42.
Berlin d: 17: July 1812.
Sie stellen sich leicht vor Theurer Guter Greis, mit welcher innigen Wehmuth, wir die Nachricht von Ihrem schweren Krankenlager vernommen haben; Gott stärke Sie, Gott stehe Ihnen bey; und wenn es sein gnädiger Wille ist, so erhalte er Sie uns noch lange; ist es sein Wille nicht, so laße er Sie in Ruh, und Frieden hinüber gehn, ins beßere Vaterland, wo wir Gott näher kommen, und ihn würdiger anbethen, und preisen können, und wo wir uns alle wiederfinden werden; ich freue mich mit inniger Wonne der seligen Zeit, wo auch wir hinnüber gehn werden, um einer nähern, innigern Anschauung, und Anbethung Gottes gewürdigt zu werden.
Was die irdischen Angelegenheiten betrift, so wird mein Mann es nicht erlauben, daß der guten Großmutter, das Geringste genommen werde; sondern Sie soll bis am Ende ihres Lebens im Besitz alles deßen bleiben, was Sie hinterlaßen; und weil mein Mann durch den verstorbenen Bruder das Haus gekauft hat, so kämm es ja ihm zu, und er hat ein Recht darüber zu sprechen; auch werden wir der guten Großmutter, wie bis izt, ein bestimmtes an Geld schiken, so daß sie ruhig leben kann; und Sie Guter Großvater sich auch darüber keine Sorge machen, der gütige Gott wird auch sie nicht verlaßen, und wir wollen als rechtschaffne Kinder gewis immer für sie sorgen.
Hermann und Handchen grüßen Sie auch von ganzem Herzen; sie wollen für Sie bethen; und ist es Gottes Wille, so werden Sie sie auch noch auf dieser Welt sehn, sie wachsen beyde, sind stark, gesund, und gute Kinder. Ich hoffe daß Sie die 20: Th. welche im Anfange dieses Monats geschikt wurden nun erhalten haben. Mein Mann hoff ich schreibt auch noch: drum sag ich Ihnen von ganzem Herzen lebe wohl; wo nicht in dieser Welt, so sehn wir uns in der andern wieder. Der gnädige Gott sey mit Ihnen: das ist der innigste Wunsch
Ihrer Johanna Fichte
[Von J. G. Fichte:]
Ich hoffe, mein theurer Vater, daß Sie Sich noch wieder erholen, und noch bei uns bleiben werden, und ich Sie noch sehen werde. Ich kann mich mit dem Gedanken Ihres möglichen Verlustes nicht vertraut machen.
Was meine Frau in dem vorstehenden schreibt, ist auf die Voraussetzung gegründet, daß, im Falle des Abgangs des Vaters mit Tode, die Geschwister sollten theilen wollen. Ich hoffe, dies fällt keinem Menschen ein. Ich denke wohl, es versteht sich von selbst, daß, da alles von der Mutter herkommt, sie alles, was da ist, fortgenießt, bis an das, Gott gebe noch recht lang entfernte, Ende ihres Lebens. Außer dem hätte wohl auch ich in diesem Falle ein Wort mit zu sprechen.
Ich ersuche darum durch dieses die Mutter dringend, nichts von der Verlassenschaft wegbringen zu lassen; ich mache Bruder Gottlob, der mir schreibt, er werde ohne meine Einwilligung nichts thun ganz besonders darüber verantwortlich. Ich will überhaupt aus brüderlicher Liebe und Achtung hoffen, daß diese Vorstellungen ganz überflüßig sind, indem es gar niemanden eingefallen anders zu handeln.