Was Du mir in Deinem leztern Briefe über die Aufführung unsers verstorbenen Bruders meldest, will ich vor der Hand auf sich beruhen lassen.
Daß, in Absicht der Hanthirung, und meiner Forderungen, alles von allen Seiten verworren genug ist, ersehe ich gar deutlich: was aber meine Anwesenheit in Rammenau dabei fruchten könne, nicht. Auch ist, Deinem letztern zu Folge, unsre Zusammenkunft bei Deiner Frankfurter Reise von Schwierigkeiten begleitet, welche die Vortheile, die ich mir davon verspreche, wohl niederwiegen möchten. Ich gebe also diese Zusammenkunft auf, indem ich einen andern Versuch mache, ins klare zu kommen.
Dieser Brief trift Dich ohne Zweifel noch vor Deiner Abreise nach Frankfurt; mich aber trift keiner von Dir mehr in Jena; indem ein blosser Zufall mich noch diesen Monat hier zurükgehalten, und verhindert hat, nach Berlin zu gehen, wohin ich längstens binnen 14. Tagen mit meiner Familie auf immer abgehen werde.
Dein getreuer Bruder
J. G. Fichte.
Aufschrift:
An Joh. Gottlob Fichte
zu
Elster.
Fichte wurde sodann zum Professor in Erlangen ernannt, wo er aber nur im Sommer 1805 lehrte, weil 1806 die kriegerischen Ereignisse ihn anderwärtshin führten, während gleich von vorn herein bestimmt worden war, daß er im Wintersemester in Berlin Vorträge halten durfte. Von da aus ist der folgende Brief seiner Frau geschrieben, in welchem sie in diesen gefahrvollen Zeiten auf zartfühlende Weise sich für ihre und ihres Kindes Zukunft besorgt zeigt. Das erwähnte Unwohlsein Fichte's war eine heftige Kolik (II, 405).
33.
Berlin d: 26: Jenner 1806:
Theure Eltern, ich bitte Sie um eine Gefälligkeit daß Sie nämlich die Güte hätten mir bey dem Prediger meines Lieben Mannes Taufschein auszuwirken, denn da ich in die hiesige WitwenCaaße legen will, so brauch ich ihn dazu unumgänglich ich laße mir zu dem Ende hin Geld aus der Schweiz kommen, welches ich noch da stehn habe; mein Mann weiß nichts davon daß ich in die WitwenCaaße lege, denn es scheint mir sehr unherzlich mit meinem guten lieben Mann davon zu reden, wovon man nach seinem Hinsterben leben solle, und darum rede ich nicht darüber, sondern danke Gott daß mir noch etwas Geld geblieben ist, damit ich es selbst bestreiten kann; auf der andern Seite halt ichs für meine Pflicht zu thun, denn die Menschen sind sterblich, und auch ich bin sterblich, was sollte denn aus unserm armen Kinde werden? sterbe aber auch ich, so bekommt unser Kind, bis in sein 25. Jahr, die Hälfte von dem, was ich als Witwe bekommen hätte.