Ein Frauenzimmer von einigen 30 Jahren litt seit geraumer Zeit an beträchtlichen Nasenpolypen, welche das Innere der Nase bis zum Anfange des hinteren Theils der Mundhöhle ausstopften. Dumpfer Druck im Kopf und große Athmungsbeschwerden quälten die Arme. Sie unterzog sich freudig der Operation, athmete auf dem Stuhle sitzend ein Paar Minuten lang die Aetherdämpfe, schloß sanft die Augen, ließ die Arme am Leibe herunterhängen und gab keinen Laut von sich. Ich zog ihr dann die Polypen mit einer Zange aus, ohne daß die Kranke die mindeste Bewegung machte, oder auch nur durch ein Zucken des Gesichts irgend eine unangenehme Empfindung ausgedrückt hätte. Dann schlug sie die Augen auf, lächelte, wunderte sich, daß sie die Luft frei durch die Nase einziehen könne, und versicherte, daß sie durchaus nichts von der ganzen Operation wisse.
Etwas verschieden war das Verhalten eines Mädchens von 25 Jahren, dessen ganze Nasenhöhle mit Schleimpolypen ausgefüllt war. Nachdem 3 Minuten lang Aetherdämpfe geathmet waren, trat Empfindungslosigkeit, von einigen Seufzern und Verdrehen der Augen begleitet, ein. Statt des schlaffen Herabhangens der Glieder bei jener Kranken zogen sich hier alle Muskeln krampfhaft zusammen. Erst nachdem ich die Polypen mit einer Zange ausgezogen hatte, wurden die Glieder welk. Dann kam das Mädchen wieder vollkommen zu sich, sah mich staunend an und sagte: »am Ende ist es wohl schon vorbei, ich bin wohl operirt worden, ich habe es nicht gefühlt. Geben Sie mir ein Glas kaltes Wasser, mir ist so wüst im Kopfe.« Nachdem sie getrunken, fühlte sie sich wieder vollkommen wohl.
Ein Mann von 40 Jahren kam mit Nasenpolypen, welche den Luftweg durch die Nase gänzlich verschlossen, in die Klinik. Ich fand das Ausziehen derselben nöthig. Vorher wurde derselbe ätherisirt. Nach vier Minuten trat Empfindungslosigkeit und gänzliches Aufhören des Bewußtseins ein. Ich drang zuerst mit der Zange in das rechte Nasenloch ein und zog gleich beim ersten Zuge einen sehr großen, gelblichen, halbdurchsichtigen Schleimpolypen aus, welcher an Gestalt dem eingemachten Ingwer ähnlich war. Eben so brachte ich aus dem linken Nasenloch einen beträchtlichen Polypen heraus. Unter der einige Secunden währenden Operation stieß der Kranke mehrere tiefe Seufzer aus und machte einige abwehrende Armbewegungen. Nach Beendigung derselben wußte er nicht, was mit ihm vorgegangen war.
Der 22jährige Schuhmacher F. mit Nasenpolypen wurde, nachdem er nur 1 Minute lang ätherisirt worden war, vollkommen passiv und empfindungslos. Ich zog ihm die Polypen aus beiden Seiten der Nasenhöhle aus, ohne daß er etwas davon fühlte.
Julius P., mit großen fibrös-speckigen Nasenpolypen, durch welche das knöcherne Nasengerüste auseinander gedrängt war, wurde nach 4 Minuten der Einathmung betäubt. Ich konnte die Polypen, ohne daß sich eine Schmerzempfindung bei dem Kranken äußerte, aus beiden Nasenhöhlen mit der Zange ausziehen, ungeachtet diese sich bis zur Rachenhöhle erstreckten. Erst nach Beendigung der Operation erwachte er und blickte erstaunt um sich. Er hatte die ganze Operation angenehm verträumt.