Das böhmische Grenzörtchen Abertham hat sich von langen Zeiten her einen Namen mit seinen Käsen, die es aus Ziegenmilch bereitet, erworben und bis zur Stunde erhalten. Sie haben die Größe eines Zwiebacks oder eines Zweithalerstücks und werden weit und breit verführt. In früheren Zeiten mußte die Amtsschreiberei (Rentamt) zu Schwarzenberg dergleichen Käse ankaufen und zur Hofküche nach Dresden einliefern.
Dieses Abertham mit seinem Nachbarorte Börnichen treibt noch ein anderes Geschäft, was seiner Eigenthümlichkeit halber, einer kurzen Erzählung werth ist.
Es besteht nämlich in dem oft lebensgefährlichen Aufsuchen der Gimpelnester, der Erziehung dieser Vögel (Dompfaffen) und in der Kunst, denselben Melodieen pfeifen zu lehren. Dann wird ein Handel damit nach Wien, Berlin und anderen Städten des In- und Auslandes getrieben, welcher, wenn der Fleiß des Lehrers und das Talent der Vögel gut war, viel Geld in die Heimath bringt.
Sonderbar ist es, daß nicht jeder von diesen kleinen gefiederten Lehrlingen, auch wenn sie aus einem und demselben Neste sind, gleiche Gelehrigkeit besitzt, vielmehr giebt es eben nicht seltene Fälle, daß alle Mühe und Arbeit verloren und es gerathener ist, ihnen die Freiheit wieder zu geben, wo sie durch ihre Dummheit in ihrem Vogelstaate vielleicht zu Ehrenstellen gelangen, wie überall, wo es Gimpel giebt. Die ganz schwarzen, als Seltenheit auch ganz weißen Vögel dieser Art, welche letztere rothe Augen haben wie die Albino's, lernen zwar auch wenig, werden aber dennoch als Raritäten mit in den Handel gebracht.
Von diesem kleinen Abstecher zurückkehrend, gehen wir den Mückenbach, der die Grenze bildet, hinunter und gelangen bald nach den obersten Häusern von
Rittersgrün,[10]
wo das Kaffgebirge und der Taubenfels, von Osten her wie ein Keil nach dem Thale eingetrieben ist, um Räumlichkeiten für die Einwohnerschaft zu erzwingen. Der nur erwähnte Mückenbach, der Kaff-, Zwei- und Kunertsbach treten hier zusammen und bilden mit ihrem krystallhellen Gewässer die Pöhla (Biela), welche dem Thal entlang wunderliebliche Wiesen bewässert und die Füße des Haueisens, des Ochsenkopfs, des Klötzerwaldes rechts, so wie der hintern und vordern Kehlung, des Forstwaldes und des Härtenberges links, benetzt. Dieses gegenwärtig eine volle Stunde lange Dorf gehört nicht unter die jüngern Ansiedelungen des Obergebirges, denn am 20. Juli 1584 erhielt Nicolaus Klinger zu Elterlein Concession zu Anlegung eines Hammerwerks in Oberrittersgrün, so wie der Obristwachtmeister Hannibal von Schmerzinger die Erbgerichte über sein Hammerwerk, Arnold Rothenhammer und die von ihm erbauten 17 Häuser den 13. März 1670, um für sein Hammerwerk die Berg- und Hüttenleute unterzubringen, von welchen Erstere den Lagereisenstein des nachbarlichen Rothenberges und des sogenannten Glimmer ausbeuteten.
Der Hammerberg und der Gänsegrund sonnet gegenwärtig an seinem mittägigen Gehänge eine ansehnliche Zahl ordnungslos hingewürfelter Häuser, welche in der Mehrzahl Hütten- und Waldarbeiter bewohnen.
Der Ort fand von jeher viel Nahrung im Handel und Vertriebe der Hölzer aus böhmischer Waldung, und wer die Bestechlichkeit der dortigen Forstdienerschaft zu benutzen und zu erhalten verstand, konnte es zur Wohlhabenheit bringen und selbst in dieser Lage mit dem Walddominialamt in Joachimsthal in ersprießlichem Einverständnisse leben. Jetzt ist dieser Holzverschleiß nicht mehr so lebhaft, weil in dieser Richtung hin die Waldungen niedergetrieben und gelichtet sind, deshalb aber leidet Rittersgrün ziemlich an geregelter Arbeitsgelegenheit.