Baron.
Es sind einige Unruhen im Lande.
Gräfin. Es wird nichts zu bedeuten haben, wenn man sich nur vernünftig gegen die Menschen beträgt und ihnen ihren wahren Vorteil zeigt.
Friederike.
Unruhen? Wer will Unruhen anfangen?
Baron. Missvergnügte Bauern, die von ihren Herrschaften gedruckt werden, und die leicht Anführer finden.
Friederike. Die muss man auf den Kopf schießen. (Sie macht Bewegungen mit der Flinte.) Sehen Sie, gnädige Mama, wie mir der Magister die Flinte verwahrlost hat! Ich wollte sie doch mitnehmen, und da Sie es nicht erlaubten, wollte ich sie dem Jäger aufzuheben geben. Da bat mich der Graurock so inständig, sie ihm zu lassen: Sie sei so leicht, sagt' er, so bequem, er wolle sie so gut halten, er wolle so oft auf die Jagd gehen. Ich ward ihm wirklich gut, weil er so oft auf die Jagd gehen wollte, und nun, sehen Sie, find' ich sie heute in der Gesindestube hinterm Ofen. Wie das aussieht! Sie wird in meinem Leben nicht wieder rein.
Baron.
Er hatte die Zeit her mehr zu tun; er arbeitet mit an der allgemeinen
Gleichheit, und da hält er wahrscheinlich die Hasen auch mit für
seinesgleichen und scheut sich, ihnen was zuleide zu tun.
Gräfin.
Zieht euch an, Kinder, damit wir nicht zu warten brauchen. Sobald der
Hofrat kommt, wollen wir essen. (Ab.)
Friederike (ihre Flinte besehend). Ich habe die französische Revolution schon so oft verwünscht, und jetzt tu' ich's doppelt und dreifach. Wie kann mir nun der Schaden ersetzt werden, dass meine Flinte rostig ist?
Dritter Aufzug
Erster Auftritt
(Saal im Schlosse.)