Ueberaus angenehm würde es mir seyn, wenn ich mich einer gütigen Antwort, unter beiliegender Adresse nach Jena, schmeicheln dürfte: der benannte Freund wird mir selbige allemal zuzustellen wissen.
Den Herren Simon und Schweighäuser[16] bitte ich ergebenst gelegentlich die besten Komplimente zu machen. Die Zeit ist mir dießmal zu kurz, ihnen für die bewiesene gütige Freundschaft schriftlich Dank sagen zu können.
Leben Sie wohl! und trauen den Versicherungen meiner aufrichtigen Hochachtung und Ergebenheit.
Carl Heinrich Gottlob Lenz.“
Lenz starb in Moskau, nicht, wie Tieck vermuthet[17], bald nach 1780, sondern erst den 24. Mai 1792. „Er starb,“ heißt es in der allgemeinen Literaturzeitung (1792, Intelligenzblatt Nr. 99) „von Wenigen betrauert, und von Keinem vermißt. Dieser unglückliche Gelehrte, den in der Mitte der schönsten Geisteslaufbahn eine Gemüthskrankheit aufhielt, die seine Kraft lähmte und den Flug seines Genie’s hemmte, der demselben wenigstens eine unordentliche Richtung gab, verlebte den besten Theil seines Lebens in nutzloser Geschäftigkeit ohne eigentliche Bestimmung. Von Allen verkannt, gegen Mangel und Dürftigkeit kämpfend, entfernt von allem, was ihm theuer war, verlor er doch nie das Gefühl seines Werthes; sein Stolz wurde durch unzählige Demüthigungen noch mehr gereizt, und artete endlich in jenen Trotz aus, der gewöhnlich der Gefährte der edeln Armuth ist. Er lebte von Almosen, aber er nahm nicht von Jedem Wohlthaten an, und wurde beleidigt, wenn man ihm ungefordert Geld oder Unterstützung anbot, da doch seine Gestalt und sein ganzes Aeußere die dringendste Aufforderung zu Wohlthätigkeit waren. Er wurde auf Kosten eines großmüthigen russischen Edelmannes, in dessen Hause er auch lange Zeit lebte, begraben.“
II.
Briefe von Lenz
an den Aktuar Salzmann,
aus den Jahren 1772 und 1776.
Aus Salzmann’s literarischem Nachlasse.
(Straßb. Stadtbibliothek.)
1.
Fort-Louis, den 3. Juni 1772.