d. 10. Nov. 1772. Schlosser und Goethe sind diesen Morgen nach Frankfurt zurückgereiset. Wir sind fast immer beysammen gewesen, welches mich etwas in meinen Geschäften zurückgesetzt hat.
20.
Goethe’s Schwester an Kestner.
prst. 7. Nov. 72.
Küssen Sie Ihr liebes Lottchen von meinetwegen, und sagen Sie ihr dass ich sie von ganzem Herzen liebe.
S. Goethe.
21.
Goethe an Kestner.
acc. 12. Nov. 72. Wetzl. (Friedberg d. 10. Nov. 72.)
Ich binn der rechte. Ausgeschickt auf eine Local Commission, phantasir ich übers Vergangene und zukünftige. Gestern Abend war ich noch bey euch und ietzo sitz ich im leidigen Friedberg und harre auf einen Steindecker, mit dem ich die Reparatur meines verwünschten Schlosses akkordiren will. Der Weg hierher ward mir sehr kurz, wie ihr denken könnt, und wie ich heut vom Cronprinzen hinauffuhr, und ich die Deutschhaus Mauern sah, und den Weeg den ich so hundertmal, und es dann rechts ein in die Schmidtgasse lenckte. Ich wollte ich hätte gestern Abend förmlich Abschied genommen, es war eben so viel und ich kam um einen Kuß zu kurz, den sie mir nicht hätte versagen können. Fast wär ich heute früh noch hingegangen, S. hielt mich ab, dafür spiel ich ihm nächstens einen Streich, denn ich will doch nicht allein leiden. Gewiß Kestner, es war Zeit dass ich gieng. Gestern Abend hatt ich rechte hängerliche und hängenswerthe Gedanken auf dem Canapee — —