Henriette W., 38 Jahre alt, von großem, kräftigem Körperbau, war mit einem rechten Klumpfuß höheren Grades geboren. Das Uebel war nicht geheilt und hatte Gelegenheit zu schwieliger Entartung des Fußes, zu großen, callösen Fußgeschwüren und endlich zur speckigen Degeneration des Unterschenkels gegeben. Das Glied hatte die Dicke und Form eines Elephantenbeins und war nicht mehr zu heilen. Nur die Amputation konnte allenfalls das Leben noch retten. Nach vier Minuten langem Einathmen der Aetherdämpfe wurde die Patientin vollständig betäubt. Auf dem Operationstisch liegend, den gesunden Fuß auf einen Stuhl gestützt, den rechten von geübten Assistenten gehalten, machte ich den Cirkelschnitt dicht über dem Kniegelenk; durchschnitt beim ersten Schnitt die Haut, beim zweiten die dicken Muskeln mit einem Zuge, schob die Weichgebilde mit meinem Retractor zurück und sägte den Knochen ab. Dies war das Werk einiger Sekunden. Kein Laut des Schmerzes oder des Unbehagens vernahm man dabei. Dann wurden die Arterien unterbunden, und der Verband angelegt. Jetzt kehrte das Bewußtsein allmälig zurück. Die Kranke sprach jetzt die Worte: »warum weckt ihr mich? wo war ich denn? es war so schön, ich war in einem schönen Garten mit Blumen, warum habt ihr mich denn aufgeweckt?« Sie blickte umher, machte eine schüttelnde Bewegung mit dem Kopfe und sank gleichsam einschlummernd zurück. Sie wurde dann vom Tisch ins Bette gelegt und auf ihr Zimmer gebracht.

Sehnen- und Muskeldurchschneidungen.

Hermann B., 2½ Jahr alt, war mit einer rechten Klumphand des höchsten Grades geboren. Vor der Operation athmete er 6 Minuten lang Aetherdämpfe, bis Empfindungslosigkeit eintrat. Bis dahin hatte er fortwährend geschrieen, jetzt aber wurde die Stimme matter und veränderte sich auch nicht weiter während der subcutanen Durchschneidung der verkürzten Beugesehne der Handwurzel und Hand. Dann wurde der Verband angelegt, wobei sich das Kind wieder munter zeigte.


Friedrich J., 24 Jahre alt, hatte in Folge eines Panaritiums des rechten kleinen Fingers eine Verkrümmung des höchsten Grades erlitten, welche mehr Folge einer faltenförmigen Längennarbe als einer Sehnencontractur war. Der Aether betäubte ihn binnen vier Minuten. Die Operation mußte eine complicirte sein, da die bloße quere Durchschneidung der Narbe keinen Erfolg haben konnte. Ich führte längs der Narbe an beiden Seiten zwei Schnitte herab, welche zu Anfang der Handfläche mit abgerundeter Spitze zusammentrafen, und durchschnitt hier die Beugesehne. Dann wurde der Hautstreifen bis gegen die Fingerspitze hin gelöst, der Finger etwas gestreckt, der Hautstreifen nach vorn gerückt und an die seitlichen Wundränder mit Nähten befestigt. Er diente zur Deckung der beiden vorderen Glieder, während die Wundränder der hinteren durch Pflasterstreifen einander genähert waren. Der Kranke gab nach überstandener Operation an, dieselbe wenig empfunden zu haben.


Carl R., 42 Jahre alt, erlitt eine schwere Verletzung des linken Unterschenkels, wobei der Fuß nach außen verrenkt, das Wadenbein über dem äußeren Knöchel gebrochen, die Gelenkkapsel an der inneren Seite des Fußes sammt der äußeren Haut zerrissen wurde, so daß der ganze innere Knöchel nackt hervortrat. Da man den Fuß nicht hatte wieder einrenken können, so war die Heilung in dieser widernatürlichen Stellung erfolgt, der herausgetriebene innere Knöchel angeschwollen und mit einer dünnen Haut bedeckt. In diesem Zustande kam der Kranke noch vor der Aetherzeit in die Klinik. Ich umgab den Knöchel mit zwei halbmondförmigen Schnitten, präparirte die Haut an beiden Seiten ab, sägte den Knöchel aus und brachte den Fuß in eine fast natürliche Stellung, so daß die Sohle dem Boden wieder zugekehrt war. In dieser Richtung wurde das Glied einige Monate lang bis zur Heilung erhalten. Die Stellung war aber noch nicht ganz günstig, indem die Ferse zu hoch, und die Spitze des Fußes zu tief stand, so daß jene den Boden nicht erreichen konnte, wie dies beim dritten Grade des Pferdefußes der Fall ist. Es mußte also die Achillessehne durchschnitten werden. Nachdem der Patient vorher 2 Minuten lang ätherisirt worden war, durchschnitt ich die Sehne 1½ Zoll über der Ferse; die Enden wichen sogleich weit auseinander, und ich konnte den Fuß in eine bessere Stellung bringen. Beim Schnitt schrie der Kranke auf, erinnerte sich aber beim Erwachen nicht, daß er Schmerzen empfunden habe. Dann wurde das Glied verbunden.


Hr. B., Kaufmann, 30 Jahre alt, war mit einem niedrigen Grade des Klumpfußes beider Extremitäten gekommen. Die Füße waren nur wenig verdrehet, aber kurz, die Sohle stark ausgehöhlt, der Rücken des Fußes gewölbt, die Zehen stark zurück- und dabei krallenförmig zusammengezogen. Nach fünf Minuten langem Einathmen war der Kranke vollkommen betäubt. Ich durchschnitt darauf die zusammengezogenen Sehnen an der Fußsohle und sämmtliche Sehnen aller Zehen, ohne daß der Patient zuckte oder einen Laut von sich gab. Nachdem er wieder zu sich gekommen war, versicherte er, einige Schmerzen bei der Operation empfunden zu haben.