„Je nun, die studiert wahrscheinlich auch Partien ein,“ sagte ich lachend, doch etwas verdutzt.
„Allerliebst! Wahrscheinlich Don Juan und Zerline? Ich habe aber die Partie der Verlassenen Donna Elvira noch nicht gelernt, Signor mio.“
„Die sollen Sie auch nicht lernen, mein schönes Kind, dazu sind Sie viel zu liebenswürdig. Aber wer ist denn Ihre stumme Begleiterin?“
„Oh, die sollen Sie auch noch kennen lernen. Leider sind wir etwas zu spät gekommen, um Sie ganz zu entlarven.“
Diese Unterhaltung wurde halb im Scherz, halb in bösartigem Ernst geführt. Ich wollte der Sache ein Ende machen, sprang auf, nahm die sich sträubende Peretti in den Arm, küßte sie trotz allem Sträuben, indem ich lachend sagte:
„Seien Sie doch kein Kind, Sie sind meine einzige, meine ewige Liebe, die Angebetete meines Herzens, ich schwöre Ihnen, daß ...“
„Sie ein Lügner sind,“ fiel mir der kleine Teufel ins Wort, „dem ich nicht nur die Augen auskratzen möchte, sondern ...“
Hier zeigte sie mir ein kleines Stilet, das an einem silbernen Kettchen an ihrer linken Seite herabhing und sie drohend aus der Scheide zog. Ich suchte ihr das gefährliche Instrument halb im Scherz zu entwinden; während ich so mit ihr rang, nahm auch die andere Maske ihre Larve ab, und ich erkannte die Marchesa Costa, der ich schon einigemal, aber es nie ernstlich meinend, eine Liebeserklärung so en passant gemacht und ob ihrer Schönheit große Schmeicheleien gesagt hatte. Beide schrien nun: „Traditore, bilden Sie sich nicht ein, daß Sie in Frankreich oder Deutschland seien, wir sind Italienerinnen, und zwar Genueserinnen, die man nicht ungestraft zum besten haben darf und die solche Beleidigungen zu rächen wissen. Wir wissen recht gut, welche Rendezvous Sie hier haben, und wenn Sie die Sache nicht lassen, so wird es ein schlimmes Ende nehmen. Gestehen Sie, wer die Schöne ist, die Sie mit ihren Besuchen beglückt.“ Ich nahm indessen alles auf die scherzhafte Seite, fortwährend meine Unschuld beteuernd und sie zu beruhigen suchend, und war damit im besten Zug, als wir Tritte auf der Stiege hörten. Die Damen nahmen schnell wieder ihre Larven vors Gesicht, empfahlen sich der eintretenden Guercino und entfernten sich, uns beiden drohend.
Auf die Frage der Alten, wer dies gewesen, erwiderte ich: „Ein maskierter Besuch, der Gott weiß wie erfahren hat, daß ich hier eine Zusammenkunft habe, aber nicht weiß, mit wem, da man dies von mir zu wissen verlangte. Wir müssen suchen, einen andern Ort ausfindig zu machen.“
„Dies sei meine Sorge,“ versetzte die Alte, „ich werde ein Haus wählen, das niemand entdecken soll. Denn hier, dem Palazzo P... gegenüber, ist es allerdings zu gefährlich.“