Operation einer angebornen Phimose.

Ein 1½jähriger Knabe litt an einer angebornen Phimose. Des hohen Grades des Uebels wegen sammelte sich der Urin hinter der Vorhaut, so daß diese blasenförmig aufgetrieben wurde, worauf er dann in einem feinen Strahl und zuletzt tropfenweise aus der haarfeinen Oeffnung abging. Da die Operation nicht länger aufgeschoben werden konnte, so ätherisirte ich das unruhige Kind durch Vorhalten eines mit Aether angefeuchteten Schwamms. Nach anderthalb Minuten wurde es ruhig und schloß die Augen. Beim Abschneiden der Spitze des Präputiums und bei der Spaltung der inneren Lamelle ließ das Kind einen dumpfen Seufzer vernehmen, schien übrigens nicht zu leiden.

Operation eines Mastdarmpolypen.

Friedrich P., ein schöner, 5jähriger Knabe litt seit langer Zeit an Blutungen aus dem Mastdarm, welche durch einen Polypen hervorgebracht wurden. Nach 2 Minuten der Aethereinathmung wurde das Kind bewußtlos. Ich führte einen Finger in den Mastdarm, brachte dann einen zwei Zoll von der Oeffnung aufsitzenden Polypen von der Gestalt, Größe und Farbe einer dunkelrothen Gartenerdbeere heraus und durchschnitt den dünnen, sehnigen Stiel. Das Kind hatte von der Operation nichts gefühlt und kam dann bald wieder zu sich.

Operation eines Mastdarmvorfalls.

Ein fremder Herr, 57 Jahre alt, von kräftigem Körperbau, seit vielen Jahren mit einem wie ein Hühnerei großen prolapsus ani behaftet, welcher die Quelle unsäglicher, das Leben verbitternder Leiden geworden war, entschloß sich zur Operation unter der Einwirkung der Aetherdämpfe. Der Kranke athmete lange und tief, aber er wurde nicht betäubt, auch nicht empfindungslos. Da dann in Folge des langen Einathmens das Gesicht dunkelroth wurde, so ließ ich ihn aus Besorgniß, daß es zu viel werden könnte, den Dunst nicht mehr einziehen; auch sagte er mir, »es wird Ihnen nicht helfen, ich bin zu sehr an starke Getränke gewöhnt.« Ich schnitt nach vorher durchgeführten Fäden aus den vorliegenden, zum Theil entarteten Darmpartien, zwei große Keilstücke aus, vereinigte die Wundränder, stillte dadurch die heftige Blutung und reponirte den Rest. Obgleich sich der Aether hier anscheinend ganz unwirksam zeigte, und der Kranke sich sehr über Schmerzen beklagte, so schienen mir dieselben doch nicht in dem Grade stark zu sein, wie ich sie sonst bei dieser Operation wahrgenommen hatte.

Operation eines Panaritiums.

Dieser Fall ist durch das häufige Vorkommen des Uebels ohne alles Interesse, merkwürdig dagegen durch den so unerhört schnellen Eintritt der Betäubung. Eine Dame von einigen dreißig Jahren war seit 8 Tagen durch ein Panaritium am linken Zeigefinger von den fürchterlichsten Schmerzen, welche ihr den Schlaf raubten, gefoltert. Sie wollte nicht einmal die Berührung des kranken Fingers erlauben, noch weniger sich zu einem Einschnitt verstehen, obgleich ich ihr sonst den Verlust oder wenigstens die Verkrümmung des Zeigefingers prophezeite. Als ich ihr dann die vorherige Betäubung durch Aether empfahl, willigte sie wenigstens darin, einen mit Aether befeuchteten Schwamm vor Mund und Nase zu halten. Ich befeuchtete nun einen Schwamm von der Größe einer großen Untertasse mit Aether, drückte denselben aus und ließ ihn unmittelbar auf Mund und Nase legen. Zu meinem größten Erstaunen trat schon nach ⅓ Minute völlige Empfindungslosigkeit mit gänzlich aufgehobenem Bewußtsein ein. Alle Sinne, selbst das Gehör waren aufgehoben, und der Puls äußerst langsam. Ich machte jetzt, ohne daß die Kranke es nur im Geringsten merkte, an der einen Seite des Fingers einen Einschnitt bis auf die Knochen, worauf sich eine Menge Eiter entleerte. Noch immer lag die Kranke in tiefer Betäubung da, und erst nach dem Besprengen mit kaltem Wasser öffnete sie die Augen und erhob sich, noch in dem Glauben stehend, der Schnitt soll erst jetzt vorgenommen werden.

Amputationen größerer Glieder.

August S., ein Mann von 39 Jahren, litt an einer cariösen Zerstörung der Knochen der Handwurzel und Hand, welche keine Hoffnung auf Heilung mehr zuließ. Nur die Amputation konnte dem Kranken noch das Leben retten. Derselbe wurde zuvor ätherisirt. Es dauerte vier Minuten, bis Betäubung eintrat. Ich machte die Cirkel-Amputation über dem Handgelenk. Weder beim Durchschneiden der Haut, noch der Muskeln und der Durchsägung der Knochen gab der Kranke ein Zeichen des Schmerzes von sich, er lag regungslos da, und selbst die Unterbindung der Gefäße und das Anlegen des Verbandes konnte vor dem Erwachen des Patienten vorgenommen werden. Erst dann brach er nach einem Gestöhn in die Worte aus, er sei betrunken, und wir Alle. Hierauf ward er wieder vollkommen verständig, stieg, ohne daß er unterstützt werden wollte, vom Operationstisch. Als ich ihn fragte, haben Sie Schmerzen gefühlt? »Nein. Ich habe zwar etwas empfunden, aber keine Schmerzen, es war mir nur, als ob ich angefaßt würde.«