G.

18.

d. 14. Nov. 79.
Auf dem Gotthart bei den Capuzinern.

Eh wir absteigen dir einen guten Morgen l. Br.

Seit Genf haben wir das Thal Chamouny durchstrichen, sind von da ins Wallis gefallen habens aufwärts ganz durchzogen und sind endlich über die Furka hier angekommen. Mit dem preiswürdigsten Glücke durch die erhabensten Gegenden. Nun l. Br. gehts nach dir zu. Den 19. od. 20. bin ich bey dir, und so steht mir das liebste von der ganzen Reise noch vor. Mache mir ein Bett zurechte daß ich allenfalls bey dir übernachte. Grüs deine Frau und theile meine Freude.

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19.

Ich kann nicht weiter gehn ohne dir über eine Idee zu schreiben die mir sehr am Herzen liegt. Du weißt wie wichtig in vielem Betracht diese Reise dem Herzog gewesen ist, und wie gewiß eine neue Epoche seines und unsers Lebens sich davon anfängt. Wenn wir nach Hause kommen, so lebt er wieder in seinen Gärten und Gebüschen fort, dorthin an einen schönen Plaz möcht ich ihm ein Monument dieser glücklich vollbrachten Reise sezen, das ihm in guten Augenblicken eine fröhliche Erinnerung wäre. Es sind auch Nebenabsichten dabey. Ueberall spielt man iezt mit Monumenten und Urnen, deren leere Hälse und Bäuche ihm immer fatal gewesen sind. In den kleinen Anlagen die er gemacht hat, steht noch gar nichts dergleichen, dieses wär’ das erste und wahrhafftig wahre, denn wir haben unterwegs mancherley Anlaß gehabt, dem guten Glück einen Stein der Dankbarkeit zu wiedmen, und das ex voto ist keine blose Phrase. Wir haben bey uns einen Bildhauer, einen Mann von leichtem Begriff und schneller Hand, der sich täglich durch das Studium der Natur und der Antike bessert, dem es aber an Imagination fehlt, und der wenn man ihm so was überläßt, wie andere seines gleichen in den neuen, leeren Decorations Gusto verfällt. Zu diesem Monument habe ich in meinem Kopf allerley Gedanken und Bilder herum getrieben, und mir etwas, was ich durch die Künstler die um mich sind, könnte zusammen posseln lassen herbey gesucht, doch seh’ ich zum Voraus, es wird eine Plakerei geben, und am Ende doch was Schwaches und Halbes herauskommen. Immer, seitdem mich der Gedanke beschäfftigt, habe ich gewünscht: du möchtest Füeßly bereden können, daß er aus seinem ungeheuren Reichthum etwas zu diesem guten Werke herüber gäbe! das ist der einzige Weeg, wenn alsdann unser Bildhauer nicht ganz von Gott verlassen ist, daß wir etwas auserordentliches und wills Gott vollkommenes kriegen können.

Mein erster Gedanke war so: Ich wollte dem Monument eine viereckigte Form geben, etwas höher als breit, wie man in den alten Ueberbleibseln dergleichen Steine mit einem eingekerbten Dach findet. Von drey Seiten sollte iede eine einzelne bedeutende Figur, und die vierte eine Innschrifft haben.

Zuförderst sollte das gute heilsame Glück stehen, durch das die Schlachten gewonnen und die Schiffe regiert werden, günstigen Wind im Naken, die launische Freundinn und Belohnerin kecker Unternehmungen mit Steuerruder und Kranz; im Felde zur Rechten hatte ich mir den Genius, den Antreiber, Wegmacher, Wegweiser, Fakelträger muthigen Schrittes gedacht. In dem Felde zur Linken sollte Terminus, der ruhige Grenzbeschreiber, der bedächtige, mäsige Rathgeber stillstehend mit dem Schlangenstabe einen Gränzstein bezeichnen — Jener lebend rührig vordringend, dieser ruhend sanft, in sich gekehrt, zwey Söhne einer Mutter — der ältere iener, der iüngere dieser. Das hinterste Feld hatte die Innschrifft: