Der zehnte Brief

Könntest du mein Schweigen verstehen! Liebstes Gustgen! — Ich kann, ich kann nichts sagen!

Weimar d. 11. Febr. 76.

G.

[Der elfte Brief]

[Kranck] Gustgen! dem Todte nah! Gerettet liebster Engel, und das mir alles auf einmal — zu einer Zeit wo ich immer dachte warum schreibt Gustgen nicht? Ist sie nicht mehr wie sonst, hat ihr [Stella] nicht gezeugt dass ich ihr Alter bin, obschon ich nicht schreibe, denn wie ich iezt lebe — Ach Engel es ist Lästrung wenn ich mit dir rede! ich will lieber gar nicht beten als mit fremden Gedancken gemischt — Auch dies schreib ich in des Herzogs Zimmer den ich fast nicht verlasse. Mein Herz mein Kopf — ich weis nicht wo ich anfangen soll so tausendfach sind meine Verhältnisse und neu, und wechselnd aber gut — Gustgen nur Eine Zeile von deiner Hand, nur Ein Wort dass du auch mir wieder lebst. Adieu Liebe! Liebe. [Mittwoch nach Ostern] 76.

G.

[Der zwölfte Brief]

Ach Gustgen! Welcher Anblick! so viel von deiner Hand! — der ersehnten erflehten — noch heut Abend! — du Liebe nur dies! eh ich anfange zu lesen.

Und da ich gelesen habe eine solche gute Nacht wie sie der Himmel der Erde bietet! — Engel — Ja Gustgen Morgen fang ich dir ein Journal an! — [das ist alles was ich thun kann] — denn der Dir nicht schrieb bisher ist immer derselbe.