G.
Der zwölfte Brief
Ach Gustgen! Welcher Anblick! so viel von deiner Hand! — der ersehnten erflehten — noch heut Abend! — du Liebe nur dies! eh ich anfange zu lesen.
Und da ich gelesen habe eine solche gute Nacht wie sie der Himmel der Erde bietet! — Engel — Ja Gustgen Morgen fang ich dir ein Journal an! —das ist alles was ich thun kann — denn der Dir nicht schrieb bisher ist immer derselbe.
Nachts eilf den 16. May 76.
G.
Der dreizehnte Brief
d. 17. May. Morgens 8. Guten Morgen Gustgen. Nichts als dies zur Grundlage eines Tagbuchs für dich. Ach du nimmst an dem unsteten Menschen noch Theil, der seit er dir nichts von sich schrieb, seltsame Schicksaale gehabt hat. Ich fühle dass ich Dir nicht alles sagen kann drum mag ich nichts sagen. Adieu! —
In meinem Garten Gustgen gegen 10. Hab ein liebes Gärtgen vorm Thore an der Ilm schönen Wiesen in einem Thale. ist ein altes Häusgen drinne, das ich mir repariren lasse. Alles blüht alle Vögel singen. Gustgen und Du bist kranck! — d. 18. May. Gestern konnt ich dir nichts mehr sagen. Der HusarnRittmeister kam in meinen Garten, ich ritt um eilf nach dem Lustschloss Belvedere wo ich hinten im Garten eine Einsiedeley anlege, allerley Pläzgen drinn für arme Krancke und bekümmerte Herzen. Ich ass mit dem Herzog, nach Tisch ging ich zurFrau v. Stein einem Engel von einem Weibe, frag die Brüder, der ich so offt die Beruhigung meines Herzens und manche der reinsten Glückseeligkeiten zu verdancken habe. der ich noch nichts von dir erzählt habe, das mir viel Gewalt gekostet hat, heut aber will ich's thun will ich tausend Sachen von Gustgen sagen. Wir gingen in meinen Garten spazieren.Ihr Mann, ihre Kinder,ihr Bruder. ein paar Fräul.Ilten. es kamen mehr zu uns wir gingen spazieren, begegneten derHerzoginn Mutter unddem Prinzen, die sich zu uns [gesellten]. Wir waren ganz vergnügt. Ich verlies die Gesellschafft, ging noch einen Augenblick zum Herzog und ass mit Fr. v. Stein zu Nacht. Nun ists wieder schöner heitrer Tag. Soviel iezt. halb 9.
12 Uhr in meinem Garten. Da lass ich mir von den Vögeln was vorsingen, und zeichne Rasenbäncke die ich will anlegen lassen, damit Ruhe über meine Seele komme, und ich wieder von vorne mög anfangen zu tragen und zu leiden. Gustgen könnt ich Dir von meiner Lage sagen! die erwünschteste für mich, die glücklichste, und dann wieder — Ich sagte immer in meiner Jugend zu mir da so viel tausend Empfindungen das schwanckende Ding bestürmten: Was das Schicksal mit mir will, dass es mich durch all die Schulen gehn lässt, es hat gewiss vor mich dahin zu stellen wo mich die gewöhnlichen Qualen der Menschheit gar nicht mehr anfechten müssen. Und iezt noch ich seh alles als Vorbereitung an.Ich hab das ausgestrichen weils dunckel und unbestimmt gesagt war. Nach Tische mehr.