Ich war sein Begleiter bis Wien, wo ich dem Rath einiger Männer von Bedeutung zufolge, denen ich empfohlen war, zurückbleiben mußte. Man erlaube mir also, Seume’n im Geiste weiter zu folgen, und hier und da ein Wort für die Leser einzuschalten, die er interessirt.

Meine Anmerkungen betreffen bloß die Individualität des Reisenden, und daß ich dazu einigen Beruf fühle, möge der Umstand rechtfertigen, daß Seume neun Jahre lang mein Tischgenosse und täglich in meinem Hause war.

Er ist nicht mehr, und ich und die Meinigen — haben Einen redlichen Freund verloren.

[3] Ich bin mir bewußt &c.

Das wird Niemand läugnen, der S. näher gekannt hat; und er befand sich nicht wohler, als in dem häuslichen Kreis einer rechtlichen Familie. Er war auch bei weitem nicht so grießgrämig, als Manche vielleicht glaubten, und nahm, wenn er aufgefordert wurde, selbst Antheil an der Ausführung kleiner Possen, zuweilen als Dichter, zuweilen als mitspielende Person.

So übernahm er einmal die Rolle des Heroldes, als wir in der herrlichen, romantischen Gegend bei Grimma, in Pölen, auf freiem Felde den Don Quixote im abenteuerlichsten Kostüm aufführten, und die Kleopatra machte er selbst in seinem Schnurrbarte, als wir die Posse von Kotzebue in Hohenstädt gaben, um Freund G. eine heitere Stunde zu machen.

So finster sein Blick und so ernsthaft er überhaupt war, so näherten sich ihm doch bald selbst die kleinen Kinder, die er mit innigem, tiefem Gefühl in seine Arme schloß.

Sein größter Kummer war, nicht selbst Weib und Kind zu haben. Das Schicksal war ihm nicht günstig gewesen, und er hatte in dieser Hinsicht bittere Erfahrungen gemacht. Dieses zeigt schon sein früheres Gedicht: „der Abschied an Münchhausen.“ In seinen spätern Gedichten und besonders im gegenwärtigen Buche hat er sich darüber hier und da deutlicher ausgesprochen.

So sagt er einmal zu mir: „Wenn es nicht wider meine Grundsätze wäre, so möchte ich wohl von einem gesunden Bauermädchen einen Jungen haben.“