Es kam ein 12jähriger Knabe mit einer höchst abschreckenden Physiognomie in die Klinik. Die Mitte des Gesichts war weit herausgewölbt, und Nase und Wangen bildeten zusammen einen gleichmäßigen Hügel; die Augen lagen weit vor. Diese grausenhafte Entstellung war die Folge von fibrösen Geschwülsten, welche in dem hinteren Theil der Nasenhöhlen bis zum Gaumen hin sich gebildet und die Gesichtsknochen von einander gedrängt hatten. Seit Jahren war durch diese Geschwulst der Athmungsweg durch die Nase vollkommen abgesperrt, und das unglückliche Kind daher immer genöthigt, durch den weit geöffneten Mund zu respiriren. Mit jedem Monat nahmen die Gewächse in der Nase an Umfang zu, die Augenhöhlen wurden zusammengedrückt und die Augäpfel immer mehr herausgedrängt. Auch stand ein baldiger Durchbruch durch die breitgezogenen, verdünnten Nasenknochen bevor, so wie auch Erstickungsgefahr im Schlafe vorhanden war. Vergebens hatte man sich schon früher bemüht, durch Ausziehen mittelst Zangen einen Theil des Aftergebildes zu entfernen, bis endlich das Kind nach Berlin gebracht wurde.

Nicht ohne Sorge schritt ich zu der tief eingreifenden Operation, welche ich von den Nasenlöchern aus wegen der Größe und Ausdehnung der Geschwülste für unmöglich hielt. Auch hatte ich die große Reizbarkeit des Kindes zu scheuen, welches bei dem Gedanken an eine neue Operation zitterte, obgleich es deren Umfang nicht ahnte. So sehr ich mich auf die Anwendung der Aetherdämpfe in diesem Falle freute, so war dieselbe doch bei dem gänzlich aufgehobenen Athmen durch die Nase äußerst bedenklich, und es mußte um den Knaben nicht der Erstickungsgefahr auszusetzen, äußerst behutsam zu Werke gegangen werden. Ich ließ das Einathmen der Aetherdämpfe daher in Absätzen vornehmen und zwischendurch wieder atmosphärische Luft einziehen, trieb die Sache aber nicht bis zur Bewußtlosigkeit, sondern begann die Operation mit dem Eintritt der ersten Zeichen der Empfindungslosigkeit. Ich machte nun zuerst zwei herabsteigende Schnitte durch die Gesichtshaut an der Stelle, wo im natürlichen Zustande die Gränze zwischen der Nase und den Wangen sich befindet, und vereinigte diese unter der Nase durch einen Querschnitt. Den auf diese Weise gebildeten Lappen, welcher die ganzen Knorpel und Weichgebilde der Nase enthielt, wurde von dem Grunde getrennt und nach Durchschneidung der Scheidewand und Lösung vom Knochengerüste in die Höhe geschlagen. Während ein Assistent die umgekehrte Nase an der Stirn festhielt, konnte ich zu dem frei und offen liegenden vorderen Theil der Geschwulst gelangen. Sie wurde mit einem Haken fixirt und mit einer auf der Fläche gebogenen Scheere gelöst und ausgeschnitten, wobei sie sich von fester, unzerreißbarer, sehnenartiger Substanz zeigte. Die Mitte enthielt eine Höhle, welche mit einer molkigen Flüssigkeit angefüllt war. Jetzt war der Durchgang von vorn bis hinten zum Schlunde und Kehlkopf frei, alles Krankhafte entfernt, und die Operation nun durch Wiederanheften der Nase zu vollenden. Dieses bewirkte ich durch eine Anzahl feiner Nähte, und bald war das Ansehen des Kindes ein natürliches. Außer tiefem Seufzen und Stöhnen während der Operation verrieth das Kind kein deutliches Schmerzgefühl, und als es dann wieder zu sich kam, behauptete es nur, daß man es gekratzt habe.


