Endlich brach der Morgen des zur Krönung bestimmten und ersehnten Tages, der vierzehnte Juli siebzehnhundertzweiundneunzig, an, der Jahrestag, an dem drei Jahre früher das Pariser Volk die Bastille erstürmt hatte. Mehrere schwachköpfige Aristokraten hatten sich stark gegen die Wahl dieses Tages erklärt und behauptet, daß er von einer schlimmen Vorbedeutung für das heilige römische Reich sein könnte, und diesmal hatten diese Unglückspropheten recht, dagegen hatten aber andere starksinnige Geister eingewendet, man müsse dem Volk gerade zeigen, daß man sich nicht fürchte, und ihm zum Trotz diesen Tag wählen, und diese Meinung drang durch.

Kaum fing der Tag zu grauen an, als in Häusern und Straßen auch alles lebendig wurde, und das Gedränge nahm nun von Minute zu Minute zu. Unter dem unaufhörlichen Geläute aller Glocken versammelte sich die buntgekleidete und bewaffnete Bürgerschaft aller vierzehn Quartiere und verfügte sich gehorsam an die ihr zur Aufrechthaltung der Ordnung angewiesenen Plätze, die meisten von ihren Weibern, Kindern und Schwestern begleitet, die da hofften, durch die Protektion der Väter, Gatten und Brüder ihre Schaulust besser befriedigen zu können.

Das Haus meiner Eltern, unser Schiff, lag glücklicherweise in einer der Hauptstraßen, der alten Fahrgasse, durch welche sich der Krönungszug bewegte. Um zehn Uhr kam er denn auch an unserm Haus vorüber, dessen Fenster mit Bekannten und Verwandten bis in das fünfzehnte Glied garniert waren, denn bei solchen Gelegenheiten entsinnen sich auch die vergeßlichsten Vettern und Muhmen der alten Verwandtschaft, und alle Bekannten werden zu intimen Freunden. Mein Vater hatte außerdem auch, dem Beispiel anderer Hauseigentümer folgend, noch Brettergerüste für die Zuschauer vor seiner Wohnung aufschlagen lassen. Unter beständigem Läuten und Schießen nahte der Zug. Fürsten und Reichsgrafen eröffneten ihn, diesen folgte der Wappenkönig mit den Herolden zu Pferd, sodann kamen die Wahlbotschafter nach ihrem Rang, einer hinter dem andern geritten. Ihnen folgten ebenfalls zu Pferde und in spanischen Mänteln der Reichserbschatzmeister mit der Krone, der Reichskämmerer mit dem Zepter, der Reichserbtruchseß mit dem Reichsapfel auf Kissen von rotem Sammet, sodann der Reichserbschenk und der Reichserbmarschall mit dem Schwert, alle zum letztenmal ihre Funktionen verrichtend. Endlich kam der Kaiser unter einem Baldachin von gelbem Damast, auf dem der österreichische Doppeladler gestickt war, reitend. Zehn hochweise Magistratspersonen eines edlen Rats, sie hatten schön gepuderte Perücken mit Haarbeuteln, trugen die Last des wandernden Baldachins mit entblößtem Haupt. Als der Kaiser in die Nähe unserer Wohnung gekommen war, da insinuierte mir meine schöne Tante Scholze, die ebenfalls von Niedesheim gekommen war, der seltenen Feierlichkeit beizuwohnen, mich im Arm haltend, jetzt müsse ich Vivat schreien, und ich schrie mit den andern aus vollem Hals mein „Vivat Franziskus!“, und zwar so lange, als ich den Gegenstand sah, dem es galt. Dieser Augenblick und eine Szene auf dem Römerberg ist es, was ich mir noch am lebhaftesten von jenem Ereignis vorstellen kann. Indessen hatte trotz allem Vivatrufen die ganze Zeremonie einen etwas sehr düsteren Anstrich, und ein gewaltiger Platzregen, der fiel, ehe der Kaiser noch den Dom erreicht hatte, durchnäßte den ganzen Zug bis auf die Haut. – Es gab Leute, die damals prophezeiten, dies sei der Leichenzug des heiligen römischen Reichs – und auch diese Propheten hatten wahrgesagt. Um ein Uhr war endlich die Krönungsfeierlichkeit vorüber, und der Zug begab sich aus dem Dom in den Römer und schritt über rotes, gelbes und weißes Tuch, womit die Straßen belegt waren, durch die er kam. Der Gekrönte hatte jetzt die schwere Reichskrone auf dem Haupte und war mit dem kaiserlichen Pontifikalium bekleidet, er ging nun zu Fuß und hielt in der einen Hand das Zepter und in der andern den Reichsapfel. Das kurfürstliche Trifolium hielt die Zipfel seines Mantels, und kaiserliche und kurfürstliche Garden machten den Beschluß. Kaum war der letzte Mann derselben vorüber, so fiel das gute Volk über das ihm preisgegebene Tuch her und riß es in Stücke. Der schließende Offizier mußte beständig rückwärts wie ein Krebs marschieren und mit seinem Degen abwehren, wollte er nicht, daß er und vielleicht die ganze Prozession von denen, welche das Tuch abrissen und abschnitten, über den Haufen geworfen würde.

