Endlich soll ich Klägern Nachtheil verursachen. — Aber ich muss gestehen, dass hier mich mein kaltes Blut verlässt. Ich muss Ihnen sagen, mein Herr, dass Sie sich der Unbilligkeit dieser Anklage schämen sollten. Haben Sie nicht schon genug durch Ihren Alleinhandel gewonnen? Ach! dürfte ich doch den Verlust, den Sie zu haben vorgeben, mit Ihnen theilen! Warum wollen Sie mir denn nicht erlauben, Ihnen zu stehlen, was ich fortbringen kann? Warum wollen Sie mir denn nicht erlauben, eine kleine Nachlese zu halten? Giebt es nicht noch jetzt, seitdem ich diese reichlich halte, Leute genug, die entweder um der vermeinten grösseren Güte Ihrer Arznei willen, die doch wenig betragen kann, oder aus einem altfränkischen Vorurtheile für rechtmässigen Besitz, und vermeinter Theilnahme an der Dieberei Anderer, lieber Ihre theure Waare kaufen, als meine wohlfeile; — als ob ich nicht auch, wenn man denn einmal von Rechtmässigkeit reden will, dadurch das rechtmässige Eigenthum Ihrer Waare erhielte, dass ich mir die Mühe gebe, sie zu stehlen?

Vielmehr habe ich, wenn Sie kalt darüber nachdenken wollen, eben um Sie selbst das grösste Verdienst. Sie kennen noch Ihren Chemiker nicht. Schon längst dachte er, voll Neid über den Gewinn, den Sie durch sein Arcanum machen, darauf, sich des Handels mit demselben selbst zu bemächtigen. Er hat zwar seine Zeit weit nöthiger zur Verfertigung desselben; er versteht zwar nichts vom Arzneihandel; er ist zwar bei einigen Versuchen im Kleinen schon sehr übel angekommen: aber dennoch — glauben Sie mirs auf mein Wort — er hätte Sie des Handels beraubt. Nur, schlau wie er ist, merkte er meinen Anschlag auf Ihren Waarenkasten, und wollte lieber Sie, als sich selbst bestehlen lassen. Wenn Sie also überhaupt noch in einigem Besitze des Handels sind, so haben Sie es mir zu verdanken.

Dies sind die beträchtlichen Dienste, Glorwürdigster Nachfolger des Propheten, die ich dem gläubigen Volke, die ich dem nützlichen Verfertiger des Extracts, die ich dem Kläger selbst leiste. Und ich nun, was habe ich dafür? Wenn man den geringen Preis, um den ich das Arcanum verkaufe, gegen die Kosten, die ich auf desselben Conservation doch wende, die Reisen, die ich mache, berechnen will; so wird man finden, dass mir die Mühe, sie zu stehlen, sehr gering bezahlt wird, und dass ich die Verleumdungen meines Gegners, die Schurken und Diebe, die er gegen mich ausstösst, fast ganz umsonst hinnehmen, oder nur sehr niedrig in Anschlag bringen muss. Durch diese Verunglimpfungen wird mir nun mein ehrlicher Name, auf welchen die Menschen einen so grossen Werth setzen sollen, jämmerlich abgeschnitten, so dass rechtliche Leute schon anfangen, sich sehr zu bedenken, ob sie mir abkaufen wollen. Ich bin also ein Märtyrer für das Beste der Welt; und wenn eine Handlung dadurch gewinnt, dass man recht viel bei ihr aufopfert, so ist die meinige eine der verdienstlichsten. Dies Verdienst möchte ich mir nun nicht gern rauben lassen, wenn nicht durch die Ehrlosigkeit, die dadurch auf mein Gewerbe fällt, der Fortgang desselben gehindert, und dem allgemeinen Besten Abbruch gethan würde. Ich bitte demnach Eure Majestät anzubefehlen, dass hinfüro jeder mein Gewerbe für ein ehrliches halte, bei namhafter Strafe; und dass Kläger gehalten sey, mir nicht nur Abbitte und Ehrenerklärung zu thun, und öffentlichen Dank für den geleisteten Dienst abzustatten, sondern auch inskünftige sich von mir bestehlen zu lassen, so viel ich will.

So redete der Marktschreier. Wie würde Herr Reimarus, wie würde jeder Gerechtigkeitsliebende hierbei geurtheilt haben? — Ebenso urtheilte der Khalif. Er liess den nützlichen Mann aufhängen.

B.
Zwei Predigten aus dem Jahre 1791.

Statt der Vorrede.

Der Verfasser und sein Freund.

D. V. Sie bringen die Handschrift zurück? Haben Sie sie durchgelesen?

D. Fr. Ja.

D. V. Und Ihr Urtheil?