W. d. 29. Jul. 82

G.

40.

Lieber Bruder. Knebel liebt dich so zärtlich als man kan, und nimmt weit nähern Antheil an den zartgesponnenen Saiten deines Wesens als mir selbst, bey meiner rohern Natur nicht gegeben ist. Er hat mir zuerst nach seiner Rückkunft mit sehr treffender Wahrheit verschiedene Dinge an dir, mit denen ich nicht recht stimmen kan, so schön zurecht gelegt, daß ich seit der Zeit inniger mit dir bin als iemals — und seine theilnehmende Seele hat mir zu Beobachtung vieler Schattirungen in dir geholfen; der ich mir selbst überlassen gewisse Strahlenbrechungen zu starck und andere zuwenig sehe.

Wenn dir recht ist was ich dir hier sende, so fahr ich fort; ich muß meinen Ton halten, unsre beyde zu vermischen geht nicht, aber so nach einander mags seine Würkung thun. Gott erhalte dich.

Ich bin dein immer bewegter, im höchsten und niedrigsten, in Weisheit und Thorheit umgetriebener

den 23. Aug. 82.

G.

41.

Weimar den 4. Oktober 1782.