Schön ist der Anblick der Meerenge von Messina, das man mit seinem Mastenwald und dem prächtigen Hafen von der diesseitigen Küste erblickt, ebenso im Hintergrunde die Rauchwolken des kolossalen majestätischen Ätna. Bei einer späteren Fahrt durch diese Meerenge mit einer französischen Flotte, 1814, von Korfu kommend, hatte ich Gelegenheit, die herrlichen Küsten Siziliens ganz in der Nähe in Augenschein zu nehmen. Der Gipfel des alten Ätna war jetzt mit Schnee bedeckt, aus dem der Rauch emporzuquellen schien.
Nach beinahe drei Wochen, als wir fast zwei Dritteile der Leute, die nur schlecht gepflegt werden konnten, eingebüßt hatten, wurden wir endlich durch neue, von Neapel ankommende Bataillone abgelöst. Wir marschierten, noch immer unter Regen, fast schuhlos und abgerissen, über Monteleone, Nicastro und so weiter bis nach Cosenza zurück. Es war wirklich ein Jammer, anzusehen, wie die Leute auf den grundlosen Wegen, mit den mit Stricken an den Füßen befestigten Stücken von Ziegenfellen, die immer wieder rissen, bei der schlechtesten Kost, vorwärts mußten. Auch die Gamaschen und Beinkleider hingen schon ziemlich zerlumpt um die Waden. Oft bedurfte es keiner geringen Anstrengung, die Füße aus dem Morast zu bringen, wo dann die Schuhlappen oder Felle noch stecken blieben und mit bloßen Füßen weiter marschiert werden mußte, bis man wieder etwas fand, sie zu bedecken. Erst in Cosenza wurde diesen beklagenswerten Übelständen teilweise abgeholfen, neue Schuhe ausgeteilt und ein vierwöchentlicher Sold ausgezahlt. Wir befanden uns wie in einem Paradies, und die Soldaten vergaßen in den Schenken jubilierend alles ausgestandene Ungemach bei dem starken roten Wein. Nach einer fünftägigen Rast und bestmöglichster Restauration brachen wir nach Neapel auf. Aber die Wege waren nicht besser, wohl noch schlimmer, die Bäche und Flüsse kaum mehr zu passieren, und ehe wir nach Tarsia kamen, ertranken vier Mann in dem Fluß Crati, durch den Strom von der Masse weggespült, hinter Castrovillari wieder zwei in einem Waldbach. Endlich rückten wir anfangs Dezember, nach unbeschreiblichen Strapazen und Entbehrungen, ganz zerlumpt und mit kaum einem Dritteil der ausmarschierten Mannschaft in Neapel ein, wo ich mein altes Quartier in Giesù nuovo wieder bezog und mehrere Briefe vorfand, unter denen einer, der mir Gertrudens glückliche Niederkunft meldete.
Schon in den ersten zwei Tagen übergab mir Madame Gasqui die Rolle des Britannikus, mit der Bitte, sie doch möglichst schnell einzustudieren, da die Königin den Wunsch geäußert habe, dieses Trauerspiel von Racine aufführen zu sehen. – „Aber, lassen Sie mich um Gotteswillen nur zu Atem kommen,“ bat ich die in mich dringende Schöne, und acht Tage später spielte ich wirklich den Britannikus ganz zur Zufriedenheit Ihrer Majestät, wie sie mir selbst zu versichern geruhte, und hoffte nun für die ausgestandenen Leiden ein recht vergnügtes Hofleben, ein angenehmes Weihnachtsfest, und einen noch fröhlicheren Karneval in der Hauptstadt des irdischen Paradieses, in welchem ich auch mein Helenchen wieder aufgesucht und einige sehr schöne Hofdamen in Perspektive hatte, in dolce giubilo zuzubringen. Aber ich machte die Rechnung ohne den Wirt, denn acht Tage nach der Vorstellung des Britannikus eröffnete mir der Oberst Omeara, daß ich nebst noch sieben anderen Offizieren, von den beiden ersten Bataillonen, wieder nach Genua abgehen müsse, wo ein viertes Bataillon aus der dort im Depot angekommenen Mannschaft schnell formiert werden solle und zu dem ausdrücklich die tüchtigsten Offiziere des Regiments versetzt werden müßten, da, wie es schien, dasselbe eine besondere Bestimmung erhalten würde. Schon den nächsten Tag erhielten wir unsere Marschrouten nebst der Ordre, in drei Tagen abzureisen. Ich ordnete meine Sachen, nahm von Moritz und den anderen Bekannten und Damen Abschied, und machte mich an dem festgesetzten Tage mit meinen Kameraden auf dem Wege nach Rom.