Während die Salbung und die andern Verrichtungen im Dom vorgingen, hatte mich mein Vater mit auf den Römerberg genommen, und ich wurde daselbst durch Vergünstigung eines bürgerlichen Kapitäns, der unser Haus mit gutem Ochsenfleisch versorgte, auf eine von Trommeln errichtete Pyramide gesetzt, von welcher Höhe herab ich das Gewühl der Menge, die bretterne Hütte, in welcher der mit Geflügel, Hasen und Spanferkeln gespickte Ochse gebraten wurde, und den Springbrunnen mit dem doppelten Adler, aus dem sehr christlich getaufter roter und weißer Wein sprang, wohl übersehen konnte. Als sich jedoch der aus der Kirche kommende Zug näherte und die Tambours nach ihren Trommeln griffen, mußte ich meinen hohen Standpunkt verlassen und würde schwerlich die weiteren Zeremonien gesehen haben, wenn sich nicht wieder eine Dame, und zwar die Frau Oberst Schulter, Goethes Tante, die wir schon bei der Taufe kennen lernten, meiner angenommen hätte. Die gute Frau befand sich nämlich in einem auf dem Römerberg gelegenen uralten Haus, welches wegen dem reichen und künstlichen Schnitzwerk, mit dem seine ganze Fassade verziert ist, eine der Merkwürdigkeiten Frankfurts ausmacht, hatte mich bemerkt und ließ mich zu sich in den zweiten Stock dieses Hauses holen, von wo ich nun abermals den ganzen Zug von dem gegenüberliegenden Markt ankommen sah. Dafür mußte ich aber auch meine Lunge wieder gehörig mit Vivats anstrengen, als sich Franz dem Römer näherte. Schon von weitem begrüßte ihn hier die Kaiserin und der Erzherzog von einem Balkon des Hauses Limburg. – Ich sah nun zu meiner Freude recht gemächlich, wie sich das gute Volk um den Hafer balgte, nachdem der Reichserbmarschall dem Kaiser ein silbernes Maß voll davon vorgehalten und wieder ausgeschüttet hatte, wie der Reichstruchseß ein Stück von dem gebratenen Ochsen samt einem Spanferkel in einer vergoldeten Schüssel für die kaiserliche Tafel empfing, worauf der Überrest des Tieres von der kräftigen und ehrsamen Zunft der Fleischer, jedoch nicht ohne harten Kampf erbeutet wurde; wie der Reichserbschatzmeister keinen Platz-, sondern einen etwas dünngesäten Gold- und Silberregen um sich her verbreitete, den zu empfangen tausend Hände sich in die Lüfte erhoben, sodann die als Gold- und Silbermünzen auf den Boden fallenden Tropfen aufsuchten und sich darum ebenso sehr, wie endlich noch um den leeren Beutel rissen. Auch ein Wagen voll weißes Brot wurde unter das wilde Volk geworfen, wonach es jedoch weniger gierig haschte als nach einem Becher Wein von dem einzigen Brunnen, der solchen lieferte. Indessen speisten Seine Majestät Franz II. mit echt österreichischem Appetit in dem Kaisersaal auf dem Römer, was nach den gehabten Fatiguen sehr natürlich war, ebenso die Herren Kurfürsten, die an besondern Tafeln schmausten und von denen der geistliche Herr von Köln, seines stattlichen Bauches wegen, eine wahre Kuriosität war. – Es wurde auch nicht vergessen, auf die Gesundheit des neuen Oberhaupts Deutschlands gehörig zu trinken, und die Vivats und der Kanonendonner erschütterten das glückliche Frankfurt in seinen Grundfesten. Daß bei einbrechender Nacht große Illumination und allerlei Feuerwerk war, versteht sich von selbst. Der Fürst Esterhazy, der in der ganzen Stadt kein Haus gefunden hätte, dessen Fassade würdig gewesen wäre, mit der von ihm projektierten Illumination zu prangen, ließ zu diesem Zweck ein besonderes von Brettern und gemalter Leinwand auf dem Roßmarkt erbauen und setzte die guten Frankfurter dadurch in Erstaunen und Verwunderung.

