Alexanders Unternehmen erscheint auf den ersten Blick in nicht geringem Mißverhältnis zu den Hilfsmitteln, die ihm zur Verfügung standen. Und nur die kleinere Hälfte seines Werkes war, den Feind aus dem Felde zu schlagen; er mußte daran denken, wie die Erfolge der Waffen dauernd gemacht werden sollten.

Denn der räumlichen Ausdehnung nach kam das Ländergebiet, über dessen Kräfte er verfügen konnte, kaum dem dreißigsten Teile des Perserreiches gleich; nicht minder ungleich stellte sich das Zahlenverhältnis der Bevölkerungsmassen hier und dort, seiner und der persischen Streitkräfte zu Wasser und zu Lande. Fügt man hinzu, daß der makedonische Schatz beim Tode Philipps erschöpft und mit 500 Talenten Schulden belastet war, während in den Schatzkammern des Großkönigs zu Susa, Persepolis, Ekbatana usw. ungeheuere Vorräte edlen Metalls aufgehäuft lagen, daß Alexander nach Beendigung seiner Rüstungen, zu denen er 800 Talente hatte aufnehmen müssen, nicht mehr als 60 Talente zur Verfügung hatte, den Krieg gegen Asien zu beginnen, so erscheint sein Unternehmen tollkühn und fast chimärisch.

Der Charakter der uns erhaltenen Überlieferungen gestattet nicht, aus ihnen auf die Fragen, die sich hier aufdrängen, Antwort zu erwarten. Selbst der verständige Arrian gibt nur den äußeren, fast nur den militärischen Sachverlauf mit gelegentlicher moralischer Würdigung seines Helden, kaum daß er von denen, die militärisch in Rat und Tat seine Helfer waren, mehr als die Namen anführt; von der Verwaltung, den Finanzen, den politischen Organisationen, von der Kanzlei, dem Kabinett des Königs, von den Personen, die in diesen Funktionen des Königs Werkzeuge waren, sagt er nichts; er unterläßt es, sich und dem Leser klarzumachen, wie die Taten und Erfolge, von denen er berichtet, möglich waren und wirklich wurden, mit welchen Mitteln inwieweit vorausgeplant, von welchen Zielen und nach welchen praktischen Gesichtspunkten bestimmt, durch welche Macht des Willens, der überlegenen Einsicht, der militärischen und politischen Genialität.

Aus der Fülle von Fragen, die damit angedeutet sind, genügt es vorerst, diejenigen hervorzuheben, die hier an der Schwelle des staunenswürdigsten Siegeslaufes die wesentlichen sind.

Es hat nicht an solchen gefehlt, die dem Charakter Alexanders und seiner Genialität damit gerecht zu werden glaubten, daß sie ihn wie einen Phantasten darstellten, der mit seinen nicht minder enthusiastischen Kriegsvölkern nach Asien gezogen sei, die Perser zu schlagen, wie und wo er sie fände, vom Zufall erwartend, wie ihn der nächste Tag weiterführen werde. Andere haben gemeint, daß er den Gedanken, mit dem sich sein Vater getragen, den Philosophen, Redner, Patrioten immer von neuem empfohlen, der recht eigentlich von der hellenischen Bildung gezeugt und entwickelt worden sei, nur eben ausgeführt habe.

Der Gedanke, bevor er zur Tat geworden, ist nur ein Traum, ein Phantom, ein Spiel der erregten Phantasie; erst dem, der ihn ausführt, gewinnt er Gestalt, Fleisch und Bein, den Impuls eigener Bewegung, das Hier und Jetzt seines Wirkens, und mit den Bedingnissen und Gegenwirkungen in Raum und Zeit immer neue Schranken, immer schärfere Ausprägungen, mit denen seiner Kraft zugleich die seiner Schwächen.

Ist Alexander wie ein Abenteurer, wie ein Träumer hinausgezogen mit dem summarischen Gedanken, Asien bis zu den ungekannten Meeren, die es umgrenzen, zu erobern? Oder hat er gewußt, was er wollte und was er wollen konnte? Hat er danach seine militärischen und politischen Pläne entworfen, seine Maßregeln getroffen?

Es handelt sich nicht darum, aus der Reihenfolge seiner Erfolge rückwärts schließend, deren planmäßigen Zusammenhang aufzuweisen und die Evidenz als Beweis zu geben; es fragt sich, ob es Beweise gibt, daß vor dem begonnenen Werk schon vor seinem Geiste stand, wie es werden sollte.

Vielleicht daß eine Tatsache dafür anzuführen ist, von der freilich unsere Quellen nicht sprechen. Außer wenigen Inschriften und Kunstwerken haben wir unmittelbare Überreste aus jener Zeit nur in den Münzen, deren Tausende, goldene, silberne, kupferne mit dem Gepräge Alexanders erhalten sind, stumme Zeugen, welche die Forschung endlich zu sprechen gelehrt hat. Verglichen mit den Gold- und Silbermünzen der Perserkönige, der zahllosen Griechenstädte, der makedonischen Könige vor Alexander, ergeben sie einen Vorgang sehr bemerkenswerter Art.

Im früheren ist erwähnt worden, daß König Philipp in seinen Landen eine neue Münzordnung eingeführt habe; sie war, nach dem Ausdruck eines berühmten Forschers, gleichsam eine entfernte Anbahnung zur Eroberung Persiens. Sie bestand darin, daß er, während in der hellenischen Welt die Silberwährung, wie im Perserreich die Goldwährung herrschte, Gold auf den Fuß der Dareiken prägte, daneben Silber auf denjenigen Fuß, der dem Handelswert des Goldes am nächsten entsprach. Also er setzte die Goldwährung »nicht an die Stelle, sondern an die Seite der bisher in der griechischen Welt allein üblichen Silberwährung, er führte damit in seinem Reiche Doppelwährung ein«. Nach dem Verhältnis des Goldes zu Silber, das im Handel 1:12,51 stand, normierte er seine Silberstücke, deren 15 auf ein Goldstück von 8,60 Gramm gehen sollten, auf 7,24 Gramm; es war im wesentlichen der Fuß des verbreiteten rhodischen Silbergeldes.