Hofmeisterin.
Ich sehe, die Äbtissin steigt, begleitet
Von zwei der Ihren, zu dem Platz herab;
Auch sie ist jung, von hohem Haus entsprossen;
Entdeck' ihr deinen Wunsch, ich hindr' es nicht.
Vierter Auftritt
Die Vorigen. Äbtissin. Zwei Nonnen.
Eugenie.
Betäubt, verworren, mit mir selbst entzweit
Und mit der Welt, verehrte heil'ge Jungfrau,
Siehst du mich hier. Die Angst des Augenblicks,
Die Sorge für die Zukunft treiben mich
In deine Gegenwart, in der ich Lindrung
Des ungeheuren Übels hoffen darf.
Äbtissin.
Wenn Ruhe, wenn Besonnenheit und Friede
Mit Gott und unserm eigenen Herzen sich
Mitteilen lässt, so soll es, edle Fremde,
Nicht fehlen an der Lehre treuem Wort,
Dir einzuflößen, was der Meinen Glück
Und meins für heut' sowie auf ewig fördert.
Eugenie.
Unendlich ist mein Übel, schwerlich möcht'
Es durch der Worte göttliche Gewalt
Sogleich zu heilen sein. O nimm mich auf
Und lass mich weilen, wo du weilst, mich erst
In Tränen lösen diese Bangigkeit
Und mein erleichtert Herz dem Troste weihen!
Äbtissin.
Wohl hab' ich oft im heiligen Bezirk
Der Erde Tränen sich in göttlich Lächeln
Verwandeln sehn, in himmlisches Entzücken,
Doch drängt man sich gewaltsam nicht herein;
Gar manche Prüfung muss die neue Schwester
Und ihren ganzen Wert uns erst entwickeln.
Hofmeisterin.
Entschiedner Wert ist leicht zu kennen, leicht,
Was du bedingen möchtest, zu erfüllen.
Äbtissin.
Ich zweifle nicht am Adel der Geburt,
Nicht am Vermögen, dieses Hauses Rechte,
Die groß und wichtig sind, dir zu gewinnen.
Drum lasst mich bald vernehmen, was ihr denkt.
Eugenie.
Gewähre meine Bitte, nimm mich auf!
Verbirg mich vor der Welt im tiefsten Winkel.
Und meine ganze Habe nimm dahin.
Ich bringe viel und hoffe mehr zu leisten.
Äbtissin.
Kann uns die Jugend, uns die Schönheit rühren,
Ein edles Wesen, spricht's an unser Herz,
So hast du viele Rechte, gutes Kind.
Geliebte Tochter! Komm an meine Brust!