Fichte
Falls doch Gott über Sie beschließen sollte, theurer Vater, diese Zeilen aber Sie noch bei Leben antreffen, so nehme ich hierdurch mit der Liebe und Verehrung, die ich immer für Sie getragen habe, Abschied, bis zum Wiedersehen in einer beßern Welt.
F.
[Ein beigelegtes Blatt:]
Wir wußten nicht aus den vorigen Briefen, daß auch die gute Großmutter krank ist, sondern erfahren's erst izt, durch Ihren letzten Brief, guter Großvater; Sie können Sich unsern Schmerz vorstellen, Sie nun beyde leidend zu wißen; wir hoffen doch daß Sie jemand bey Sich haben, der Sie wartet und pflegt; wie gerne wollten wir es thun, wenn wir bey Ihnen währen: der gütige Gott steh Ihnen bey, und das wird er thun, das ist mein, und unser aller, einziger Trost; meines Mannes Beruf Vorlesungen zu halten, meiner zur Wirthschaft, und Einquartierung, zu sehn, und zu dierigen [dirigiren]; Hermanns seiner Vorlesungen zu hören, Handchen ihre Hausgeschäfte zu thun, dieses alles bindet uns bis im Herbst am Hause; vom 15: August hören die Vorlesungen auf, dann soll mein Mann 4: Wochen im Hause Baaden, so spricht der Doctor, so geht noch eine lange Zeit hin, vielleicht erholen Sie Sich mit Gottes Hilfe wieder, wie wir sehnlichst wünschen.
Es ist Ihnen vielleicht eine Herzensangelegenheit Handchen, etwas zu vermachen; so haben Sie nur die Güte es uns zu schreiben, oder schriftlich Ihren Willen dem Prediger zu übergeben; ich sage dieses nur, damit doch gewis Ihre Herzenswünsche erfüllt werden. Dieses blätchen leg ich noch bey, nadem der Brief schon geschrieben war, eh wir Ihren letzten erhielten. Der Gnädige Gütige Gott sey mit Ihnen; in einer beßern Welt finden wir uns wieder wo alle Sorge, und Müh ein Ende hat.
[Von Johanna's Hand:]
Hier schiken wir Ihnen noch 10: Th: damit Sie Sich ja pflegen können.
Aufschrift von Johanna F.:
Herrn Christian Fichte
in
Rammenau bey Bischoffswerda.