VIII.
Reise von Neapel nach Genua und von da zur See nach Marseille. – Marsch von Marseille nach Perpignan. – Perpignan. – Eine spekulative Spröde. – Toulouse. – Formierung des zweiten Observationskorps an den Pyrenäen. – Ich werde zum dritten Reservekorps versetzt. – Bayonne. – Bordeaux. – Bazas. – Hasparren. – Napoleons Intrigen gegen Spanien. – Abmarsch nach diesem Land. – St. Jean de Lüz.
Ich war mit den mit mir versetzten Offizieren übereingekommen, daß wir diesmal mit ein paar Vetturini die Reise so weit es tunlich, zurücklegen wollten. Mein Pferd, eines hatte ich verloren, ließ ich durch meinen Burschen nachbringen. Wir fuhren ein paar Stunden vor Sonnenaufgang zu dem nach Aversa führenden Tor hinaus, und kamen schon am Abend des folgenden Tages in Rom an. Hier weilten wir vierundzwanzig Stunden, und ich suchte außer der Prinzessin Cesarini, die über mein unverhofftes Kommen erfreut und erstaunt war, und mit einem triumphierenden Blick mir den zur Welt gebrachten Knaben zeigte, aber trostlos schien, als ich ihr meine so nahe bevorstehende Abreise verkündete, niemand auf. Ich schied von ihr, die Hoffnung aussprechend, daß wir uns in ganz kurzer Zeit und dann gewiß auf länger wiedersehen würden. Sie erzählte mir viel von den Unannehmlichkeiten, denen sie fortwährend hauptsächlich durch die Verwandten ihres Mannes ausgesetzt sei, die ihr das Leben schrecklich verbitterten.
Wir setzten unseren Weg über Florenz, wo wir einen Tag blieben, fort, und fuhren dann rastlos über Pistoja, Lucca, Massa, Spezia, Chiavari und so weiter, später Extrapost nehmend, bis Genua, wo wir in der zweiten Hälfte des Dezembers eintrafen, und wo uns Herr von Brüge bei den neu errichteten Kompagnien einteilte. Nach und nach wurden zu jener Zeit die Regimenter bis auf sechs Bataillone, ohne das Depot, gebracht und erhielten dann noch einen Colonel en second. Mir wurde die Karabinier-Kompagnie des neuen Bataillons zuteil. Zugleich wurde uns angekündigt, daß sich dasselbe spätestens in drei Tagen einschiffen müsse, um mit dem ersten günstigen Wind nach Marseille abzufahren, wo wir vermutlich weitere Order erhalten würden. Die wenigen Tage unseres Aufenthaltes in Genua brachte ich meistens in den Kasernen und bei Brüges zu, ohne meine früheren Bekanntschaften aufsuchen zu wollen. Namentlich vermied ich es sorgfältig, mit der tollen Giulietta zusammenzutreffen. Erst den Tag vor unserem Einschiffen machte ich meinem alten Gitarrenlehrer einen Besuch, und erfuhr von diesem daß die Marchesa P... noch immer kränkle, die Spinola melancholisch sei und die Palatini sich oft nach mir erkundige. Letztere wünschte ich noch zu sehen, und die alte Guercino veranstaltete, daß ich am Abend vor unserer Einschiffung noch eine Zusammenkunft mit ihr hatte, die wegen der schnellen Trennung, mein Dasein war fast nur eine Erscheinung, recht zärtlich-traurig ausfiel. Guercinos schenkte ich eine Quadrupel. Das Geld, das ich der Kompagnie in Kalabrien vorgeschossen, hatte ich mir einstweilen in Neapel von Moritz geben lassen, und diesen deshalb auf die Regimentskasse angewiesen, sobald bezahlt würde, was auch einige Wochen nach unserer Abreise geschah. Erst den fünften Tag verließen wir mit günstigem Wind den Hafen von Genua, in mehreren Felukken und anderen Küstenfahrern eingeschifft. Es war zehn Uhr morgens, als wir die Anker lichteten. Der uns gut zu statten kommende Nordost blies tüchtig in die Segel, war aber auch Schuld, daß die kleine Flottille bald getrennt war. Einige Fahrzeuge derselben entfernten