mit nicht viel mehr als 1200 Einwohnern in 145 Häusern. Wer und wenn das Schloß erbauet – ist nicht genau bekannt. Lehmann in seiner Chronik sagt, daß dasselbe im Jahr 1410 Konrad von Tettau besessen habe. Die Bauart der Schlösser an der Mulde läßt wohl vermuthen, daß sie damals eine andere Bestimmung hatten, als den Reisenden aufzulauern und denselben Hab und Gut abzunehmen, wie mehrere Geschichtschreiber glauben. Im 4. Jahrhundert haben offenbar die Hermunduren das Schönburgische Gebiet bewohnt, und nach ihnen sind die Thüringer aufgetreten, bis auch sie von den Slaven vertrieben wurden, welche beinahe ein ganzes Jahrhundert die Schönburgischen Gaue cultivirten und unter fränkischer Herrschaft gegen einen Tribut gesichert fanden, bis die Sorben, welche man zur Annahme der christlichen Religion zu zwingen gedachte, gar böse Händel gegen die Franken, Sachsen und Thüringer anfingen, welche zu rohen Aufständen ausarteten und so lange blutige Kämpfe mit abwechselndem Glücke herbeiführten, bis Heinrich I., Herzog von Sachsen, gegen sie auftrat und ihre Selbständigkeit bald ganz vernichtete. Dabei ließ er es aber nicht bewenden, die Sorben für die Gegenwart unterjocht zu haben, sie sollten es auch für die Zukunft bleiben. Deshalb führte er überall zu ihrer Bewachung Burgen auf und legte deutsche Kolonien unter ihnen an. Darum sind die alten Burgen und Schlösser als Denkmäler der rohen Vorzeit zu betrachten, insoweit sie nicht im baulichen Wesen und für die Wohnlichkeiten der Fürsten, Grafen und Adeligen in der Gegenwart erhalten worden sind. Die neuere Zeit hat es auch möglich gemacht, daß bürgerliche Geldaristokratie derartige Schlösser und Burgen erwerben kann, und man will wissen, daß hier und da der Tribut von den Dingpflichtigen auf gleiche Weise eingebracht wird, wie die ehemaligen Burggrafen zu thun gewohnt waren.

Wildenfels oder vielmehr das benachbarte Kalkgrün ist übrigens noch bekannt wegen des schwarz- und weißgeaderten und bunten Marmors, welcher für Bildhauer hier gebrochen, der Abgang hingegen zu Kalk gebrannt wird, wodurch die Gegend umher an Lebendigkeit und Erwerb gewinnt. Wildenfels hat einen Lehnshof, bei welchem hin und wieder solche alte Lehnsschnörkel noch bestehen, welche der neuern Zeit nicht zusagen. So muß z. B. der Lehnträger des sogenannten Gotteswald in Lößnitz Jahr für Jahr Tags vor Michaelis früh vor Sonnenaufgang im Lehnshof Wildenfels erscheinen und mit vier weißen Pfennigen die Lehn am Gotteswald erneuern.

Das

Schloß Stein mit seinem nachbarlichen Schlosse Hartenstein,

welches erstere kaum ein Stunde Weges von Wildenfels entfernt liegt, macht einen interessanten Eindruck, der mehr der Ueberraschung angehört, wenn man in das Innere der Burg eintritt und sich in einen in Felsen gehauenen Speisesaal versetzt sieht, welcher in heißen Sommertagen ehemaliger herrischer Größe Kühlung zum Gelage darbot. Gegenwärtig wird ein Theil der innern Räumlichkeiten für ökonomische Zwecke benutzt, während die dem Verfalle entgegengehenden übrigen Parzellen Marder und Ratten, zum Schrecken des Federviehes und zum Nachtheil aller freß- und eßbaren Dinge, als würdige Repräsentanten längst vermoderter Herrlichkeiten bewohnen.

Hier führt eine eiserne Brücke über die Mulde, welche die Gegenwart hervorgerufen hat. Von den Passanten wird ein mäßiger Brückenzoll erhoben, welcher aber mehr für den beträgt, der das am linken Ufer gelegene Schweizerhäuschen nicht umgehen kann; denn es ist keine Sennerei, wo man Molkenkur, wohl aber Wein, Schnaps und Bier, öfters auch Concert und Schmäuse findet. Die Herrschaft Stein war ehedem nur ein Schloß und Rittergut, welches zur Grafschaft Hartenstein gehörte. Von den Besitzern der letztern wurde gedachtes Schloß Stein unter andern an die Herrn Trützschler von Eichelberg verafterlehnt. Als aber dieses Geschlecht ausgestorben war, fiel dasselbe als eröffnetes Lehn nebst Oelsnitz den Herrn von Schönburg anheim. Im Jahre 1632 übernahmen dasselbe Otto, Veit und Albrecht der obern Linie um 23,000 fl.

Nach Veits Absterben ward Otto Albrecht einziger Besitzer und vererbte es an seinen einzigen Sohn Ludwig. Nach dessen Tode im Jahre 1701 sollte jeder von seinen vier Söhnen eine Herrschaft bekommen, gleichwohl waren deren nur drei vorhanden. Es wurde daher ein Theil von der Grafschaft Hartenstein abgerissen, zu dem Rittergute Stein geschlagen und zu einer Herrschaft erhoben, – so ohngefähr wie sich heut zu Tage kleine Dynasten den Rang »Königl. Hoheit« selbst ertheilen, – welche Ludwig Friedrich erhielt, bei dessen Nachkommen sie sich noch gegenwärtig befindet.

Nur durch die mannigfaltigen Besitzveränderungen lassen sich die wunderlichen Jurisdictionsverhältnisse der Schönburgischen Besitzungen erklären, welche den Unterthanen zugewiesen sind. Ohngefähr 1702 ist das Amt Stein nach Lößnitz verlegt worden.

Die Prinzenhöhle am rechten Ufer der Mulde ist aus der Geschichte des sächsischen Prinzenraubes 1455 und daß sich Wilhelm von Mosen und Schönfels mit dem Prinzen Ernst sich in derselben bis zur Ablieferung verborgen hielten, hinlänglich bekannt; auch hat man von derselben, sowie vom Schlosse Stein und Hartenstein, Bilder mancherlei Art.

Zwischen Stein und der Prinzenhöhle zieht sich ein enges Thal hinauf nach Hartenstein und Thierfeld, welches sich in der Nachbarschaft des Oertchens Raum ausmündet. Es wird das Tiefthal genannt und ist in demselben seiner Erstreckung nach periodisch auf Quecksilber gebaut worden, ohne auf nachhaltige Anbrüche zu kommen, die dem Aufwand entsprochen hätten. Die Spuren von vorkommendem Zinnober sind daselbst seit 1566 schon bekannt, und da das bergmännische Sprüchwort: Erz führt wieder zu Erz – nicht ohne Bedeutung ist, so läßt sich vermuthen, daß später geregelter Bergbau seine Seegnungen mit sich bringen wird.