Frankfurt den 2. Jenner
1775.
Ew. Hochedelgeb.
ganz ergebensten Diener
Goethe.
Frankfurt den 14. Hornung 1775.
Ihr leztes geehrtes Schreiben habe durch Herrn Jonas richtig erhalten, wie auch gestern die Probebogen die ich sogleich weiter spediren werde. Wegen der Vignetten hab ich schon an Lavatern geschrieben. Der Judas nach Holbein ist nicht Vignette sondern große Platte, und ich glaube zuverläßig der Christus auch, ob ich ihn gleich noch nicht gesehn habe, doch das sollen Sie mit einander hören. Vielleicht hat Ihnen Herr Jonas geschrieben was wir auf ihr leztes vor das erste vorgekehrt. Da das Bücher-Commissariat eine förmliche Anzeige verlangt, so wird solche der Herr Bruder in Büdingen verfertigen, worinne die Darlegung des vierten und fünften Theils Gellertischer Schrifften, den klarsten und einfachsten Beweis gebrochener Kayserl. allerhochster Verfügung abgiebt, da ich denn gerathen habe, dass man von der Commission ein Requisitionschreiben an den Magistrat verlangen soll, wordurch derselbige in Obliegenheit gesezt wird wenigstens vorerst gegen den Schiller zu verfahren. Was die Niederlage der Sächsischen Bücher allhier betrifft, sehe ich die Sache zu wenig ein, als dass ich eine gegründete Meinung darüber fassen könnte, schweer würde es immer seyn einen Buchhändler dazu zu finden und zu engagiren. Was ich in dieser Sache dienen kann werd ich mit viel Vergnügen thun. Belieben Sie mich nur mit gefälliger Nachricht und Weisung zu versehen.
Mit der gestrigen Post sind abermals Zugaben zu dem neunten Phisiognomischen Fragmente an Sie abgegangen, wobei zugleich ein Einschluß an Hrn. Prof. Oeser ist den ich gütig abzugeben bitte.
Goethe Dr.
Ich bitte Sie lieber Hr. Reich mir unschweer zu melden, wie lange Zeit ich habe biss ich wieder etwas Manuscript zu schicken brauche — die Ursache ist die — Aus Lavaters Hand liegt nun alles fertig bey mir, aber ich möchte noch einige Zugaben machen, woran ich würcklich angefangen habe — Indessen kann alles wenns seyn muss stündlich an Sie abgehn. Leben Sie recht wohl.
Erfurt d. 28. May 1775.
G.
Das noch zu Beendung des XXII Fragments abgehende Blat sende nächstens. Bitte mir zu melden wie viel Bogen abgedruckt sein und wieweit Sie mit dem Mspt. kommen sind. Ich habe noch sehr viel in Händen und fürchte der zweyte Theil möge zu starck werden.