Carl N., ein fremder Knabe von 14 Jahren, sah noch weit schrecklicher aus als der vorige, denn er hatte kaum eine menschliche Physiognomie, da die vordere Fläche des Gesichts eine Halbkugel bildete, und die Nase glatt verstrichen war. Diese Entstellung war die Folge großer, im Innern der Nasenhöhle wuchernder fibröser Polypen, welche selbst in die Thränensäcke hineinwucherten und an dieser Stelle zwei Geschwülste von der Größe einer halben kleinen Haselnuß bildeten. Die Augen lagen weit vor und der Mund war immer weit geöffnet, durch welchen der Knabe nur mühsam athmete, da die Polypen sich auch weit hinter das Gaumensegel hinab erstreckten. Dem unglücklichen Kinde war schon früher von mehreren geschickten Aerzten ein Theil der Polypen ausgezogen worden, doch hatte dies nur eine vorübergehende Erleichterung verschafft. Von dem bloßen Ausziehen war bei dem Umfange des Uebels aber wenig zu erwarten, da durch die Nasenlöcher immer nur ein Theil der Geschwulst erreicht werden konnte. Der Kranke wurde vor der Operation drei Minuten lang ätherisirt, worauf er betäubt wurde. Indessen war er bei der Operation sehr unruhig und erschwerte mir dieselbe durch heftige Bewegungen. Es mußten die Weichgebilde der eine wenig erhabene Fläche bildenden Nase zuerst in der Gestalt eines länglichen Vierecks losgetrennt und nur mit der Stirnhaut in Verbindung gelassen werden. Nachdem dies geschehen war, schlug ich diesen Lappen in die Höhe und ließ ihn an der Stirn halten. Dann entfernte ich theils mit der Säge, theils mit der Knochenscheere zu beiden Seiten der flachen Nasenknochen ein Paar pyramidenförmige Knochenstücke, deren breite Basis ¾ Zoll betrug. Von diesen weiten Oeffnungen aus konnte ich die Polypen theils mit Zange und Scheere, theils mit der Zange allein bis hinter dem Gaumensegel entfernen und selbst die Thränensäcke ausräumen. Die Menge der extrahirten Masse war enorm, die Blutung bei der Operation sehr heftig. Der Kranke behielt immer die nämliche Unruhe, ohne bei der Operation zu sich zu kommen. Endlich waren die inneren Räume der Nase bis in den Rachen hinein frei, worauf ich, nach Stillung der Blutung durch anhaltende Einspritzungen von kaltem Wasser, zur Vereinigung der gelösten Weichtheile der Nase schreiten konnte, welche dann schnell durch eine Anzahl umschlungener und Knopfnähte bewirkt wurde. In die durch Aussägen eines großen Theiles des Oberkiefers bewirkten Knochenspalten wurden dann die Weichgebilde mittelst Charpie und Pflaster hineingedrängt, nachdem die Mitte der Nase stark vorgezogen war, so daß dieselbe Prominenz gewann. Nach Beendigung der Operation versicherte der Kranke, sehr heftige Schmerzen empfunden zu haben. Die Heilung der vereinigten Wunden erfolgte schon in wenigen Tagen, und der Kranke gab ungeachtet der Größe der Operation keinen Augenblick zu Besorgnissen Gelegenheit.

Nasenbildungen.

Die rhinoplastischen Operationen, welche ich bereits unter Anwendung der Aetherdämpfe gemacht habe, sind die folgenden.

