Welch köstliches Gewand entwickelt sich,
Indem ich's nur berühre, meinem Blick.
Und diese Spiegel! Fordern sie nicht gleich,
Das Mädchen und den Schmuck vereint zu schildern?
Hofmeisterin.
Kreusas tödliches Gewand entfaltet,
So scheint es mir, sich unter meiner Hand.
Eugenie.
Wie schwebt ein solcher Trübsinn dir ums Haupt?
Denk' an beglückter Bräute frohes Fest.
Komm! Reiche mir die Teile, nach und nach.
Das Unterkleid! Wie reich und süß durchflimmert
Sich rein des Silbers und der Farben Blitz.
Hofmeisterin (indem sie Eugenie das Gewand umlegt).
Verbirgt sich je der Gnade Sonnenblick,
Sogleich ermattet solch ein Widerglanz.
Eugenie.
Ein treues Herz verdient sich diesen Blick,
Und, wenn er weichen wollte, zieht's ihn an.—
Das Oberkleid, das goldne, schlage drüber,
Die Schleppe ziehe, weit verbreitet, nach.
Auch diesem Gold ist, mit Geschmack und Wahl,
Der Blumen Schmelz metallisch aufgebrämt.
Und tret' ich so nicht schön umgeben auf?
Hofmeisterin.
Doch wird von Kennern mehr die Schönheit selbst
In ihrer eignen Herrlichkeit verehrt.
Eugenie.
Das einfach Schöne soll der Kenner schätzen;
Verziertes aber spricht der Menge zu.—
Nun leihe mir der Perlen sanftes Licht,
Auch der Juwelen leuchtende Gewalt.
Hofmeisterin.
Doch deinem Herzen, deinem Geist genügt
Nur eigner, innrer Wert und nicht der Schein.
Eugenie.
Der Schein, was ist er, dem das Wesen fehlt?
Das Wesen, wär' es, wenn es nicht erschiene?
Hofmeisterin.
Und hast du nicht in diesen Mauern selbst
Der Jugend ungetrübte Zeit verlebt?
Am Busen deiner Liebenden, entzückt,
Verborgner Wonne Seligkeit erfahren?