte Aufregung.
Exstirpation der Mandeln.
Hugo E., 11 Jahr alt, ein munterer, liebenswürdiger Knabe, litt seit langer Zeit an einer so beträchtlichen Vergrößerung beider Mandeln, daß diese als zwei eiförmige Geschwülste der Luft und den Nahrungsmitteln Hindernisse in den Weg legten, und auch Schwerhörigkeit durch Zusammendrücken der eustachischen Röhre erzeugten. Vor der Operation wurde der Knabe zwei Minuten lang ätherisirt. Empfindungs- und halbe Bewußtlosigkeit traten hierauf ein. Die müden Augen waren zur Hälfte geschlossen, willig eröffnete das Kind den Mund, ließ die linke Mandel mit dem Haken fassen und mit dem geknöpften Fistelmesser ausschneiden. Beim Ausspülen des Mundes kam er wieder etwas zu sich, that einige neue Athemzüge und wurde dann eben so schnell auch von der zweiten Tonsille befreit. Nach Verlauf von einigen Minuten kehrte der natürliche Zustand wieder zurück. Der Knabe erinnerte sich nicht an das, was mit ihm vorgegangen war.
Ein 14jähriger Knabe mit einer sehr bedeutenden Vergrößerung der Mandeln, wodurch Schwerhörigkeit, erschwertes Athmen und Schlucken und schlechtes Sprechen erzeugt war, wurde vor der Operation drei Minuten lang ätherisirt. Dann verlor er Gefühl und Bewußtsein, stöhnte tief, bewegte die Arme unwillkürlich hin und her und schloß den Mund fest mit zusammengebissenen Zähnen. Ich mußte einige Minuten lang warten, bis diese krampfhaften Erscheinungen vorüber waren, und halbes Bewußtsein, aber mit andauernder Gefühllosigkeit zurückgekehrt war. Dann erst konnte ich, freilich nach einigem Widerstreben die rechte, darauf die linke Mandel mit einem Haken fassen und mit einem Pott'schen Fistelmesser ausschneiden. Die Blutung war hier eigentlich nicht stärker, als sie sonst nach der Exstirpation der Mandeln zu sein pflegt, und wurde bald durch kaltes Wasser gestillt. Das Oeffnen des Fensters und das Besprengen des Gesichts mit kaltem Wasser verscheuchten alle nächsten Nachwirkungen des Aethers.
Der 28jährige Porzellanarbeiter K. war lange Zeit mit einer lästigen Vergrößerung beider Mandeln behaftet, welche das Ausschneiden derselben nöthig machten. Nachdem derselbe 3 Minuten Aetherdämpfe eingeathmet hatte, wurde er bei anscheinend ungestörtem Bewußtsein empfindungslos. Als ich ihn bat, den Mund zu öffnen, geschah dies, worauf ich zuerst die rechte Mandel mit einem Doppelhäkchen fixirte und mit einem geknöpften Pott'schen Fistelmesser mit einem Messerzuge ausschnitt. Dasselbe geschah an der anderen Seite eben so leicht. Dann nahm ich noch eine isolirte, am Gaumen sitzende, harte Geschwulst von der Größe einer Erbse fort. Nachdem die geringe Blutung durch Ausspülen des Mundes mit kaltem Wasser gestillt war, und ich den Kranken wieder verlassen wollte, setzte mich die Frage, wann ich die Operation denn vornehmen wolle, in Erstaunen, da er doch alles Andere, was mit ihm vorgegangen war, außer der Operation selbst, bemerkt hatte. In naiven Worten schrieb er darüber: »ich war zwar bei vollem Verstande, doch glaubte ich, die Operation wäre noch nicht angegangen; ich verspürte auch nicht den mindesten Schmerz und ich muß aufrichtig gestehen, daß die Anwendung des Schwefeläthers sehr praktisch ist.«