Alle Schmerzen die unendlichen ganz.

So sang ich neulich als ich tief in einer herrlichen Mondnacht aus dem Flusse stieg der vor meinem Garten durch die Wiesen fliest; und das bewahrheitet sich täglich an mir. Ich muss das Glück für meine Liebste erkennen, dafür schiert sie mich auch wieder wie ein geliebtes Weib. Den [Todt meiner Schwester] wirst du wissen. Mir geht in allem alles erwünscht, und leide allein um andre. Leb wohl grüse [Henrietten]! Ist das noch eine eurer Schwestern? oder [Christels] Frau? zwar sie hat der Brüder Handschrifft! Wenn ich einmal wieder ans Schreiben komme, will ich ia wol sehn ob ich dadrüber was sagen kan was sie will. Grüse die Brüder und behaltet mich lieb.

Weimar d. 17. Jul. 77.

Goethe.

[Der sechzehnte Brief]

Beste! heute nur ein Wort, und ein paar Lieder von mir, komponirt von einem lieben [Jungen], dem Fülle im Herzen ist. Hier auch ein Schattenriss von Klopstock. Die Lieder lassen Sie nicht abschreiben auch nicht die Melodien. Nächstens kriegen Sie mehr. Hier indess eine Grabschrifft.

Ich war ein Knabe warm und gut

Als Jüngling hatt ich frisches Blut

Versprach einst einen Mann

Gelitten hab ich u. geliebt