[III.]
Gedichte von Lenz,
welche in Tiecks Ausgabe von dessen Schriften fehlen.


Pygmalion.

An diesen Lippen, diesen Augen,
Die Welt vergessend, hinzuhangen,
Und aus den rosenrothen Wangen
Des Lebens Ueberfluß zu saugen;
An dieses Busens reiner Fülle,
Die Schmerzen meiner Brust zu wiegen
Und auf des Schooses Fried’ und Stille
Mit thränenmüdem Haupt zu liegen:
Das war mein Wunsch und ist mein Grämen,
Und soll mir doch kein Schicksal nehmen.

An Minna.

Geduld und unerschrockner Muth
Beseelen mein getreues Blut;
Ich fürcht’ mich nicht zu sterben.
Der Himmel kostet Leiden hier,
Ich leide froh, kann ich von dir
Mir einen Blick erwerben.

Nur du verdienst beglückt zu seyn;
Drum will ich gerne Gram und Pein
In meiner Brust verschließen.
Den Thränen will ich widerstehn;
Du Engel sollst sie niemals sehn
Auf meinen Wangen fließen.

Ach! traue deutscher Redlichkeit,
Die sich zu deinem Dienste weiht;
Und willst du sie belohnen,
So müße Tag und Nacht der Schmerz
Dir Freude seyn, und Lust und Scherz
Dein schönes Herz bewohnen.

Alsdann, mein Kind, ist alles gut,
Alsdann, so mag mein junges Blut
Für dich die Erden färben.
Es ist mir sonst nichts fürchterlich,
Als dich betrübt zu sehen, dich!
Viel sanfter thut’s zu sterben.

Drum fleh’ ich, heitre dein Gesicht,
Ich scheue Höll’ und Himmel nicht;
Bleibt mir dein Auge offen.
Wenn du vergnügt und glücklich bist,
Und stünd’ ich auf dem Richtgerüst,
So ist mein Ziel getroffen.