Herzog.
O lass mich ungerecht auf andre zürnen,
Dass ich mich nicht verzweifelnd selbst zerreiße!
Wohl trag' ich selbst die Schuld und trag' sie schwer.
Denn rief ich nicht mit törigem Beginnen
Gefahr und Tod auf dieses teure Haupt?
Sie überall zu sehn als Meisterin,
Das war mein Stolz! Zu teuer büß' ich ihn.
Zu Pferde sollte sie, im Wagen sie,
Die Rosse bändigend, als Heldin glänzen.
Ins Wasser tauchend, schwimmend schien sie mir
Den Elementen göttlich zu gebieten.
So, hieß es, kann sie jeglicher Gefahr
Dereinst entgehen. Statt sie zu bewahren,
Gibt Übung zur Gefahr den Tod ihr nun.
Sekretär.
Des edlen Pflichtgefühles Übung gibt,
Ach! Unsrer Unvergesslichen den Tod.
Herzog.
Erkläre dich!
Sekretär.
Und weck' ich diesen Schmerz
Durch Schildrung kindlich edlen Unternehmens?
Ihr alter, erster, hoch geliebter Freund
Und Lehrer wohnt, von dieser Stadt entfernt,
Verschränkt in Trübsinn, Krankheit, Menschenhass.
Nur sie allein vermocht' ihn zu erheitern;
Als Leidenschaft empfand sie diese Pflicht;
Nur allzu oft verlangte sie hinüber,
Und oft versagte man's. Nun hatte sie's
Planmäßig angelegt; sie nutzte kühn
Des Morgenrittes abgemessne Stunden
Mit ungeheurer Schnelligkeit zum Zweck,
Den alten, viel geliebten Mann zu sehn.
Ein einz'ger Reitknecht nur war im Geheimnis,
Er unterlegt' ihr jedes Mal das Pferd,
Wie wir vermuten; denn auch er ist fort.
Der arme Mensch und jene Frau verloren
Aus Furcht vor dir sich in die weite Welt.
Herzog.
Die Glücklichen, die noch zu fürchten haben,
Bei denen sich der Schmerz um ihres Herrn
Verlornes Heil in leicht verwundene,
In leicht gehobne Bangigkeit verwandelt!
Ich habe nichts zu fürchten! Nichts zu hoffen!
Drum lass mich alles wissen; zeige mir
Den kleinsten Umstand an! Ich bin gefasst.
Dritter Auftritt
Herzog. Sekretär. Weltgeistlicher.
Sekretär.
Auf diesen Augenblick, verehrter Fürst,
Hab' ich hier einen Mann zurückgehalten,
Der, auch gebeugt, vor deinem Blick erscheint.
Es ist der Geistliche, der aus der Hand
Des Todes deine Tochter aufgenommen,
Und sie, da keiner Hilfe Trost sich zeigte,
Mit liebevoller Sorgfalt beigesetzt.
Vierter Auftritt
Herzog. Weltgeistlicher.
Weltgeistlicher.
Den Wunsch, vor deinem Antlitz zu erscheinen,
Erhabner Fürst, wie lebhaft hegt' ich ihn!
Nun wird er mir gewährt im Augenblick,
Der dich und mich in tiefen Jammer senkt.
Herzog.
Auch so willkommen, unwillkommner Bote!
Du hast sie noch gesehn, den letzten Blick,
Den sehnsuchtsvollen, dir ins Herz gefasst,
Das letzte Wort bedächtig aufgenommen,
Dem letzten Seufzer Mitgefühl erwidert.
O sage: Sprach sie noch? Was sprach sie aus?
Gedachte sie des Vaters? Bringst du mir
Von ihrem Mund ein herzlich Lebewohl?