[32] Die folgenden drei Briefe, deren Fortsetzung in einem der künftigen Hefte erscheinen wird, sind schon vor vier Jahren abgefasst worden. — Ich erinnere dies, um das Stillschweigen über neuere Vorfälle und Aeusserungen, an die man durch diese Ueberschrift erinnert wird, zu erklären.
(Anm. des Verfassers.)
[33] Die Fortsetzung ist nicht erschienen.
D.
Von der Sprachfähigkeit und dem Ursprunge der Sprache.
(Philos. Journal Bd. I. S. 255-273, S. 287-326. 1795.)
In einer Untersuchung über den Ursprung der Sprache darf man sich nicht mit Hypothesen, nicht mit willkürlicher Aufstellung besonderer Umstände, unter welchen etwa eine Sprache entstehen konnte, behelfen; denn da der Fälle, welche den Menschen bei Erfindung und Ausbildung der Sprache leiten konnten, so mancherlei sind, dass sie keine Forschung ganz erschöpfen kann: so würden wir auf diesem Wege ebensoviel halbwahre Erklärungen des Problems erhalten, als Untersuchungen darüber angestellt würden. Man darf sich daher nicht damit begnügen, zu zeigen, dass und wie etwa eine Sprache erfunden werden konnte: man muss aus der Natur der menschlichen Vernunft die Nothwendigkeit dieser Erfindung ableiten; man muss darthun, dass und wie die Sprache erfunden werden musste.
Man hüte sich insbesondere bei dieser Untersuchung, so wie bei jeder anderen, das Resultat, das man etwa zu finden hofft, schon zum voraus im Auge zu haben. Man denke sich in den Gesichtspunct der Menschen hinein, welche noch überhaupt keine Sprache hatten, sondern sie erst erfinden sollten; welche noch nicht wussten, wie die Sprache gebaut seyn müsse, sondern die Regeln darüber erst aus sich selbst schöpfen mussten. Jedem, der dem Ursprunge der Sprache nachforscht, muss die Sprache so gut als nicht erfunden seyn: er muss sich denken, dass er sie erst durch seine Untersuchung erfinden soll.
Ferner hat man bei allen Untersuchungen über Entstehung der Sprache es auch darin versehen, dass man zuviel auf willkürliche Verabredung baute; dass man z. B. meinte: da ich ein Buch liber, βίβλιον, book u. s. w. nennen kann, so müssen die Nationen einig geworden seyn, die eine, dieser bestimmte Gegenstand solle Buch — die andere, er solle liber, u. s. w. heissen. Aber auf eine solche Uebereinkunft dürfen wir wenig rechnen, da sie sich nur mit der grössten Unwahrscheinlichkeit denken lässt, und wir müssen daher selbst den Gebrauch der willkürlichen Zeichen aus den wesentlichen Anlagen der menschlichen Natur ableiten.
Sprache, im weitesten Sinne des Wortes, ist der Ausdruck unserer Gedanken durch willkürliche Zeichen.
Durch Zeichen, sage ich, also nicht durch Handlungen. — Allerdings offenbaren sich unsere Gedanken auch durch die Folgen, welche sie in der Sinnenwelt haben: ich denke und handle nach den Resultaten dieses Denkens. Ein vernünftiges Wesen kann aus diesen meinen Handlungen auf das, was ich gedacht habe, schliessen. Dies heisst aber nicht Sprache. Bei allem, was Sprache heissen soll, wird schlechterdings nichts weiter beabsichtigt, als die Bezeichnung des Gedankens; und die Sprache hat ausser dieser Bezeichnung ganz und gar keinen Zweck. Bei einer Handlung hingegen ist der Ausdruck des Gedankens nur zufällig, ist durchaus nicht Zweck. Ich handle nicht, um anderen meine Gedanken zu eröffnen; ich esse z. B. nicht, um anderen anzudeuten, dass ich Hunger fühle. Jede Handlung ist selbst Zweck: ich handle, weil ich handeln will.