Hofmeisterin.
So soll sie nach den Inseln? Sprich es aus.

Sekretär.
Du wirst's vernehmen! Jetzt beruh'ge dich.

Hofmeisterin.
Wie kann ich ruhen bei Gefahr und Not,
Die meinen Liebling, die mich selbst bedräut?

Sekretär.
Dein Liebling kann auch drüben glücklich sein,
Und dich erwarten hier Genuss und Wonne.

Hofmeisterin.
O schmeichelt euch mit solcher Hoffnung nicht.
Was hilft's, in mich zu stürmen? Zum Verbrechen
Mich anzulocken, mich zu drängen? Sie,
Das hohe Kind, wird euren Plan vereiteln.
Gedenkt nur nicht, sie als geduld'ges Opfer
Gefahrlos wegzuschleppen. Dieser Geist,
Der mutvoll sie beseelt, ererbte Kraft
Begleiten sie, wohin sie geht, zerreißen
Das falsche Netz, womit ihr sie umgabt.

Sekretär.
Sie festzuhalten, das gelinge dir!
Willst du mich überreden, dass ein Kind,
Bisher im sanften Arm des Glücks gewiegt,
Im unverhofften Fall Besonnenheit
Und Kraft, Geschick und Klugheit zeigen werde?
Gebildet ist ihr Geist, doch nicht zur Tat,
Und wenn sie richtig fühlt und weise spricht,
So fehlt noch viel, dass sie gemessen handle.
Des Unerfahrnen hoher, freier Mut
Verliert sich leicht in Feigheit und Verzweiflung,
Wenn sich die Not ihm gegenüberstellt.
Was wir gesonnen, führe du es aus!
Klein wird das Übel werden, groß das Glück.

Hofmeisterin.
So gebt mir Zeit, zu prüfen und zu wählen!

Sekretär.
Der Augenblick des Handelns drängt uns schon.
Der Herzog scheint gewiss, dass ihm der König
Am nächsten Fest die hohe Gunst gewähren
Und seine Tochter anerkennen wolle;
Denn Kleider und Juwelen stehn bereit,
Im prächt'gen Kasten sämtlich eingeschlossen,
Wozu er selbst die Schlüssel wohl verwahrt
Und ein Geheimnis zu verwahren glaubt;
Wir aber wissen's wohl und sind gerüstet;
Geschehen muss nun schnell das Überlegte.
Heut Abend hörst du mehr. Nun lebe wohl!

Hofmeisterin.
Auf düstern Wegen wirkt ihr tückisch fort
Und wähnet, euren Vorteil klar zu sehen.
Habt ihr denn jeder Ahnung euch verschlossen,
Dass über Schuld und Unschuld, Licht verbreitend,
Ein rettend, rächend Wesen göttlich schwebt?

Sekretär.
Wer wagt, ein Herrschendes zu leugnen, das
Sich vorbehält, den Ausgang unsrer Taten
Nach seinem einz'gen Willen zu bestimmen?
Doch wer hat sich zu seinem hohen Rat
Gesellen dürfen? Wer Gesetz und Regel,
Wonach es ordnend spricht, erkennen mögen?
Verstand empfingen wir, uns mündig selbst
Im ird'schen Element zurecht zu finden,
Und was uns nützt, ist unser höchstes Recht.