Den folgenden Tag schwuren Magistrat und Bürgerschaft, dem neuen Herrscher treu, hold und gewärtig zu sein, und leisteten den Huldigungseid, den Seine Majestät auf einem mit rotem Tuch behangenen Balkon und einen mit Imperialfedern geschmückten Hut auf dem Haupt, unter einem Baldachin allergnädigst anzunehmen geruhten.

Trotz dem Verbot hatten sich dennoch mehrere von den in Koblenz ein wüstes Leben führenden französischen Emigranten bei der Krönungsfeierlichkeit in Frankfurt eingeschmuggelt, namentlich auch die Mätressen des Grafen Artois (nachherigem Karl X.), deren er ein halbes Dutzend mit von Paris gebracht hatte. Er selbst fuhr in einer illuminierten Gondel mit Musik bei Nacht auf dem Main und durch die Bogen der Brücke mit diesen Damen. Die sauberen Herren führten in Koblenz ein wahres Luderleben, der Kurfürst von Trier war nicht mehr Herr in seinem Lande, und dabei benahmen sie sich auf das unverschämteste. Der beste Wein aus den kurfürstlichen Kellern war ihnen kaum gut genug, um sich mit ihren Mätressen darinnen – zu baden! und selbst die Kammerjungfern dieser Weiber besudelten die kurfürstlichen Gerätschaften auf das frechste. Dieser französische Adel, der hier ein Frankreich außerhalb Frankreichs bilden wollte, erlaubte sich die größten Ungezogenheiten und sogar Mißhandlungen gegen die Einwohner des Landes, wo er so großmütig und gastfreundlich aufgenommen worden war, und mit Klagen gegen diese Herren war nichts auszurichten. Nichts war ihnen gut genug, nicht selten warfen sie die Schüsseln mit den Speisen den sie darbringenden Dienern an den Kopf, indem sie sagten, dies wäre Kost für deutsche Schweine, aber nicht für französische Seigneurs. Sie mißbrauchten die deutsche Gutmütigkeit auf das schändlichste, sich alles erlaubend, und doch waren es Almosen, die man ihnen reichte, denn man war ihnen nichts schuldig. Sie waren meistens gratis logiert und ebenso genährt. Sie nannten sich nur den Hof, hielten ein paar Dutzend französische Köche und gebrauchten fünftausend Livres täglich, welche ihnen deutsche Dummheit lieferte, ohne das Fleisch, Brot, Wein und Gemüse zu rechnen, das man ihnen schenkte. – Ein gewisser Dominique, damals allmächtiger Minister des sonst eben nicht freigebigen Kurfürsten Clemens von Trier, war es, der ihnen so zu hausen gestattete und die Mittel dazu verschaffte. Aber diese Herren waren auch lauter Dücs, Marquis, Grafen, Vicomtes, Barone und Chevaliers d’Industrie. Besser hatte es der Kurfürst von Köln verstanden, sie sich vom Leibe zu halten, er warf ihnen einen Zehrpfennig hin, den sie auch gütigst anzunehmen geruhten, und schickte sie weiter. Schnell hatte sich aber auch das Mitleid und die Teilnahme, die man anfänglich für sie fühlte, in Abscheu und Verachtung verwandelt. Dazu kamen noch ihre ebenso lächerlichen als nichtigen Großsprechereien und das jämmerliche Aussehen dieser an Leib und Seele gleich ausgemergelten Helden, welche Mühe hatten, die großen Säbel zu schleppen, an die sie sich gebunden. Wenn man sie hörte, so war ihre Rückkehr nach Paris nichts als eine Reihe von Triumphen, die damit endigen würden, daß sie all die bürgerlichen Kanaillen hängen ließen, die sich unterstanden, einer hochadeligen Tyrannei ein Ende zu machen. „Werden wir uns diesen Winter zu Paris sehen?“ fragte einer den andern und erhielt zur Antwort: „das versteht sich,“ oder: „je ne vois point d’inconvenient,“ und begab sich einer von ihnen in eine andere Stadt, so nahm er mit den Worten: „Auf Wiedersehen zu Paris!“ von den übrigen Abschied. – Sie sollten jedoch bald für ihre Missetaten und für ihren Übermut schrecklich gezüchtigt und der Spott der deutschen Bauern werden, und zeigten sich dann sehr dankbar, wenn man ihnen eine Brotrinde zuwarf.