Otto K., ein 15jähriger Knabe, welchem der vordere Theil der Nase durch scrophulöse Geschwüre zerstört war, kam in die Klinik, um durch die Neubildung des verstümmelten Theiles der menschlichen Gesellschaft wiedergegeben zu werden. Am Tage vor der Operation wollte ich die Aetherdämpfe auf ihn prüfen. Nachdem er dieselben nur eine Minute lang geathmet hatte, wurde er so tief betäubt und bewußtlos, daß man ihn schnell der frischen Luft aussetzen und belebende Mittel anwenden mußte. Bald darauf war er wieder vollkommen hergestellt. Am nächsten Tage äußerte sich der Aether bei diesem jungen Menschen, welcher noch nie geistige Getränke genossen hatte, welchem Umstande wohl die schnelle Einwirkung des Aethers zuzuschreiben war, schon minder stark; er wurde erst nach 2 Minuten empfindungs- und bewußtlos, behielt aber, auf einem Stuhle sitzend, die aufrechte Stellung bei. Ich schritt zur Operation. Zuerst wurden die Ränder der verstümmelten Nase abgeschnitten, um an sie den neuen Ersatztheil anheften zu können, darauf spaltete ich den Rest des Nasenstumpfes zur Aufnahme der ernährenden Brücke, und endlich umschnitt ich an der Gränze des Haarwuchses, im höchsten Theile der Stirn anfangend, nach abwärts mit dem Messer gehend, ein dem Defect der Nase entsprechendes Stirnhautstück, welches vom Stirnbein gelöst, umgedrehet und herabgelegt, durch Nähte mit dem Nasenstumpf in genaue Verbindung gebracht wurde. Bei der ganzen Operation, welche, mit Inbegriff von 16 Nähten, 15 Minuten dauerte, selbst bei ihrem schmerzhaftesten Theile, der Abtrennung der überhäuteten Ränder des Nasenstumpfes, saß der Knabe regungslos auf dem Stuhle, ohne einen Schmerzenslaut von sich zu geben. Nachdem er ganz wieder zu sich gekommen war, wollte er kaum glauben, daß die Operation schon geschehen sei, und überzeugte sich erst durch das Hinfühlen mit den Fingern nach der neuen Nase, von der glücklichen Wirklichkeit. Als ich ihn fragte, ob er auch Schmerzen empfunden habe, versicherte er, daß er vom Augenblick des Berauschtwerdens bis zu seinem Wiedererwachen durchaus nichts von sich gewußt habe.


Louise D., ein schönes, 16jähriges Mädchen, welches in frühester Kindheit den vorderen Theil der Nase nebst der Nasenscheidewand durch skrophulöse Geschwüre eingebüßt hatte, so daß man in die unheimliche Tiefe der inneren Nase hineinblicken konnte, unterzog sich in der Klinik der Operation des Wiederersatzes des Fehlenden. Es schmerzte mich zwar, aus der schönen Stirn, so viel als ich gebrauchte, zu nehmen, doch da kein sehr großes Hautstück nöthig war, die dünne welke Armhaut sich nicht zum Bilden eignete, so durfte ich hoffen, die Ränder der Stirnwunde wieder dicht zusammenzubringen, so daß nur ein fadenförmiger Streifen den Ort bezeichnete, woher die Nasenspitze genommen war. Nachdem die Kranke zuvor drei Minuten lang die Aetherdämpfe eingeathmet hatte, trat der Zustand der Empfindungslosigkeit ein. Jetzt begann ich das Wundmachen der Ränder des Nasenstumpfes und des oberen Theils der Oberlippe zur Einpflanzung der Scheidewand, spaltete dann den Nasenrücken, löste einen zollbreiten Streifen aus der ganzen Höhe der Stirnhaut, drehte den heruntergelegten Lappen um und befestigte ihn mit Nähten an dem Bestimmungsorte. Dies, was auf dem Papier so leicht aussieht, ward ziemlich schnell unter Stürmen, wie ich sie noch nicht erlebt habe, vollendet. Eine Reihe höchst seltsamer Erscheinungen hatte ich nämlich während der Operation bei der Kranken in Folge der Einwirkung des Aethers zu überwinden. Nachdem sie drei Minuten lang denselben eingeathmet hatte, wurde das Mädchen empfindungslos. Unter den ersten Messerzügen sprach sie von einem schönen Traume, den sie eben gehabt habe, von glänzenden Gesichtern und Gewändern, von hellen, schönen Lichtern und sanfter Musik. Dann schrie sie über ein Wehe, sie werde gekratzt, und mit jedem Augenblick wurde die Aufgeregtheit stärker und steigerte sich bis zur größten Wildheit mit herzzerreißenden Ausdrücken, als wolle man sie morden. Nur durch neue Einathmungen konnte sie besänftigt werden. Der glänzendste Erfolg der Operation belohnte das junge Mädchen für den Muth, mit welchem sie sich derselben unterzogen hatte.