Weltgeistlicher.
Willkommen scheint ein unwillkommner Bote,
Solang er schweigt und noch der Hoffnung Raum,
Der Täuschung Raum in unserm Herzen gibt.
Der ausgesprochne Jammer ist verhasst.
Herzog.
Was zauderst du? Was kann ich mehr erfahren?
Sie ist dahin! Und diesen Augenblick
Ist über ihrem Sarge Ruh' und Stille.
Was sie auch litt, es ist für sie vorbei,
Für mich beginnt es; aber rede nur!
Weltgeistlicher.
Ein allgemeines Übel ist der Tod.
So denke dir das Schicksal deiner Toten,
Und finster wie des Grabes Nacht verstumme
Der Übergang, der sie hinabgeführt.
Nicht jeden leitet ein gelinder Gang
Unmerklich in das stille Reich der Schatten.
Gewaltsam schmerzlich reißt Zerstörung oft
Durch Höllenqualen in die Ruhe hin.
Herzog.
So hat sie viel gelitten?
Weltgeistlicher.
Viel, nicht lange.
Herzog.
Es war ein Augenblick, in dem sie litt,
Ein Augenblick, wo sie um Hilfe rief.
Und ich? Wo war ich da? Welch ein Geschäft,
Welch ein Vergnügen hatte mich gefesselt?
Verkündigte mir nichts das Schreckliche,
Das mir das Leben voneinander riss?
Ich hörte nicht den Schrei, ich fühlte nicht
Den Unfall, der mich ohne Rettung traf.
Der Ahnung heil'ges, fernes Mitgefühl
Ist nur ein Märchen. Sinnlich und verstockt,
Ins Gegenwärtige verschlossen, fühlt
Der Mensch das nächste Wohl, das nächste Weh,
Und Liebe selbst ist in der Ferne taub.
Weltgeistlicher.
Soviel auch Worte gelten, fühl' ich doch,
Wie wenig sie zum Troste wirken können.
Herzog.
Das Wort verwundet leichter, als es heilt.
Und ewig wiederholend strebt vergebens
Verlornes Glück der Kummer herzustellen.
So war denn keine Hilfe, keine Kunst
Vermögend, sie ins Leben aufzurufen?
Was hast du, sage mir, begonnen? Was
Zu ihrem Heil versucht? Du hast gewiss
Nichts unbedacht gelassen.
Weltgeistlicher.
Leider war
Nichts zu bedenken mehr, als ich sie fand.
Herzog.
Und soll ich ihres Lebens holde Kraft
Auf ewig missen! Lass mich meinen schmerz
Durch meinen Schmerz betrügen, diese Reste
Verewigen. O komm! Wo liegen sie?