sich von der Küste und steuerten gegen Süden. Die Unglücklichen! Sie wurden noch denselben Tag von einer englischen Fregatte genommen, ohne den geringsten Widerstand leisten zu können. Die Felukke, auf der ich mich befand, hielt mit noch einigen anderen, die bei uns geblieben waren, in Albenga, Monaco und auf meine Veranlassung an der Insel Porquerolles an, um uns dort zu restaurieren. Den dritten Tag nach unserer Abfahrt von Genua liefen wir glücklich in den Hafen von Marseille ein, wo wir ein paar Tage in der Quarantäne zubringen mußten. Noch fehlte das Schiff, auf welchem sich unser Bataillonschef, Herr von St. Agneau, befand, und wir glaubten es auch von den Engländern gekapert, aber vierundzwanzig Stunden später traf es ein. Aus der Quarantäne entlassen, marschierten wir sogleich, ohne uns in Marseille aufzuhalten, nach Aix ab. Unsere Bestimmung lautete vorerst nach Perpignan. Wir kamen nun über Lambeß, Orgon, Saint Remis, Tarascon, Lünelle, lauter mir schon bekannte Orte, nach Montpellier, wo wir einen Rasttag hatten. Hier besuchte ich die Herren Michel und Gayral und fand Madame Gayral ziemlich verändert, ebenso die Verteuil, die noch bei dem Theater daselbst war. Von hier kamen wir über Gignac, Mèze, einem Städtchen von viertausend Einwohnern, nach Pezenas, das ein Schloß mit einer sehr schönen Aussicht hat und schon zur Zeit der Römer wegen seiner feinen Wolle berühmt war. In Beziers, wohin wir den folgenden Tag marschierten, hatten wir wieder Rasttag. Diese alte Stadt hatte noch Mauern und antike Türme und liegt an der Orbe und dem Kanal Du Midi. Auch ihre Lage ist entzückend und die Einwohner sind davon so eingenommen, daß sie ein Sprichwort haben, welches sagt: „Wollte Gott die Erde bewohnen, so würde er keinen anderen Ort als Beziers zum Aufenthalt wählen.“ Dagegen ist die Stadt selbst um so weniger einladend und hat meist enge, finstere, krumme und schmutzige Straßen. In einer engen Gasse liegt der gotische Palast der Montmorency. Ein Narr aus dieser Familie hatte hier jenes Gemälde, die Sündflut darstellend, verfertigen lassen, unter welchem man die Worte las: „Ah mon Dieu, sauvez la maison des Montmorency!“ Indessen gab es solche Stammbaumsnarren in allen Ländern, wo Ahnen spukten, und auf die gar oft ein stämmiger Kutscher oder tüchtiger Jäger ein Reis pfropfen mußte, sollte er nicht völlig eindorren. Als wir in Perpignan, unserem geglaubten Bestimmungsort, ankamen, nahm ich wieder mein altes Hilfsmittel, einen gewandten Haarkünstler und Bartkratzer zur Hand, hauptsächlich, um mir ein angenehmes Quartier ausfindig zu machen, da die Einquartierungsbillette nur auf drei Tage lauteten. Mit seiner Hilfe fand ich auch schon den zweiten Tag ein solches bei der artigen Frau eines Officier payeur namens Delongé, der bei der Armee in Deutschland stand und seine trauernde Gattin nur selten mit Nachrichten von sich erfreute. Ich mietete sogleich auf einen ganzen Monat für achtzehn Franken, ohne zu handeln, ein paar Zimmer. Die junge Dame war aus Bordeaux gebürtig, wo ihr Vater, früher ein reicher Kaufmann, falliert hatte, und der nun eine untergeordnete Stelle in Perpignan bekleidete. Die französischen Sitten und selbst die Sprache, das languedoquer Patois, die von den italienischen so sehr abwichen, kamen mir jetzt fast sonderbar vor. Der zweijährige Aufenthalt in Italien hatte mich denselben ganz entfremdet. Der Abstand ist so groß, als läge das Weltmeer zwischen beiden Ländern. Doch fand ich mich schnell wieder in das französische Wesen.
