8 bis 900 Centner Angelica, à Centner 6 bis 15 Thaler, gegenwärtig (1841) 9 bis 11 Thaler,
15 bis 20 Centner Baldrian zu 6 bis 7 Thaler,
10 bis 15 Centner Rhabarber, à Centner 6 bis 8 Thaler,
15 bis 20 Centner wilde Bärwurzel, à Centner 5 bis 6 Thaler, und
2 bis 3 Centner Leibstöckel (Ligusticum levisticum), à 7 bis 8 Thaler,
erbaut und bei Weitem der größere Theil von Herrn Friedrich erkauft und versendet wird. Demnächst bedarf dieser für sein Geschäft 14 bis 16,000 Dutzend kleiner Schachteln zu dem sogenannten Schneeberger Kräuterschnupftabak und bezahlt für das Dutzend 1 bis 4 Groschen Macherlohn. Die Herren Zeeh und Brückner daselbst bedürfen für denselben Zweck ebenfalls 6 bis 8000 Dutzend jährlich; nicht minder sind für Bockau außerdem 50,000 Schachteln zu Räucher-, Zahn- und Seifenpulver, ferner zu Pflaster, Pillen, Räucherkerzen und dergleichen mehr erforderlich, welche à 1000 Stück mit 18 Groschen bis 2 Thaler, auch theilweise mit 8 bis 10 Thaler bezahlt und sämmtlich da verfertigt werden. Viele arme Kinder tragen Jahr für Jahr eine Menge Kräuter aus den Wäldern, von Wiesen und Feldrändern zusammen, als: Johanniskraut (Hypericum perforatum), Johannisblumen (Arnica montana), Waldmeister (Asperula odorata), Huflattig (Tussilago farfara), Bärenlapp (Lycopodium clavatum) und noch mehrere zusammen, und ein jedes derselben verdient täglich 2 bis 3 Groschen. Bei Weitem der größere Theil der genannten officinellen Gegenstände werden auf Messen und sonstigen Vertriebscanälen über Nürnberg nach Frankreich, Italien, Oesterreich, Preußen, Rußland und selbst nach Nordamerika versendet und dafür nicht unbeträchtliche Summen in das Land gezogen.
Außerdem werden noch eine Menge Balsame, Liquor, Spiritus, Tinctur, Oel, Pulver und gebrannte Wässer gefertigt, die theils von den Laboranten selbst auf Messen und Märkten im Ganzen verkauft oder von den sogenannten Olitätenhändlern nach Schlesien, Polen, Westpreußen und bis an die nördlichen Seeküsten vertragen werden. Gegen 800 bis 1000 Thaler Hohlglas wird noch gegenwärtig für die Bockauer Medicinalbereitung von der sächsischen Glashütte bei Karlsfeld bezogen, und noch vor etwa 20 Jahren nährten sich gegen 1700 Familien im Obererzgebirge davon. Die Wohlfahrtspolizei der neuern Zeit hat diesen Erwerbszweig bereits über zwei Drittel vernichtet, weil man gefunden zu haben glaubt, daß die menschliche Gesundheit und das Leben dadurch bedroht und in Gefahr gesetzt werde; und was noch concessionell davon besteht, läßt man absterben, indem die Berechtigungen in der Regel nur der Person ertheilt worden sind.
Man hat es nicht thatsächlich vorliegen, wie weit in Sachsen und den Nachbarländern die Sterblichkeit herabgesunken sein mag, seit die Medicinalbereitung und das Hausiren damit beschränkt und hart verpönt worden ist. Dagegen ist nach öffentlichen Blättern amtlich nachgewiesen, daß in England in einem Jahre 31,000 weibliche Personen an der Schwindsucht, als Folge der zu engen Schnürleiber, verstorben sind. Den Schneidern ist auch bei uns die Verfertigung von solchen Zwangsfutteralen für Siechthum und Tod erlaubt und das Brauen und Verzapfen von baierschem Biere zur Mast der Leber, mithin für Abkürzung des Lebens, gestattet, ohne daß die medicinische Wohlfahrtspolizei ein Bedenken dagegen aufzustellen geneigt ist. Nicht lange wird es dauern, so werden wir auch das Opiumgift bei uns haben, wie in England, und es dürfte eben so wenig mit Erfolg dagegen eingeschritten werden können, als gegen die Schusterzünfte, welche ihr widernatürliches Stiefel- und Schuhwerk für die fortschreitende Veredlung der Hühneraugen zu vervollkommnen suchen. Je mehr sich der Mensch durch Modesucht von seiner Natürlichkeit entfernt und je mehr sich derselbe in der Mannichfaltigkeit der künstlichsten Genüsse, wofür alle Zonen der Erde zinsbar gemacht werden, verliert und darin beharrt, desto ohnmächtiger werden alle Warnungen und alle polizeiliche Maßregeln dagegen bleiben; und wenn ja letztere hier und da durchdringen, wie bei dem Medicinalhandel, so werden sie neue Mißverhältnisse in den Gewerbsweisen und Wohlfahrtszuständen hervorrufen, welche es unentschieden lassen, ob diese nicht schlimmer sind, als jene zu sein schienen. Ist das Volk reif und mündig, so wird es selbst das Unnatürliche und Schädliche von sich entfernen und durch Schule und Beispiel eine geläuterte Zukunft bereiten, in welcher sich manche Hemmnisse und Zwangsmaßregeln entbehrlich machen. Ob diese Zukunft nahe liegt? – dies mag sich der geneigte Leser selbst beantworten, besonders wenn er ein Erzgebirger ist.
Die Morgenleithe.
Dieser von allen Seiten in einen dunkelgrünen Mantel von Fichtenwald gehüllte Berg hebt sich über 2500 Fuß über das Meer und trägt auf seinem langen, aus Westen nach Osten gestreckten Rücken einen Höcker wie ein Kameel. Von diesem aus irrt das Auge nach Nord und West über eine Menge niedriger Berge und Hügel weit in das flache Land hinab, wo es, wenn es bewaffnet ist, die Sternwarte zu Leipzig und das unbehülfliche Dach der Thomaskirche erkennt; der weiterhin gezogene Horizont verhüllt sich in Nebelschleier und stellt dem forschenden Blicke das Ziel. Die ferne weite Ebene ist mit einer Menge dunkler horizontaler Striche, bald kürzer bald länger, gezeichnet: es sind größere und kleinere Städtchen, Dörfer und Laubgehölze; sie schwimmen wie Meergras auf glatter Fläche und verkästeln die Farben mit den lichten Getreidefluren damenbretartig.