gez. v. F. König.

Lith. Anst. v. Rudolph & Dieterici in Annaberg.

SCHWARZENBERG.

Schwarzenberg.

Wie die zusammengedrängten und gegen das Hinabgleiten gesicherten Kinderherrlichkeiten auf dem Brete eines Gypsfigurenhändlers, – so ruhen die 50 brauberechtigten schmucken Häuser des Städtchens, welches überhaupt 193 bewohnte Häuser und 1931 Seelen zählt[1], mit dem Schlosse, der Kirche, Schule, dem Forst- und Rathhause auf einer 60 Fuß hohen, 1200 Fuß langen und kaum 300 Fuß breiten Felsenribbe, die aus dickflasrigem und mit Granitgängen durchsetztem Gneus besteht. Die eng zusammengerückten, steinernen und mit Schiefer gedeckten Gebäude haben sich an den Rändern dieses Felsens durch Mauern und Strebepfeiler gesichert, damit sie nicht den Vorstädtern, welche ringsherum noch 143 Häuser bewohnen, in die Arme fallen.

Dem alten und durch wiederholte Brände vielfach veränderten Schlosse, in welchem gegenwärtig das Kreisamt seinen Sitz hat, fehlen die urkundlichen Nachweisungen seiner Entstehung. Es ist nicht umfänglich und steht auf der äußersten Kante des Felsens, ernst und sinnend, wie der bronzirte Napoleon mit verschränken Armen und kleinem Hute auf dem Brete der Gypsfiguren. In der Vorzeit, wo die kriegerische Zerstörungsart noch nicht so weit gediehen war, als in der Gegenwart, hatte diese alte Burg einen Graben und eine Aufzugbrücke, das Städtchen selbst aber Mauern und zwei Thore, welche jedoch niedergerissen worden sind, weil es Thorheit gewesen wäre, ihre Räumlichkeiten für bessere Zwecke unbenutzt zu lassen.

Heinrich I., Otto des Erlauchten Sohn, soll das Schloß zu Anfange des zehnten Jahrhunderts, so wie mehrere andere, zur Bewachung der Sorben erbaut haben. Weniger glaubhaft mag es sein, daß diese kleine Stadt ihren Namen von eben diesem Heinrich, welcher sich Henricus Niger genannt, bekommen haben soll, weil die Gelegenheit näher liegt, daß das Schwarzwasser, welches seinen Lauf durch die Vorstadt nimmt, die Veranlassung für die Benennung des Ortes wurde. Das Schwarzwasser, welches sich unterhalb der Stadt mit der Pöhla (richtiger: Bela, Biela) vereinigt, wurde von den Wenden Czorny-woda (lies: Schorni, daher auch Schornstein), Schwarzwasser, und unsere heutige Pöhla wurde Bela woda, d. i. Weißwasser, genannt.

Nahe an der Stadt ragen zwei schroffe Felsen, der Otten- und Todtenstein empor, die irgend eine gewaltige Erdrevolution der Vorzeit, die keine Geschichte kennt, von dem Stadtberge trennte und dem Schwarzwasser seinen heutigen Weg anwies. Hinter diesen Felsenmassen und rund um das Städtchen erheben sich kegelartige Berge von Gneus und Granit, wie mächtige Bastionen, zu deren Füßen sich üppige Wiesen ausdehnen und darüber hinauf die Einwohnerschaft ihren mühsamen Feldbau betreibt.

Schwarzenberg und seine nahe Umgebung bietet keine Ebene dar; überall nur abgescheuerte Berge mit tiefen Einschnitten, in welchen Quellen und kleine Bäche plätschern. – Es ist ein Gebirge im Gebirge! – Darum aber und weil die Grundstückbesitzer ihre Früchte nicht so bequem nach Hause bringen können, wie die Flachländer, besonders wenn die Witterung ungünstig ist, sind die Scheunen auf dem ganzen Weichbilde zerstreut herum erbaut, wie die Kauen eines Bergwerksreviers, was auch außerdem, wegen Feuersgefahr, sehr zweckmäßig erscheint.