Hofmeisterin.
Und gönnt ihr dieser köstlichen Natur
Vom Fürstenblute nicht das Glück des Rechts?

Sekretär.
Geliebte, Teure! Sprichst du doch so leicht,
Durch diese Mauern von der Welt geschieden,
In klösterlichem sinne von dem Wert
Der Erdengüter. Blicke nur hinaus!
Dort wägt man besser solchen edlen Schatz.
Der Vater neidet ihn dem Sohn, der Sohn
Berechnet seines Vaters Jahre, Brüder
Entzweit ein ungewisses Recht auf Tod
Und Leben. Selbst der Geistliche vergisst,
Wohin er streben soll, und strebt nach Gold.
Verdächte man's dem Prinzen, der sich stets
Als einz'gen Sohn gefühlt, wenn er sich nun
Die Schwester nicht gefallen lassen will,
Die, eingedrungen, ihm das Erbteil schmälert?
Man stelle sich an seinen Platz und richte.

Hofmeisterin.
Und ist er nicht schon jetzt ein reicher Fürst?
Und wird er's nicht durch seines Vaters Tod
Zum Übermaß? Wie wär' ein Teil der Güter
So köstlich angelegt, wenn er dafür
Die holde Schwester zu gewinnen wüsste!

Sekretär.
Willkürlich handeln ist des Reichen Glück!
Er widerspricht der Fordrung der Natur,
Der Stimme des Gesetzes, der Vernunft,
Und spendet an den Zufall seine Gaben.
Genug besitzen hieße darben. Alles
Bedürfte man! Unendlicher Verschwendung
Sind ungemessne Güter wünschenswert.
Hier denke nicht zu raten, nicht zu mildern;
Kannst du mit uns nicht wirken, gib uns auf!

Hofmeisterin.
Und was denn wirken? Lange droht ihr schon
Von fern dem Glück des liebenswürd'gen Kindes.
Was habt ihr denn in eurem furchtbarn Rat
Beschlossen über sie? Verlangt ihr etwa,
Dass ich mich blind zu eurer Tat geselle?

Sekretär.
Mitnichten! Hören kannst und sollst du gleich,
Was zu beginnen, was von dir zu fordern
Wir selbst genötigt sind. Eugenien
Sollst du entführen! Sie muss dergestalt
Auf einmal aus der Welt verschwinden, dass
Wir sie getrost als tot beweinen können;
Verborgen muss ihr künftiges Geschick,
Wie das Geschick der Toten, ewig bleiben.

Hofmeisterin.
Lebendig weiht ihr sie dem Grabe, mich
Bestimmt ihr tückisch zur Begleiterin.
Mich stoßt ihr mit hinab. Ich soll mit ihr,
Mit der Verratnen die Verräterin,
Der Toten Schicksal vor dem Tode teilen.

Sekretär.
Du führst sie hin und kehrest gleich zurück.

Hofmeisterin.
Soll sie im Kloster ihre Tage schließen?

Sekretär.
Im Kloster nicht; wir mögen solch ein Pfand
Der Geistlichkeit nicht anvertrauen, die
Es leicht als Werkzeug gegen uns gebrauchte.