d. 15. Guten Morgen. Ich hab eine gute Nacht gehabt. Und bin iezt recht wie ein Mädgen. Sie rathen nicht was mich beschäfftigt, eine Maske, auf kommenden Dienstag wo wir Ball haben.

Nach Tisch! — Ich komme geschwind gelaufen, dir zu sagen was mir drüben in der andern Stube durch den Kopf fuhr: Es hat mich doch kein Weiblich Geschöpf so lieb wie Gustgen.

Und meine Masque wird eine altdeutsche Tracht, schwarz und Gelb, Pumphose, Wämslein, Mantel und Federstuzhut. Ach wie danck ich Gott dass er mir diese Puppe auf die paar Tage gegeben hat, wenns so lang währt.

halb viere. In Brunnen gefallen wie ichs ahndete. Meine Masque wird nicht gemacht. Lili kommt nicht auf den Bal. Aber dürft ich, könnt ich alles sagen! — Ich thats sie zu ehren weil ich deklarirt für sie bin, und eines Mädgens Herz pp. — Also Gustgen! — Ich thats auch halb aus Truz, weil wir nicht sonderlich stehn die acht Tage her. Und nun! — Sieh Gustgen! so kanns allein werden wenn ich dir so von Moment zu Moment schreibe. — — halb 5. ich wollt ich könnt mich dir darstellen wie ich bin, du solltest doch dein Wunder sehn. Gott! so in dem ewigen Wechsel, immer eben derselbe.

d. 16ten. Heut Nacht necksten mich halb fatale Träume. Heut früh beym Erwachen klangen sie nach. Doch wie ich die Sonne sah sprang ich mit beyden Füssen aus dem Bette, lief in der Stube auf und ab, bat mein Herz so freundlich freundlich, und mir wards leicht, und eine Zusicherung ward mir dass ich gerettet werden, dass noch was aus mir werden sollte: Gutes muths denn Gustgen. Wir wollen einander nicht auf's ewige Leben vertrösten! Hier noch müssen wir glücklich seyn, hier noch muss ich Gustgen sehn, das einzige Mädgen deren Herz ganz in meinem Busen schlägt. — Nach Mittage halb vier. Offen und gut der Morgen, ich that was, Lili eine kleine Freude zu machen, hatte Fremde. Trieb mich nach Tische spasend närrisch unter Bekannten und Unbekannten herum. Gehe iezt nach Offenbach, um Lili heute Abend nicht in der Comödie morgen nicht im Conzert zu sehen. Ich stecke das Blat ein und schreibe draus fort.

Offenbach! Abends sieben. In einem Kreise von Menschen die mich recht lieb haben, offt mit mir leiden! Es ist nun so! ich sizze wieder an dem Schreibtischgen von dem ich Ihnen schrieb eh ich in die Schweiz ging. Lieb Gustgen — da ist ein [iunges Paar] in der Stube das erst seit acht Tagen verheurathet ist! eine [iunge Frau liegt auf dem Bette] die der angenehmsten Hoffnung eines lieben Kindes entgegen schmerzet. Ade für heute. Es ist Nacht und der Mayn blinckt noch aus den duncklen Ufern.

Offenbach. Sonntag d. 17ten Nachts zehen. — Ist der Tag leidlich u. stumpf herumgegangen, da ich aufstund war mirs gut, ich machte eine Scene an meinem Faust. Vergängelte ein paar Stunden. [Verliebelte ein paar mit einem Mädgen] davon dir die Brüder erzählen mögen, das ein seltsames Geschöpf ist. Ass in einer Gesellschafft ein Duzzend guter Jungens, so grad wie sie Gott erschaffen hat. Fuhr auf dem Wasser selbst auf und nieder, ich hab die Grille selbst fahren zu lernen. Spielte ein Paar Stunden Pharao und verträumte ein Paar mit guten Menschen. Und nun sizz ich dir gute Nacht zu sagen. Mir wars in all dem wie einer [Ratte die Gift gefressen] hat, sie läuft in alle Löcher, schlurpft alle Feuchtigkeit, verschlingt alles Essbaare das ihr in Weeg kommt und ihr innerstes glüht von unauslöschlich verderblichem Feuer. Heut vor acht Tagen [war Lili hier]. Und in dieser Stunde war ich in der grausamst feyerlichst süsesten Lage meines ganzen Lebens |: mögt ich sagen :| O Gustgen warum kann ich nichts davon sagen! Warum! Wie ich durch die glühendsten Trähnen der Liebe, Mond und Welt schaute und mich alles seelenvoll umgab. Und in der Ferne die Waldhorn, und der Hochzeit Gäste laute Freuden. Gustgen auch seit dem Wetter bin ich — nicht ruhig aber still — was bey mir still heisst und fürchte nur wieder ein Gewitter das sich immer in den harmlosesten Tagen zusammenzieht, und — Gute Nacht Engel. Einzigstes Einzigstes Mädgen — und ich kenne ihrer Viele — — —

Montag d. 18. Mein Schiffgen steht bereit, ich werds gleich hinunter lencken. Ein herrlicher Morgen, der Nebel ist gefallen alles frisch und herrlich umher! — Und ich wieder in die Stadt, wieder ans Sieb der Danaiden! Ade! — Ich hab einen offnen frischen Morgen! O Gustgen! Wird mein Herz endlich einmal in ergreifendem wahren Genuss und Leiden, die Seeligkeit die Menschen gegönnt ward, empfinden, und nicht immer auf den Wogen der Einbildungskrafft und überspannten Sinnlichkeit, Himmel auf und Höllen ab getrieben werden. Beste ich bitte dich schreib mir auch so ein Tagbuch. Das ist das einzige was die ewige Ferne bezwingt. — — — — —

Montag Nacht halb zwölf. Franckf. an meinem Tisch. komme noch dir gute Nacht zu sagen. Hab getrieben und geschwärmt biss iezt. Morgen gehts noch ärger. O Liebste. Was ist das Leben des Menschen. Und doch wieder die vielen Guten die sich zu mir sammeln! — das viele Liebe das mich umgiebt — — —

Lili heut nach Tisch gesehn — in der Comödie gesehn. Hab kein Wort mit ihr zu reden gehabt — auch nichts geredt! — Wär ich das los. O Gustgen — und doch zittr' ich vor dem Augenblick da sie mir gleichgültig, ich hofnungslos werden könnte. — Aber ich bleib meinem Herzen treu, und lass es gehn — Es wird —