Ober- und Unterjugel sind beide älter als Johanngeorgenstadt, denn schon im Jahre 1571 erhielt Sebastian Preisler[9] Concession zu Erbauung einer Glashütte und 8 Häusern; ebenso hatte Johann Gabriel Löbel die Vergünstigung zu Anlegung eines Blaufarbenwerks erhalten. Die Glashütte ist längst schon eingegangen, und das Farbenwerk kaufte den 11. October 1668 der Churfürst um 8500 Thlr. an sich und vereinigte es mit dem zu Schlema bei Schneeberg, welches seitdem ein Doppelwerk genannt wird.

Uebrigens waren beide Jugel nach Eibenstock eingepfarrt, seit dem 18. Septbr. 1657 hingegen gingen sie bequemlich in die neue Kirche nach Johanngeorgenstadt.


Wir wandeln jetzt von Wittigsthal aus einen Weg nach den Quellen des Schwarzwassers hinauf, dicht an der böhmischen Grenze, und bald befinden wir uns in einer rauhen, eben nicht anmuthigen Gegend, die uns aber bald dies-, bald jenseits der Grenze manches Interessante darbietet. Als sich Prinz Albrecht, derselbe, welcher im Jahre 1455 seine Befreiung am Fürstenberge fand, mit der Prinzessin-Tochter des böhmischen Königs Podibrat vermählte, erhielt dieselbe die Herrschaft Schwarzenberg zur Morgengabe mit. Die Abgrenzung dieser Herrschaft von dem eigentlichen Böhmen mochte sehr unbestimmt, so wie die werthlose und undurchdringliche Waldung, wenig von Menschen, ungleich mehr aber von wilden Thieren bewohnt, die Ursache sein, daß man sich darum wenig kümmerte, ob einige Joche Land mit seiner Wildniß da- oder dorthin gehörten.

Am südlichen Abhange des sächsischen Fichtelberges liegt ein beschindeltes Häuflein Häuser, wie ein Volk frostiger Rebhühner, in steriler Gegend. Es ist Gottesgabe, also benannt von dem reichen Segen des damaligen Bergbaues in seiner Nähe, denn außerdem gediehen nicht immer Erdäpfel und Hafer. Churfürst Johann Friedrich befahl den 2. November 1534: »daß jedem, so sich alda niederlassen will, 15 Ellen breit und 30 Ellen lang zu einem Wohnplatz eingeräumt und ein Schichtglöckchen angeschafft werden solle.« Eben so ertheilte derselbe Churfürst ein Jahr später eine Bergordnung für das damals jugendliche Städtchen Platten; beide gehörten daher zu Sachsen. Allein die großen Jagden, welche die Könige von Böhmen und die Churfürsten von Sachsen alljährlich abzuhalten pflegten, hauptsächlich aber deren Jagdpersonal gaben vielfach Gelegenheit zu unangenehmen Irrungen, besonders bei Verfolgung des Wildes, so daß zuletzt durch den sogenannten »ewigen Egerschen Erbvertrag«, welcher den 26. October 1556 zu Schneeberg seine wechselseitige Genehmigung fand, die Grenzen zwischen beiden Ländern durch Grenzsteine bestimmt, dabei aber auch Gottesgabe, Platten und die dazwischen gelegenen Ländereien, gegen Reservat des halben Bergzehnten und diesseitiger jährlicher Gewähr von 180 Stämmen Schacht- und Grubenhölzer, an Böhmen für immer abgetreten werden.

Schon lange her ist der Bergbau in dem damals an die Krone Böhmens abgetretenen Landestheil, bis auf die Eisensteingrube Irrgang am Hengstgebirge bei Platten, ohne alle Bedeutung, und das Ausbringen von Zinn nicht mehr der Rede werth. Die sogenannten Försterhäuser und die am Streitseifen liegen ordnungslos zerstreut auf ihrem magern Boden, den nur ein dürftiges Gras bedeckt, aus welchem verkrüppeltes Ahorngesträuch und kränkelnde Vogelbeerbäumchen emporzustreben suchen.

Das Schwarzwasser, welches durch Moor- und Torfboden seinen Lauf nimmt, führt ein gelbes coventartiges Wasser, was selbst für die Wässerung nicht so tauglich ist, als da, wo es in die tieferen Gebirgswannen hinabgestiegen ist. Dessenungeachtet verlassen wir die Gegend noch nicht, bis wir den böhmischen Spitzberg bei den Försterhäusern erklettert und von da aus die fernen Gegenden nach Karlsbad hin betrachtet, auch theilweise die Grenzörtchen Börnichen und Abertham (Aberdam) betrachtet haben. Der bewaldete und aus Basalt bestehende Spitzberg hat die Form eines riesenhaften Heuschobers und wird daran, weit nach Sachsen hinein, erkannt. Auf ihm wächst, nach Paulus' Orographie, die isländische Zwergbirke (Betula nana), die ich aber nicht habe auffinden können. Von hier aus fällt das Gebirgsjoch, welches Sachsen von Böhmen trennt, steil in dieses gesegnete Land hinab; die Thäler sind tief eingefurcht und jagen ihre Gewässer rasch in die Ebenen hinaus. Die meist ärmlichen Wohnungen der Menschen hängen sich an die jähen Abhänge, die hier schon allerwärts die beschwerliche Bewirthschaftung mit reichlicherem Ertrage lohnen.

Böhmen ist das Land der Musik und sie hat sich an allen Grenzorten, wo sonst reger Bergbau war, in eben dem Maßstabe erweitert und vervollkommnet, wie jener zum Sinken kam. Preßnitz, Platten und andere Orte entsenden ganze Schaaren Musiker in fremde Länder, die oft in einem Jahre nur einmal heimkehren, um die Angehörigen zu sehen und mit Geldmitteln zu versorgen. Dieser Sinn für Musik hat sich auch weit über die Grenze nach Sachsen herein verbreitet und zur Nachahmung aufgefordert, sich den Unterhalt durch Geigen, Blasen und Pfeifen zu verschaffen.

Damit aber das Herumziehen mit musikalischen Instrumenten nicht in gemeine Bettelei ausarte und das Publicum belästige, müssen alle derartige Gesellschaften, auf Anordnung der Kreisdirection, eine Probe ihrer Leistungen ablegen und erhalten nur dann Erlaubniß für das gewählte Gewerbe, wenn solches als vorzüglich genannt werden kann. Im Laufe vorigen Jahres wurden im Kreisamtsbezirk Schwarzenberg allein von 9 musikalischen Gesellschaften derartige Proben abgelegt.