Mönch.
Es schweige, bis der prüfende Verstand
Sich als ohnmächtig selbst bekennen muss.
Du hast nur Allgemeines mir vertraut,
Ich kann dir nur das Allgemeine raten.
Bist du zur Wahl genötigt unter zwei
Verhassten Übeln, fasse sie ins Auge
Und wähle, was dir noch den meisten Raum
Zu heil'gem Tun und wirken übrig lässt,
Was deinen Geist am wenigsten begrenzt,
Am wenigsten die frommen Taten fesselt.

Eugenie.
Die Ehe, merk' ich, rätst du mir nicht an.

Mönch.
Nicht eine solche, wie sie dich bedroht.
Wie kann der Priester segnen, wenn das Ja
Der holden Braut nicht aus dem Herzen quillt.
Er soll nicht Widerwärt'ges aneinander
Zu immer neu erzeugtem Streite ketten;
Den Wunsch der Liebe, die zum All das Eine,
Zum Ewigen das Gegenwärtige,
Das Flüchtige zum Dauernden erhebt,
Den zu erfüllen, ist kein göttlich Amt.

Eugenie.
Ins Elend übers Meer verbannst du mich.

Mönch.
Zum Troste jener drüben ziehe hin.

Eugenie.
Wie soll' ich trösten, wenn ich selbst verzweifle?

Mönch.
Ein reines Herz, wovon dein Blick mir zeugt,
Ein edler Mut, ein hoher, freier Sinn
Erhaltne dich und andre, wo du auch
Auf dieser Erde wandelst. Wenn du nun,
In frühen Jahren ohne Schuld verbannt,
Durch heil'ge Fügung fremde Fehler büßest,
So führst du wie ein überirdisch Wesen,
Der Unschuld Glück und Wunderkräfte mit.
So ziehe denn hinüber! Trete frisch
In jenen Kreis der Traurigen. Erheitre
Durch dein Erscheinen jene trübe Welt.
Durch mächt'ges Wort, durch kräft'ge Tat errege
Der tief gebeugten Herzen eigne Kraft;
Vereine die Zerstreuten um dich her,
Verbinde sie einander, alle dir;
Erschaffe, was du hier verliern sollst,
Dir Stamm und Vaterland und Fürstentum.

Eugenie.
Getraust du zu tun, was du gebietest?

Mönch.
Ich tat's!—Als jungen Mann entführte schon
Zu wilden Stämmen mich der Geist hinüber.
Ins rohe Leben bracht' ich milde Sitte,
Ich brachte Himmelshoffnung in den Tod.
O hätt' ich nicht, verführt von treuer Neigung,
Dem Vaterland zu nützen, mich zurück
Zu dieser Wildnis frechen Städtelebens,
Zu diesem Wust verfeinerter Verbrechen,
Zu diesem Pfuhl der Selbstigkeit gewendet!
Hier fesselt mich des Alters Unvermögen,
Gewohnheit, Pflichten; ein Geschick vielleicht,
Das mir die schwerste Prüfung spät bestimmt.
Du aber, jung, von allen Banden frei,
Gestoßen in das Weite, dringe vor
Und rette dich! Was du als Elend fühlst,
Verwandelt sich in Wohltat! Eile fort!

Eugenie.
Eröffne klarer! Was befürchtest du?