3.
„Ich kann in der Eile Ihnen, theurer Herr und Gönner, nichts schreiben als hundertfältigen Dank, für die Freundschaft und Güte, die Sie für mich und meinen lieben Konrad haben, an den ich mir die Freiheit nehme, einige Zeilen mit beizulegen, und Ihnen zu melden, daß ich jetzt nach Wiswyll hinaus reisen soll, wo ich brav werde Bewegung machen können, mit der Jagd und Feldarbeit. Ich bin so voller Freude über so viele glückliche Sachen, die alle nach meines Herzens Wunsch ausgeschlagen sind, daß ich für Freude nichts Rechtes zu sagen weiß, als Sie zu bitten, daß Sie doch so gütig sind und Ihr Versprechen erfüllen, dem ehrlichen Konrad für Sie Arbeit zu geben, weil es mir nicht genug ist, wenn er bei Ihrem Meister Schuhmacher ist, und nicht auch für Sie arbeitet. Verzeihen Sie meine Dreistigkeit, ich bitte doch um Nachricht von Ihnen und Ihrer Familie, auch nach Wiswyll. Zwar ist der Herr Hofrath jetzt nach Frankfurt verreist; der Konrad wird mir aber Ihr Briefchen schon durch seinen Vater zuschicken: ich werde wohl einige Zeit ausbleiben. Hunderttausend Grüße Ihrer Frau Gemahlin und sämmtlichen Angehörigen.
Ihr gehorsamer Freund und Diener
Lenz.“
4.
„Eben jetzt, theurer Gönner, erhalte ich noch den Brief von Konrad zu dem Ihrigen und muß hunderttausend Dank wiederholen, daß Sie so gütig sind, und für uns beide so viel Sorge tragen, und sich auch nach mir erkundigen wollen. Auch Herr Süß und seine Frau haben mir aufgetragen, Ihnen doch recht viele Danksagungen zu machen, für die Güte, die Sie für ihren Sohn gehabt, und daß der Herr Hofrath nach Frankfurt verreist sey, sonst würden sie es auch durch ihn haben thun lassen. Gott wolle Ihnen alles das auf andere Art wieder vergelten, was Sie mir für Freude gemacht haben. Ich habe jetzt auf lange Zeit genug an des Konrad’s Brief, den ich im Walde recht werde studiren können. Sagen Sie nur dem Konrad, er soll Wort halten und seine Eltern vor Augen haben, am meisten aber Sie, seinen Wohlthäter, und dann auch den Herrn Hofrath Sch., und dann auch mich, und meinen Zustand der Zeit her, daß es ihm nicht auch so ergehe, wenn er nicht folgt. Sey’n Sie hunderttausend Mal gegrüßt alle zusammen, nochmals von Ihrem gehorsamsten
Lenz.“
Lenz brachte, ehe er nach Emmendingen kam, einige Monate im obern Elsaße zu, bei dem ehrwürdigen Patriarchen des Thals, Pfarrer Luce, der durch seine lieblichen Beiträge im alsatischen Taschenbuche bekannt ist. In Kolmar erfreute er sich Pfeffel’s Umgang, und besuchte ihn öfters. Pfeffel schrieb, nachdem er durch Oberlin von jenen unglücklichen Verirrungen Nachricht erhalten hatte, an diesen: (25. Hornung 1778) „Lenz schrieb uns erst heute von Emmendingen aus, er habe eine weite Reise vor und wolle uns zuvor noch besuchen. Unser Mitleid für den armen Menschen übersteigt allen Ausdruck.“ In Freiburg verkehrte er mit Jakobi, dem er Beiträge für seine Iris lieferte.[15]
Der Wahnsinn des Unglücklichen hatte nach und nach eine mildere Gestalt angenommen und sich in stille Schwermuth verwandelt. Da aber an völlige Genesung nicht zu denken war, und er auch für jede ernste Beschäftigung und einen Beruf untauglich blieb, schrieben seine Freunde an seine Familie, sie möchte ihn zu sich nehmen. Sein älterer Bruder Karl Heinrich Gottlieb holte ihn daher im Sommer 1779 ab und brachte ihn in seine Heimath. Ein Brief desselben an Salzmann lautet also: