Wilhelm B., 19 Jahre alt, litt an Plattfüßen. Der linke hatte den vierten, der rechte erst den dritten Grad erreicht. Ersterer machte dem Kranken beim Gehen große Beschwerde, da der innere Knöchel als großer Buckel hervorragte und der Patient großentheils auf dem inneren Fußrande zu gehen genöthigt war. Die Wadenmuskeln waren erschlafft, sämmtliche Strecksehnen und der lange Wadenbeinmuskel stark zusammengezogen. Nach 3 Minuten der Aetherisation trat völlige Betäubung ein, so daß ich alle Strecksehnen und den langen Wadenmuskel durchschneiden konnte, ohne daß der junge Mensch das Mindeste davon empfand. Erst nach Beendigung der Operation, bei der Geradrichtung des Fußes, während der Verband angelegt wurde, drückte er eine geringe Schmerzempfindung aus.
Bei einem jungen Manne von 24 Jahren, welcher an einem hohen Grade der seitlichen Einbiegung des linken Kniegelenks litt, so daß Unter- und Oberschenkel zusammen einen stumpfen Winkel bildeten, das Gehen äußerst unvollkommen und krüppelhaft war, sollten die Sehnen an der äußeren Seite des Kniegelenkes durchschnitten werden. Kaum hatte der Kranke einige Minuten die Aetherdämpfe geathmet, als er plötzlich unter wildem Geschrei um sich schlug und tobend Alle angriff, welche ihn umgaben. Acht Menschen rangen mit ihm, um zu verhindern, daß er sich kein Leid zufüge, und fortwährend vertheilte er Faustschläge nach allen Seiten hin. Dieser Sturm dauerte vier bis fünf Minuten, dann trat einige Ruhe ein, welche ich benutzte, um von kleinen Stichwunden aus die verkürzten Sehnen und Muskeln zu durchschneiden. Nach dieser blutlosen Operation wurde der Verband angelegt. Der Kranke befand sich jetzt in einer weichen, weinerlichen Stimmung, nickte wie ein Närrischer noch fortwährend mit dem Kopfe, machte tausend Entschuldigungen über sein Betragen, dessen er sich zum Theil bewußt war, versicherte aber, von der Operation selbst nichts gefühlt zu haben.
Ein junger Mann von 26 Jahren litt in Folge einer in früher Jugend überstandenen scrophulösen Knieentzündung an einer starken Einwärtsbiegung des Gliedes. Nur durch die Durchschneidung der äußeren Sehnen, besonders der des zweiköpfigen Muskels, und eine zweckmäßige orthopädische Nachbehandlung war die Heilung möglich. Vorher mußte er sieben Minuten lang Aetherdämpfe einathmen. Erst dann trat Empfindungslosigkeit mit theilweise aufgehobenem Bewußtsein ein. In dem Augenblicke, wo ich die Sehne unter der Haut zu durchschneiden begann, erfolgte ein Ausbruch von Wuth, wobei der Kranke die Augen fürchterlich rollte und um sich schlug. Dabei war er mit Schweiß bedeckt und verrieth eine unbeschreibliche Angst. Dann ließ der Sturm der Erscheinungen nach, mildere Empfindungen traten an die Stelle der heftigen, und die Scene endete mit scherzhaften Gestikulationen, unaufhörlich freundlichem Kopfnicken und freundlichem Bitten um Verzeihung, wenn etwa das Betragen nicht ganz anständig gewesen wäre. »Aber ich konnte nicht anders, sagte der gute Mensch, ich mußte das thun; daß ich operirt bin, glaube ich, weil Sie es mir sagen, und ich mein Knie verbunden sehe, gefühlt habe ich aber gar nichts.«
Fräulein Rosalie M. aus Polen, 22 Jahre alt, hatte vor einem Jahre in Folge einer scrophulösen Entzündung des linken Kniegelenks, welche in cariöse Zerstörung übergegangen war, eine Verkrümmung des Gliedes im rechten Winkel erlitten. Das Glied war abgemagert und im Gelenke verwachsen. Die Kranke athmete 2 Minuten lang die Dämpfe, worauf sie völlig betäubt wurde. Bei der Anwendung der nöthigen Kräfte trennte sich die Verwachsung im Gelenk wieder, worauf ich sämmtliche verkürzte Sehnen in der Kniebeuge von feinen Einstichspunkten aus durchschnitt, dann das Glied möglichst gerade bog und den Verband anlegte. Das Alles geschah in wenigen Augenblicken, und als die Kranke wieder erwachte, glaubte sie, geträumt zu haben.
Ein Knabe von 13 Jahren mit einer Verkrümmung beider Knieen, wurde in die Klinik Behufs der Operation und Geraderichtung aufgenommen. Nachdem ich ihn zuvor 4 Minuten lang Aetherdämpfe hatte einathmen lassen, trat urplötzlich die Wirkung des Mittels, welche sich als ein äußerst heiterer Rausch zeigte, ein. Er war so ausgelassen, daß er den Zuhörern die Zunge zeigte und sie unter den sonderbarsten Grimassen verhöhnte. Von der Operation, welche in der Durchschneidung der verkürzten Sehnen unter der Haut und wegen des aufgehobenen Widerstandes in leichter Streckung der Glieder bestand, verspürte er durchaus nichts. Auch nach der Anlegung des Verbandes blieb er noch eine Weile in dieser ungebundenen Heiterkeit.