Meine artige Hauswirtin bat ich, mir den Mittagstisch bei ihr, versteht sich gegen gehörige Vergütung, zu geben, wozu sie sich aber nicht verstehen wollte und überhaupt gegen die Gewohnheit der militärischen und auch anderer Strohwitwen sehr spröde tat, kaum daß sie mir die Hand zum Kuß erlaubte, und wenn ich ihr dieselbe drücken wollte, gleich mit einem: „Fi donc, vous me faites mal“ bei der Hand war. Drei Tage wohnte ich schon bei ihr, hatte es aber noch nicht weiter als bis zum Handkuß beim Willkomm und beim Abschied bringen können. Den vierten wurde plötzlich bei der Parade der Befehl bekannt gemacht, daß wir in zweimal vierundzwanzig Stunden nach Bayonne abmarschieren würden. Ich teilte diese Nachricht sogleich der Madame Delongé bei meiner Nachhausekunft mit, worüber sie ganz erstaunt zusammenfuhr und zu erschrecken schien und endlich mit einem „Vous plaisantez“ herausfuhr. „Point du tout, c’est très serieux,“ erwiderte ich, und mich stellend, als setze ich dies Erschrecken auf Rechnung der Miete, fügte ich hinzu: „Aber seien Sie ganz ruhig, die Miete werde ich doch für den ganzen Monat berichtigen.“ Errötend ließ sie nochmals ein: „Fi donc, halten Sie mich für so interessiert?“ fallen. – „Also ist es wirklich an dem, daß Ihr Bataillon schon übermorgen Perpignan verläßt?“ – „Leider nur zu wahr,“ seufzte ich, ihr die Hand wieder küssend und drückend, und diesmal erfolgte kein ‚Fi donc‘, sondern man ließ das niedliche Pätschchen in der meinigen ruhen. Ich zog es nun näher an mich, drückte es, ohne Widerstand zu finden, an mein Herz und bald darauf einen Kuß auf die sich rötenden Wangen der Dame. – „Sehen Sie,“ sagte ich ihr jetzt, „was wir für eine kostbare Zeit vertändelt haben; daran ist allein Ihre unzeitige Sprödigkeit schuld.“ – „Ja, wer hätte auch denken können, daß ...“ Hier blieb sie, sich besinnend, plötzlich stecken. – „Fahren Sie doch fort, meine Schöne: daß wir uns so schnell trennen müssen? Ist es nicht das, was Sie sagen wollten?“ – „Das nicht, aber –“ „Aber es ist doch so,“ ergänzte ich nochmals, zog die immer röter werdende Madame Delongé an mich, und bald lag sie umschlungen in meinen Armen, Brust an Brust. – „Sehen Sie, so geht es, wenn man die Grausame zur Unzeit spielen will.“ Es kam nun zu einem allerliebsten Schäferstündchen, nach dem mir die Dame offen gestand, daß, da die Herren vom Militär in der Regel so sehr volage seien, sie geglaubt habe, mich besser zu fesseln, wenn sie mich lüsterner nach der verbotenen Frucht mache; „denn,“ setzte sie hinzu, „gar bald wird man vernachlässigt, wenn man sich so schnell ergibt.“ – „So, also haben Sie schon die Erfahrung gemacht,“ versetzte ich lachend. – „Das eben nicht, aber so habe ich immer gehört.“ – „Ah, das ist etwas anderes; aber lassen Sie uns die kurze Zeit, die uns noch übrig bleibt, wohl nutzen.