Ihr gehorsamer Freund und Diener
Lenz.“
4.
„Eben jetzt, theurer Gönner, erhalte ich noch den Brief von Konrad zu dem Ihrigen und muß hunderttausend Dank wiederholen, daß Sie so gütig sind, und für uns beide so viel Sorge tragen, und sich auch nach mir erkundigen wollen. Auch Herr Süß und seine Frau haben mir aufgetragen, Ihnen doch recht viele Danksagungen zu machen, für die Güte, die Sie für ihren Sohn gehabt, und daß der Herr Hofrath nach Frankfurt verreist sey, sonst würden sie es auch durch ihn haben thun lassen. Gott wolle Ihnen alles das auf andere Art wieder vergelten, was Sie mir für Freude gemacht haben. Ich habe jetzt auf lange Zeit genug an des Konrad’s Brief, den ich im Walde recht werde studiren können. Sagen Sie nur dem Konrad, er soll Wort halten und seine Eltern vor Augen haben, am meisten aber Sie, seinen Wohlthäter, und dann auch den Herrn Hofrath Sch., und dann auch mich, und meinen Zustand der Zeit her, daß es ihm nicht auch so ergehe, wenn er nicht folgt. Sey’n Sie hunderttausend Mal gegrüßt alle zusammen, nochmals von Ihrem gehorsamsten
Lenz.“
Lenz brachte, ehe er nach Emmendingen kam, einige Monate im obern Elsaße zu, bei dem ehrwürdigen Patriarchen des Thals, Pfarrer Luce, der durch seine lieblichen Beiträge im alsatischen Taschenbuche bekannt ist. In Kolmar erfreute er sich Pfeffel ’s Umgang, und besuchte ihn öfters. Pfeffel schrieb, nachdem er durch Oberlin von jenen unglücklichen Verirrungen Nachricht erhalten hatte, an diesen: (25. Hornung 1778) „ Lenz schrieb uns erst heute von Emmendingen aus, er habe eine weite Reise vor und wolle uns zuvor noch besuchen. Unser Mitleid für den armen Menschen übersteigt allen Ausdruck.“ In Freiburg verkehrte er mit Jakobi, dem er Beiträge für seine Iris lieferte.[15]
Der Wahnsinn des Unglücklichen hatte nach und nach eine mildere Gestalt angenommen und sich in stille Schwermuth verwandelt. Da aber an völlige Genesung nicht zu denken war, und er auch für jede ernste Beschäftigung und einen Beruf untauglich blieb, schrieben seine Freunde an seine Familie, sie möchte ihn zu sich nehmen. Sein älterer Bruder Karl Heinrich Gottlieb holte ihn daher im Sommer 1779 ab und brachte ihn in seine Heimath. Ein Brief desselben an Salzmann lautet also:
Erfurt, den 3. Julius 1779.
„Ich hoffe in der gemachten und mir sehr schmeichelhaften Bekanntschaft mit Ihnen, schon dahin gekommen zu seyn, daß Sie, wegen der bisherigen Nichterfüllung meines Versprechens keine große Entschuldigung erwarten, oder gar mich einer vorsätzlichen Nachlässigkeit hierin fähig halten werden. Kurz gesagt, so war es die große Eilfertigkeit meiner Rückreise und die beständige Gegenwart meines Bruders, die mich bisher dieser Beruhigung beraubt haben, Ihnen die Versicherungen meiner Hochachtung und Ergebenheit wiederholen zu können.
Ich habe meinen Bruder aus Hertingen (an den Gränzen der Schweiz und nur drei Stunden von Basel) abholen müssen. Von jener Scene, da ich ihn nach eilf Jahren wieder gesehen, da er stumm seine Freude blicken ließ — lassen Sie mich nichts sagen, weil sie nur gefühlt werden kann. Ich fand ihn, bis auf eine unglaubliche Schüchternheit, völlig wieder hergestellt, und auch diese verliert sich von Zeit zu Zeit. Straßburg mußte ich mit ihm vermeiden, so leid es mir auch that. Die Reise scheint ihm sehr zuträglich zu seyn, und ich hoffe, daß vaterländische Luft und geschwisterliche Pflege das Letzte zu seiner völligen Genesung beitragen werden. Er läßt sich Ihnen bestens empfehlen und hofft nächstens selbst zu schreiben. — Unsere Reise geht gegenwärtig, so schleunig als möglich, nach Lübeck zu, um von dort aus noch zeitig in die See gehen zu können.