Dagegen aber fällt ihn sein Unglück da an, wo er keine Gefahr weiter ahnet. Von der Substanz, meint er, habe noch kein Philosoph einen bestimmten Begriff aufgestellt. — Welcher Philosoph weiss nicht, dass seit Locke eine sehr bestimmte Nominalerklärung der Substanz vorhanden ist: die, dass sie sey der Träger der Accidenzen? Auch würde der Recensent gerade in dieser Wissenschaftslehre, von welcher er zu sagen weiss, dass Fichte sein Religionssystem daran anzuknüpfen suche, eine, wie wir glauben, sehr bestimmte Real- und genetische Erklärung der Substanz gefunden haben; dass sie nemlich sey die (allein im Denken geschiedenen) Accidenzen selbst, in sinnlicher Anschauung zusammen- und als Eins aufgefasst, wenn er diese Wissenschaftslehre jemals durchblättert hätte: und er hätte sodann den Lesern der A. L. Z. berichten können, warum Gott, der in sinnlicher Anschauung nicht vorkomme, das Prädicat der Substanz sich nicht beilegen lasse; welches den Lesern zu grosser Erbauung, und der Literaturzeitung zu grossem Ruhme gereicht haben würde. Von diesem allen hat er nichts gethan und nichts gewusst. Man sieht, die Philosophie ist dieses Recensenten Fach nicht.
Nun, was ist er denn also, und welches ist sein Fach?
Er fürchtet, Fichte möge sich im Ausdrucke vergriffen haben, und geht daran herum, ihm denselben zu verbessern. Man sieht, dass er gewohnt ist, exercitia stili zu corrigiren. Ein Sprachmeister ist er.
Und was für ein Sprachmeister! — Fichte hat gesagt, dass man Gott das Prädicat der Substanz nicht beilegen könne, und fährt darauf fort: „es ist erlaubt, dieses aufrichtig zu sagen, und das Schulgeschwätz niederzuschlagen, damit die Religion des freudigen Rechtthuns sich erhebe.“ Unser Sprachmeister nimmt von diesem letzteren Ausdrucke die Gelegenheit, Fichte dem Verfasser des Schreibens eines Vaters etc., welcher Verfasser Forberg und Fichte zuerst öffentlich des Atheismus bezüchtigt, — so ungefähr gleichzustellen (denn dieser Sprachmeister hat zugleich ein sehr gutes Gemüth gegen Fichte, und zeigt es in diesem einzigen Blatte, das die Langweiligkeit des Ganzen uns zugelassen hat, durchzulaufen, auch noch an anderen Stellen), indem auch Fichte, nur freilich etwas feiner, in der Speculation anders Denkende ohne weiteres der Irreligiosität beschuldige, und hier insinuire, dass der Begriff von Gott als Substanz erst niedergeschlagen werden müsse, ehe die wahre Religion stattfinde. Ihm sind sonach sich erheben (über Hindernisse und Zweifel) und entstehen Synonyme.
Forbergs Benehmen, das er höher oben als petulant, und der Wichtigkeit der Sache nicht angemessen beschreibt, nennt er tiefer unten, um doch auch seine Kenntniss des Französischen zu zeigen, niaiserie. Er mag wohl dieses Wort in seinem Dictionnäre durch läppisches Wesen übersetzt finden, und es seinen Schülern immer so übersetzt haben, ohne einen Unterschied zu bemerken zwischen einem unschicklichen Betragen aus Muthwillen (dessen er ohne Zweifel Forberg beschuldigen will) und einem ungeschickten und täppischen aus Unbeholfenheit, dessen weder er noch irgend jemand Forberg beschuldigen wird, und welches allein doch durch das Wort niaiserie bezeichnet wird. (Niais, höchst wahrscheinlich von nidus, eigentlich, ein junger Vogel, der, noch ehe er fliegen konnte, aus dem Neste genommen worden und dessen Flug daher unbeholfen bleibt.)
Der Recensent ist sonach ein verdorbener, heruntergekommener Sprachmeister, der bei dieser Unwissenheit freilich seine Kunden verlieren musste, und nun durch Recensionen an der Literaturzeitung sich seinen Unterhalt zu erwerben sucht.
Kein Mensch, und am allerwenigsten der Verfasser, wird glauben, dass ein so berühmter Philolog, als der Herr Hofrath Schütz, diese argen Verstösse nicht bemerkt habe. Aber was konnte er machen? Der Abgang des Beiwagens war angekündigt, die Stunde war da, und kein anderes Gut vorhanden. Er musste eben aufladen, was er hatte.
[22] Der Verfasser kann zwar nicht ganz in der beschriebenen, aber doch in einer ähnlichen Weise aus eigener Erfahrung sprechen. Nachdem er ein — von ihm selbst schon damals dafür erkanntes — schlechtes Buch geschrieben hatte, dafür in einer berühmten Zeitung mächtig gelobt, und gleich darauf zur Mitarbeit an dieser Zeitung eingeladen wurde — ei, dachte er, gehört dazu nichts weiter? und hatte einige Freude, und wurde auch wirklich, so lange er selbst in seiner Wissenschaft noch keinen festen Standpunct hatte, zum Ritter an ein paar jungen Schriftstellern, die noch weniger feststanden als er selbst. Seitdem er diesen Standpunct gefunden und bessere Schriften schreiben zu können glaubte, hat er jene Mitgliedschaft aufgegeben. Er kann nicht dafür stehen, dass er nicht einst, wenn er etwa durch Altersschwäche herunterkommen sollte, wieder zu derselben greifen werde, und will für diesen Fall jener berühmten Zeitung, und ihrem berühmten Redacteur, welche ohne Zweifel dann noch fortdauern werden, sich hiermit schon im voraus zu gutem Andenken und zu brüderlicher Schonung empfohlen haben. —
Vierte Beilage.
(Zum neunten Capitel.)
Das im Texte erwähnte Geschwätz über Katholicismus und Kryptokatholicismus ist ein trauriger Beweis, was dem guten deutschen Volke jeder Schwätzer anmuthen kann, wenn er nur kräftig schreit. Möchte es doch auch ein abschreckender Beweis für die Zukunft seyn!