prs. Wetzl. 28. Oct. 72.

Hier ist abermal Zeitung. Danck Ihnen für alle guten Nachrichten. Und Lotte oder Sie wer zuerst nach Atspach kommt wird in meinem Nahmen auch den lieben Leuten Glück wünschen. Wenn ihr wüsstet wie oft ich bey euch binn und wie noch — Manchmal steigt mir ein Zweifel auf und ich denke mir Lotten en Pannier, wie sie all sind — doch bald fällt sie mir wieder im blaugestreiften Nachtjack ein, und ihrer Ingenuen Güte die sie allein hat, und dann hoff ich in ihrer Seele nicht unter der grosen unbedeutenden Anzahl verlohren zu gehn. Falcken hab ich nicht wieder gesehen. Die Wirbel der Gesellschafftlichkeit hatten ihn verschlungen. Grüsen Sie mir Kielmannseggen viel. Ich wollte ihn an seinem Krankenbette besuchen. Der dritte Urteiler ist von denen Elenden die verdamdt sind in Finsterniss des Eigendünkels ihr leben zu verschleppen. Adieu Besorgungen sollen gemacht werden. Gotter ist ein schielender Mensch. Pfuy über die Stelle seines Briefs. Das ist eckelhafte unbedeutende Zweydeutigkeit. Sein gutes Herz — Ja die guten Herzen! Ich kenn das Pack auch.

18.
Goethe an Kestner.

Der unglückliche Jerusalem. Die Nachricht war mir schröcklich und unerwartet, es war grässlich zum angenehmsten Geschenck der Liebe diese Nachricht zur Beylage. Der unglückliche. Aber die Teufel, welches sind die schändlichen Menschen die nichts geniessen denn Spreu der Eitelkeit, und Götzenlust in ihrem Herzen haben, und Götzendienst predigen, und hemmen gute Natur, und übertreiben und verderben die Kräffte, sind schuld an diesem Unglück an unserm Unglück. hohle sie der Teufel ihr Bruder. Wenn der verfluchte Pfaff.... nicht schuld ist, so verzeih mirs Gott, dass ich ihm wünsche er möge den Hals brechen wie Eli. Der arme iunge! wenn ich zurückkam vom Spaziergang und er mir begegnete hinaus im Mondschein, sagt ich er ist verliebt. Lotte muss sich noch errinnern daß ich drüber lächelte. Gott weis die Einsamkeit hat sein Herz untergraben, und — seit sieben iahren[10] kenn ich die Gestalt, ich habe wenig mit ihm geredt, bey meiner Abreise nahm ich ihm ein Buch mit das will ich behalten und sein gedenken so lang ich lebe.

Dank euch ihr Kinder alle, das ist heilsamer herrlicher Trost, wenn ich euer Andenken seh, und eure Freude. Es war doch gut dass es so zusammen kam, leben und Todt, Trauer und freud. Wie anders wie anders als wie sich Goué solte erschossen haben. Lebt wohl Grüsst Lotten tausendmal. Wie glücklich seyd ihr.

19.
Aus Kestners Tagebuche.

Goethe’s Reise nach Wetzlar betr.

d. 6. Nov. 1772. Abends kamen zwey meiner Freunde aus Frankfurt an, der Rath Schlosser und Doctor Goethe; Ersterer wegen Geschäften, Letzterer um seine Freunde zu sehen.