Weltgeistlicher.
In würdiger Kapelle steht ihr Sarg
Allein verwahrt. Ich sehe vom Altar
Durchs Gitter jedes Mal die Stätte, will
Für sie, solang ich lebe, betend flehen.
Herzog.
O komm und führe mich dahin! Begleiten
Soll uns der Ärzte viel erfahrenster.
Lass uns den schönen Körper der Verwesung
Entreißen! Lass mit edlen Spezereien
Das unschätzbare Bild zusammenhalten!
Ja! Die Atomen alle, die sich einst
Zur köstlichen Gestalt versammelten,
Sie sollen nicht ins Element zurück.
Weltgeistlicher.
Was darf ich sagen? Muss ich dir bekennen!
Du kannst nicht hin! Ach! Das zerstörte Bild!
Kein Fremder säh' es ohne Jammer an!
Und vor die Augen eines Vaters—Nein,
Verhüt' es Gott! Du darfst sie nicht erblicken.
Herzog.
Welch neuer Qualenkrampf bedroht mich!
Weltgeistlicher.
O lass mich schweigen, dass nicht meine Worte
Auch die Erinnrung der Verlornen schänden!
Lass mich verhehlen, wie sie durchs Gebüsch,
Durch Felsen hergeschleift, entstellt und blutig,
Zerrissen und zerschmettert und zerbrochen,
Unkenntlich, mir im Arm zur Erde hing.
Da segnet' ich, von Tränen überfließend,
Der Stunde Heil, in der ich feierlich
Dem holden Vaternamen einst entsagt.
Herzog.
Du bist nicht Vater! Bist der selbstischen
Verstockten, der Verkehrten einer, die
Ihr abgeschlossnes Wesen unfruchtbar
Verzweifeln lässt. Entferne dich! Verhasst
Erscheinet mir dein Anblick.
Weltgeistlicher.
Fühlt' ich's doch!
Wer kann dem Boten solcher Not verzeihn?
(Will sich entfernen.)
Herzog.
Vergib und bleib. Ein schön entworfnes Bild,
Das wunderbar dich selbst zum zweiten Mal
Vor deinen Augen zu erschaffen strebt,
Hast du entzückt es jemals angestaunt?
O hättest du's! Du hättest diese Form,
Die sich zu meinem Glück, zur Lust der Welt
In tausendfält'gen Zügen auferbaut,
Mir grausam nicht zerstümmelt, mir die Wonne
Der traurigen Erinnrung nicht verkümmert.
Weltgeistlicher.
Was sollt' ich tun? Dich zu dem Sarge führen,
Den tausend fremde Tränen schon benetzt,
Als ich das morsche, schlotternde Gebein
Zu ruhiger Verwesung eingeweiht?