Und wär’ ich in der Sklaverey,
Und hätte nur den Trost dabey,
Für dich, für dich zu leiden,
Und wär’ ich jenseit überm Meer,
Und wüßt’, daß Minna glücklich wär’,
Doch wär’ ich zu beneiden!
Nur sie, nur sie muß glücklich seyn,
Nur sie, nur sie verdient’s allein,
Und gieng die Welt zu Grunde!
Ich selber mit! O wie so schön
Würd’ ich alsdann zu Grunde gehn!
Schlag bald, du schöne Stunde.
In einem Gärtchen am Contade[21],
nachdem der Verfasser im Flusse gebadet hatte.
Erlaube mir, du freundlichster der Wirte,
Du Bild der Gottheit! daß ich diese Myrte
Verflecht’ in dein verzoddelt Haar.
In deinem Gärtchen, das du selbst erzogen,
Sing’ ich, für dich, was Hunderte gelogen,
Beatus ille — und was Keiner war.
Für meine fünf zehn Sols, nehm’ ich die Stelle
Von dir auf eine Stunde ein.
Denn sieh’, ich komm’ aus Aganippens Quelle,
Und bin von jeder Sorge rein,
Von jeder Leidenschaft — in diesem Augenblicke
Schickt mich die Gottheit her, dir zuzusehn,
Ganz Herz, ganz Ader für dein Glücke,
Und find’ es unaussprechlich schön.
Das muß gesungen seyn. Da alles singet
In unsern Tagen, schwieg’ ich lang.
Die Freude, dacht’ ich, welche klinget,
Verliert sich schneller als ihr Klang.
Doch deine stille Lust die niemand neidet,
Die niemand fühlt, als du allein, und ich,
Wird die mit einem Lied’ umkleidet,
Erhöhet und verbessert sich.
Was hält mich ab dir dieses Lied zu zeigen?
Ach du verstehst es nicht. Doch zeig’ ich’s hier
Den Bäumen, die wie du ihr Glück verschweigen.
Heut’ Abend sitz hieher, dann rauschen sie es dir.
Die Geschichte auf der Aar.
Aus einem Briefe an Herrn Pf. Mäder in Mühlhausen, von Herrn Pf. Luce in Münster, vom 14. August 1806; im alsatischen Taschenbuch 1807.
„Sie haben vermuthlich den guten Lenz, Verfasser des Hofmeisters und anderer geistreichen Schriften, persönlich gekannt. Er hatte sich, in den siebziger Jahren, lange zu Straßburg aufgehalten, und war auch manchmal in unsere obern Gegenden gekommen. Einst nach meiner Zurückkunft von der Helvetischen Gesellschaft zu Olten, erzählte ich ihm die traurige Begebenheit, die einige Zeit vorher in jener Gegend vorgefallen war. Es verunglückte ein Schiff auf der Aar. Eine Bürgersfrau, die mit ihrem Manne ein Raub der Wellen geworden, ergriff ein Stück des zertrümmerten Schiffes und hielt sich an demselben über dem Wasser. Der Mann hatte sie beim Rocke gefaßt, und zog sie, durch die Last seines entnervten Körpers, beinahe ganz unter die Fluthen. — Ach! lieber Mann, rief sie in der Angst, wie schwer bist du! ich gehe zu Grunde! So lebe wohl, liebe Frau! sprach der Edle und sorge für unsere Kinder! — Den andern Morgen brachte mir Lenz diese rührende Geschichte in Versen, und erst die vorige Woche fand ich sein Manuscript wieder unter meinen Collectaneen. Bewundern Sie mit mir, mein Lieber, wie meisterhaft der Dichter den Gegenstand behandelt hat, und urtheilen Sie, ob sein Gedicht, da es gleichsam auf unserm Grund und Boden gewachsen ist, nicht verdiente, in einer vaterländischen Schrift aufgewahrt zu werden?“[22]