S. war durchaus streng sittlicher Mensch. Hörte er von einer Handlung schöner Humanität sprechen, so war seine Aeußerung kurz: „Nun, das ist vernünftig! das ist human, das ist brav!“ Aber sein Herz wurde wohlthätig erwärmt.
Ein solches herzerhebendes Freudenfest gab ihm auch jenes Ereigniß, das er in diesem Buche aus Messina selbst erzählt.
Er pflegte immer zu sagen: „das Gute lobt und belohnt sich selbst.“
Ueber Niederträchtigkeiten aber, über Herabwürdigung und Entehrung der Menschenwürde ergrimmte er zähneknirschend in seinem Innersten, so tolerant er auch immer menschliche Schwachheiten beurtheilte.
Das Wohl der Menschen, auf allgemeine Gerechtigkeit und Freiheit — für seine Ansichten eigentlich nur Synonyma — gegründet, lag ihm zu sehr am Herzen. Indessen war er besonnen. Mit den Individuen aus dem Volke ließ er sich nie, weder in politische, noch in religiöse Gespräche ein. „Das kann da nichts helfen,“ pflegte er zu sagen: „das Vernünftige muß von oben herabkommen und allgemein gemacht werden.“ Und so gab er auch nicht einmal seiner Mutter und seinen Verwandten seine Schriften. „Ihr versteht das nicht,“ sagte er. „Gehorcht ihr den Gesetzen und geht in eure Kirche.“
Er war nie mit den schnellen, sogenannten Aufklärern zufrieden, störte Niemand in seinem Glauben, und schätzte wackere, gewissenhafte Prediger sehr.
Unter seiner Mutter Bildniß, das ich einmal vor ohngefähr 15 Jahren für ihn zum Andenken gezeichnet und radirt hatte, ließ er Folgendes stechen:
Regina Christina Seumin.
Liebe und Hochachtung den Aeltern, Treue den Freunden, Ehrfurcht der Religion, Gehorsam den Gesetzen, Muth dem Vaterlande, Gerechtigkeit und Menschlichkeit Allen.
[4] Man wirft mir vor, daß ich kein Amt suche &c.