Mehrere dieser Herren, welche zu ihrer Zerstreuung oder Geschäfte halber nach Frankfurt gekommen waren, wußten sich daselbst durch einige Bankiers und namentlich vermittelst gewinnsüchtiger Juden nicht unbedeutende Summen zu verschaffen, indem sie ungeheure Zinsen verschrieben und außerdem noch große Belohnungen versprachen, sobald sie wieder in ihre Güter und Rechte eingesetzt sein würden, woran damals fast niemand in Frankfurt zweifelte, und was man sehr nahe glaubte, da man so viele stattliche Truppen nach der französischen Grenze marschieren sah. Die Wucherer ließen sich dadurch blenden und schossen die verlangten Gelder vor. – Außerdem hatte man in Frankfurt viele falsche Assignaten in Umlauf gesetzt, deren Ursprung, als die Sache entdeckt war, man jedoch nicht erforschen konnte. Dies alles sowie die Gefälligkeit der Wucherer sollte die Stadt teuer bezahlen, wozu noch kam, daß auch die Frankfurter Zeitungen so unklug waren, sich sehr unvorsichtig gegen die neue Ordnung der Dinge in Frankreich und gegen das französische Volk auszusprechen, woran der Magistrat sie nicht nur nicht hinderte, sondern sein Wohlgefallen zu haben schien.

Auch der Judenschaft in Frankfurt wurde die hohe Gnade zuteil, dem kaiserlichen Ehepaar Geschenke zu machen und durch eine Deputation untertänigst huldigen zu dürfen, jedoch nahm ihnen diese Huldigung ein kaiserlicher Hofrat im Namen seines Herrn ab und versprach ihnen in demselben Namen Schutz und Gunst, weshalb die guten Hebräer eine große Freude hatten und ihre Augen von Tränen glänzten.

