Einer zahlreichen Familie mit ihren Abkömmlingen muß ich noch gedenken, die sich ebenfalls, wie in Abertham und in Börnichen, mit dem Unterricht der Gimpel beschäftigen und deshalb unter dem Namen: »Gimpel-Poller« bekannt sind. Ein Stamm davon hauset in dem sogenannten Ehrenzipfel, welcher am obern Ende von Rittersgrün einem Anbaue gleicht, welchen man an das Hauptgebäude anflickt, um etwa Auszügler hinein zu stecken.

Wir gehen dem Flusse entlang nach den aus 16 Häusern bestehenden Schweizerdörfchen

gez. v. F. König.

Lith. Anst. v. Rudolph & Dieterici in Annaberg.

KLOBENSTEIN.

Globenstein[11]

hinab und begreifen nicht, wie es hat kommen mögen, daß sich Menschen in einem solchen Felsengewirre ansiedeln konnten. Das Thal ist enge; hier thurmhohe, den Einsturz drohende Gneus- und Glimmerschiefermassen; da eine Wüste von Felsgetrümmer, als hätten sich Riesen damit geworfen, und dennoch hier und da ein Stückchen Feld oder Grasboden, hervorgemartert unter vielen tausend Gesteinstücken, die wie Wälle haushoch um die kleinen Herrlichkeiten aufgeschichtet sind, weil es außerdem weiter keine Räumlichkeit gab. Die kleine Einwohnerschaft sieht die Sonne eine Stunde später auf- und eben so lange früher untergehen, was das Forststrafgesetzbuch vom 2. April 1838 S. 181 hätte bemerken sollen.

Die Pöhla zerschellt ihre farbenlosen Wellen unter Tosen und Rauschen an den Klippen, womit ihr Bett belastet ist, und wirft sie in weißem Schaum die regellose Treppe hinab nach der sanfteren Mündung. Hier am Fuße des Drachen- und Rottenberges ist ihr Weg mit Türkis und Smaragd[12] bestreut, beide Ufer mit Laubholz und Blumen bekränzt, unter welchen sie noch weithin die Mädchenjahre vertanzt. Hebel in seinen allemannischen Gedichten konnte kein schöneres Bild für seine Wiese wählen, als das eines Mädchenlebens. Gar oft saß ich am westlichen Abhange des Zigeuners,[13] lauschte dem Gekose der Wellen und dem Geplätscher kaum geborner Quellen, wie diese sich bald überkugelnd der älteren Schwester nacheilen, bald tändelnd umher die Blumen auf nachbarlichen Wiesen tränken und dann auf den wunderlichsten Wegen ihre Führerin wieder zu erlangen streben. Hier tanzt die lebensfrohe Pöhla über die Räder der Mühlen, dort macht sie gewaltige Pas über die Wehre. Es ist die schottische Zeit des Mädchens. Die frühzeitige Verbindung mit dem Schwarzwasser bringt eine andere Farbe in ihr heiteres Leben und Tropfen der Wermuth, herabgesandt von Beyerfelds Vitriol- und Schwefelwerk, verbittern ihr die Ehe. Adoptirt von der Mulde bei Aue, entschließt sie sich zur weitern Reise in die Elbe und mit dieser vielgeprüften Lebenssatten in die Wasserewigkeit der Meere. Hier wird sie über lang oder kurz, vielleicht unter tropischen Himmelsstrichen, durch die Macht der Sonne zur Auferstehung gerufen; geisterartige Gebilde erheben sich aus dem großen Todtenacker der Flüsse, formen sich in Wolken und geben sich in endlos wechselnden Gestalten den entferntesten Ländern in erquickendem Thau und Regen kund, um den Glauben ihrer

»– – – – – Lieben,
die in ferner Heimath blieben,«