“ Dies taten wir denn auch, und so wohl, daß ich die zwei Nächte, die wir noch in Perpignan blieben, fast kein Auge zu schließen vermochte. Auch hatte ich nun die Ehre, ihr Tischgenosse mittags und abends zu sein, wofür ich Antoinetten, so durfte ich sie jetzt nur noch nennen, ein schönes goldenes Armband mit drei Pensées und dem eingegrabenen Datum, aber ohne Namenszug, vor der Abreise zum ewigen Andenken verehrte. Auch das sie bedienende Mädchen, das in einem Kämmerchen neben der Herrin schlief und nur durch eine dünne Bretterwand von derselben geschieden war, bedachte ich großmütig, damit sie reinen Mund halte und die Blinde, Taube und Stumme spielen möchte, wenn sie mich allenfalls in den bloßen Strümpfen in das gastfreundliche Seitengemach schlüpfen sah oder hörte; doch glaube ich nicht mit Unrecht, daß sie die sehr Vertraute ihrer Dame war. Eben schlummerte ich ein wenig, als am Morgen nach der zweiten Nacht die Tambours das unerbittliche Rappellieren hören ließen. Ich nahm noch einmal Abschied, warf mich in die Uniform, schnallte den Degen um und riß mich nach einem letzten Kuß aus Liebchens heißen Armen. Eine Stunde darauf befand ich mich mit dem Bataillon auf dem Marsch nach Salces, von wo es über Narbonne nach Carcasonne, der Hauptstadt des Departements Aude, die am Fluß dieses Namens und an dem Kanal Du Midi liegt, ging.
Von hier führte uns der Weg über Villepinte nach Villefranche, einem kleinen Städtchen im Departement Haute-Garonne, und von da nach Toulouse, wo mir ein Sejour gestattete, diese alte berühmte Stadt wenigstens oberflächlich kennen zu lernen.
Toulouse liegt an der Garonne, die sie in zwei Teile teilt, von denen der kleinere St. Cyprien heißt; beide sind durch eine sehr schöne Brücke verbunden, zu der ein Triumphbogen führt, der im siebzehnten Jahrhundert erbaut wurde. Wälle und alte Mauern befestigen die Stadt, die breite, gutgepflasterte Straßen, zum Teil schöne Häuser, einige große Plätze und sehr schöne Promenaden hat, wozu man die herrliche Esplanade zählen muß. Auch ist hier eine gute Kanonengießerei. Die Zahl der Einwohner mag an achtzigtausend betragen. Die Lage und die Umgebungen der Stadt sind himmlisch. In dieser Stadt wurde 1762 der unglückliche und unschuldige Calas als ein Opfer des scheußlichen Ungeheuers, religiöser Fanatismus genannt, hingerichtet.
Von Tarbes kamen wir nach dem Geburtsort Heinrich IV., Pau, der ehemaligen Hauptstadt von Bearn, jetzt die der Basses-Pyrenées. Bernadotte, der nachmalige König von Schweden (Karl XIV.), wurde hier geboren. Sie liegt am rechten Ufer der Gave de Pau, hat ziemlich breite und gut gebaute Straßen und an neuntausend Einwohner. In den Mauern des alten, einer großen Burg ähnlichen Schlosses, das dereinst die Residenz der Könige von Navarra war, hat Heinrich IV. das Licht der Welt erblickt. Zur Zeit der französischen Revolution wurde es sehr mitgenommen und dann zum Staatsgefängnis gemacht; aber der Park, in welchem Heinrich so oft der Jagdlust pflegte, ist noch vorhanden, ebenso der Cours Bayard, der eine der besuchtesten Promenaden ist, deren es hier sehr schöne gibt. Von der Brücke, die über den Gave de Pau führt, hat man eine großartige Aussicht auf die sich riesenmäßig amphitheatralisch erhebenden Pyrenäen. Der Aufenthalt in Pau ist wegen seiner reinen und gesunden Luft sehr gesucht, und das ganze Jahr hindurch halten sich viele Fremde hier auf; auch ist das Leben angenehm und wohlfeil, die Einwohner sind leutselig und gefällig. Die Umgegend ist entzückend und sehr malerisch.