Sonntag den 8. Oct. Bisher eine grose Pause ich in wunderbaaren Kälten und Wärmen. Bald noch eine grössere Pause. Icherwarte den Herzog v. Weimar der von Karlsruhe mit seiner herrlichen neuen Gemahlinn Louisen von Darmstadt kommt. Ich geh mit ihm nach Weimar. Deine Brüder kommen auch hin, und von da schreib ich gewiss liebste Schwester. Mein Herz ist übel dran. Es ist auch Herbstwetter drinn, nicht warm nicht kalt. Wann kommst Dunach Hamburg?

Weimar den 22. Nov.

Icherwarte deine Brüder, o Gustgen! was ist die Zeit alles mit mir vorgangen. Schon fast vierzehn Tage hier, im Treiben und Weben des Hofs. Adieu bald mehr. Vereint mit unsern Brüdern! Dies Blättel sollst indess haben.

G.

Der zehnte Brief

Könntest du mein Schweigen verstehen! Liebstes Gustgen! — Ich kann, ich kann nichts sagen!

Weimar d. 11. Febr. 76.

G.

Der elfte Brief

Kranck Gustgen! dem Todte nah! Gerettet liebster Engel, und das mir alles auf einmal — zu einer Zeit wo ich immer dachte warum schreibt Gustgen nicht? Ist sie nicht mehr wie sonst, hat ihrStella nicht gezeugt dass ich ihr Alter bin, obschon ich nicht schreibe, denn wie ich iezt lebe — Ach Engel es ist Lästrung wenn ich mit dir rede! ich will lieber gar nicht beten als mit fremden Gedancken gemischt — Auch dies schreib ich in des Herzogs Zimmer den ich fast nicht verlasse. Mein Herz mein Kopf — ich weis nicht wo ich anfangen soll so tausendfach sind meine Verhältnisse und neu, und wechselnd aber gut — Gustgen nur Eine Zeile von deiner Hand, nur Ein Wort dass du auch mir wieder lebst. Adieu Liebe! Liebe.Mittwoch nach Ostern 76.