Dies war kein Wunder, denn die armen Juden waren damals zu Frankfurt wirklich in einer höchst bedrängten Lage und bedurften allerdings eines mächtigen Schutzes; sie wurden fortgesetzt von den intoleranten Christen mißhandelt, gegen die sie sich freilich auch gar manchen Betrug und Spitzbübereien erlaubten. Jeden Augenblick war der Senat genötigt, Verordnungen zu erlassen, in denen er bekannt machte, daß in Zukunft diejenigen, welche sich Mißhandlungen gegen die Juden erlaubten oder sie prügelten, auf das strengste bestraft werden sollten. Aber ungeachtet dieser Drohungen wagte man es nicht, die Schuldigen zu bestrafen, und die Juden wurden nach wie vor auf alle Weise mißhandelt. Sie waren damals gezwungen, ohne Ausnahme ihr jeden Abend geschlossenes Quartier zu bewohnen, das fast nur aus einer einzigen, ziemlich langen, aber sehr engen Straße bestand, in welcher an achttausend Seelen hausten, die jeden Tag bei einbrechender Nacht sowie an allen Sonntagen und sonstigen christlichen Feiertagen eingesperrt wurden. Die Luft in diesem Stadtteil war daher verpestet, und wehe dem armen Juden, den man nach Sonnenuntergang noch in den übrigen Straßen Frankfurts getroffen hätte. Zu keiner Zeit durften sich diese Unglücklichen in den öffentlichen Spaziergängen der Stadt und auf gewissen Plätzen, wie dem Römerberg und so weiter, blicken lassen, der Pöbel würde sie halbtot geschlagen haben. Sah man an Sonn- oder Feiertagen durch die Ritzen der geschlossenen Tore des Judenquartiers, so stellte sich den Blicken ein scheußliches Schauspiel dar. Die Straße wimmelte von unsauberen, ekelhaften Menschen, die kaum Platz genug hatten, sich von der Stelle zu bewegen, und aus jedem Fenster bis zu den Dachluken der ziemlich hohen Häuser ragte Kopf über Kopf heraus und schien nach verdorbener und stinkender Luft zu schnappen. Diese braun und schwarz geräucherten Häuser gewährten einen grausigen Anblick und waren wahre mit Schmutz angefüllte Kloaken. Die Juden waren gezwungen, kleine Mäntel mit einem gelben Läppchen zu tragen, damit man sie schon von weitem als solche erkennen konnte, sie hatten sämtlich ein höchst elendes, kränkliches Aussehen, eine braungelbliche Hautfarbe, und waren fast alle mit ekelhaften Krankheiten und mit der Krätze behaftet, die natürlichen Folgen dieses Einsperrens in ungesunder Luft. Auch während der Krönungsfeierlichkeiten durfte kein Jude sein Quartier verlassen ohne eine besondere Erlaubnis des Magistrats, und selbst mit einer solchen konnten sie sich nicht unter die Masse des Volks wagen, das sie erdrückt haben würde. Der alte Rothschild hatte durch Vermittlung meines Großvaters, da er durch meinen Vater empfohlen war, eine solche Erlaubnis am Krönungstag Franz II. erhalten, und er sah dem Krönungszug aus einem Dachfenster unseres Hauses zu; noch andere Juden mußten sich begnügen, aus den Kellerlöchern wenigstens die Beine der vorüberziehenden Herrschaften betrachten zu können. Rothschild war ziemlich gut in unserm Hause angeschrieben, er kam in der Regel jeden Montag auf das Kontor meines Vaters, wo er kleine Geschäfte, namentlich mit Auswechseln von Münzsorten, besonders Dukaten und anderm Gold machte. Man bot ihm einen Stuhl an und nötigte ihn zum Sitzen, eine Ehre, die ihm nicht leicht in andern Häusern widerfuhr und die er hoch anschlug; auch verehrte er mir eines Tages, als er gerade durch meinen Vater ein gutes Geschäftchen gemacht, ein kleines Goldstückchen, etwa einen Gulden an Wert. Der Vater dieses Amschel war früher ein gewöhnlicher Schacherjude gewesen, der mit dem Zwerchsack auf der Schulter in den Straßen Frankfurts mit dem bekannten Ausruf: „Hahnt er was zu hahnle“ (habt ihr was zu handeln) vom Morgen bis zum Abend herumstrich, während dessen Frau ebenfalls mit einem großen Sack, aber mit einer goldgestickten Haube, wie sie früher die Judenweiber in Frankfurt trugen, in die Häuser der christlichen Bürger ging, mit deren Frauen schacherte und ihnen alte Kleider, Borden und so weiter abhandelte. Ich entsinne mich, diese Frau öfters bei meiner Großmutter ihren Sack voll der seltenartigsten Dinge ausschütteln gesehen zu haben. Dies waren die Großeltern der jetzigen Barone Rothschild.

III.
Die Neufranken in Frankfurt. – Cüstine. – Die Kontribution. – Die Mainzer Revolution.