Gerichtsrat.
Zu tragen glaub' ich alles, nur das eine,
Dich zu verlieren, da ich dich gefunden,
Erscheint mir unerträglich. Dich zu sehen,
Dir nah zu sein, für dich zu leben, wäre
Mein einzig höchstes Glück. Und so bedinge
Dein Herz allein das Bündnis, das wir schließen.
Eugenie.
Von dir allein gekannt, muss ich fortan,
Die Welt vermeidend, im Verborgnen leben.
Besitzest du ein still entferntes Landgut,
So widm' es mir und sende mich dahin.
Gerichtsrat.
Ein kleines Gut besitz' ich, wohl gelegen;
Doch alt und halb verfallen ist das Haus.
Du kannst jedoch in jener Gegend bald
Die schönste Wohnung finden, sie ist feil.
Eugenie.
Nein! In das alt verfallne lass mich ziehn,
Zu meiner Lager stimmt es, meinem Sinn.
Und wenn er sich erheitert, find' ich gleich
Der Tätigkeit bereiten Stoff und Raum.
Sobald ich mich die deine nenne, lass,
Von irgend einem alten zuverläss'gen Knecht
Begleitet, mich in Hoffnung einer künft'gen
Beglückung Auferstehung mich begraben.
Gerichtsrat.
Und zum besuch, wann darf ich dort erscheinen?
Eugenie.
Du wartest meinen Ruf geduldig ab.
Auch solch ein Tag wird kommen, uns vielleicht
Mit ernsten Banden enger zu verbinden.
Gerichtsrat.
Du legest mir zu schwere Prüfung auf.
Eugenie.
Erfülle deine Pflichten gegen mich;
Dass ich die meinen kenne, sei gewiss.
Indem du, mich zu retten, deine Hand
Mir bietest, wagst du viel. Werd' ich entdeckt,
Werd' ich's zu früh, so kannst du vieles dulden.
Ich sage dir das tiefste Schweigen zu;
Woher ich komme, niemand soll's erfahren,
Ja, die entfernten Leiben will ich nur
Im Geist besuchen, keine Zeile soll,
Kein Bote dort mich nennen, wo vielleicht
Zu meinem Heil ein Funke glühen möchte.
Gerichtsrat.
In diesem wicht'gen Fall, was soll ich sagen?
Uneigennütz'ge Liebe kann der Mund
Mit Frechheit oft beteuern, wenn im Herzen
Der Selbstsucht Ungeheuer lauschend grinst.
Die Tat allein beweist der Liebe Kraft.
Indem ich dich gewinne, soll ich allem
Entsagen, deinem Blick sogar! Ich will's.
Wie du zum ersten Male mir erschienen,
Erscheinst du bleibend mir, ein Gegenstand
Der Neigung, der Verehrung. Deinetwillen
Wünsch' ich zu leben, du gebietest mir.
Und wenn der Priester sich sein Leben lang
Der unsichtbaren Gottheit niederbeugt,
Die im beglückten Augenblick vor ihm
Als höchstes Musterbild vorüberging,
So soll von deinem Dienste mich fortan,
Wie du dich auch verhüllest, nichts zerstreun.
Eugenie.
Ob ich vertraue, dass dein Äußres nicht,
Nicht deiner Worte Wohllaut lügen kann;
Dass ich empfinde, welch ein Mann du bist,
Gerecht, gefühlvoll, tätig, zuverlässig,
Davon empfange den Beweis, den höchsten,
Den eine Frau besonnen geben kann!
Ich zaudre nicht, ich eile, dir zu folgen!
Hier meine Hand; wir gehen zum Altar.