»Ja, sicher, sicher«, gab Andres zur Antwort; »jetzt könnt’ ich’s fast nicht sagen.«

Als die Tür sich schloß, setzte sich Andres auf seinen Stuhl nieder und zitterte an Händen und Füßen so sehr, daß er meinte, er könne nie mehr davon aufstehen, so war ihm die Freude und Aufregung in alle Glieder gefahren. Es währte aber kaum eine halbe Stunde, da kam schon des Obersten Wagen angefahren und hielt still am Gärtchen des Schreiners, und zu Wiselis unbeschreiblichem Erstaunen stieg der Knecht von seinem Sitz herunter, kam herein, und nach wenigen Minuten sah es, wie er wieder herauskam, den Schreiner Andres mit beiden Armen festhielt und ihm dann in den Wagen hinein half. Wiseli schaute dem Fuhrwerk nach, als bewege sich etwas Unfaßliches vor seinen Augen, denn der Schreiner Andres hatte kein Wort mehr zu ihm sagen können, nicht einmal, daß er ausfahren werde. So wie er sich niedergesetzt hatte, war er sitzen geblieben, bis der Knecht ihn herausholte, und das Wiseli hatte sich immer noch verborgen gehalten. Jetzt ging es in die Stube hinein und saß ans Fenster, wo sonst der Schreiner Andres saß, und konnte gar nichts anderes mehr denken als nur immerzu: »Heute ist der letzte Tag, und morgen muß ich zum Vetter-Götti.« Als der Mittag herankam, ging Wiseli in die Küche hinaus und machte zurecht, was der Andres essen sollte; aber er kam nicht, und es wollte nichts berühren, bis er auch dabei war. So ging es wieder hinein, und auf der Stelle stand der traurige Gedanke wieder vor ihm und es mußte ihm wieder nachhangen. Aber endlich wurde es so müde davon, daß sein Kopf ihm auf die Schulter fiel und es fest einschlief; aber noch im Schlaf mußte es immer sagen: »Und morgen muß ich zum Vetter-Götti.« Und Wiseli sah nicht, wie leise der helle Abendschein in die Stube hineinfiel und einen schönen Tag verkündigte.

Wiseli schoß auf, als jemand die Stubentür öffnete; es war der Schreiner Andres. Das Glück leuchtete ihm aus den Augen wie heller Sonnenschein, so hatte ihn Wiseli noch nie gesehen. Es schaute verwundert zu ihm auf. Jetzt mußte er auf seinen Stuhl sitzen und Atem holen vor Bewegung, nicht vor Erschöpfung; dann rief er mit triumphierender Stimme:

»Es ist wahr, Wiseli, es ist alles wirklich wahr! Die Herren haben alle ›Ja‹ gesagt. Du gehörst mir, ich bin dein Vater, sag mir einmal ›Vater‹!«

Wiseli war ganz schneeweiß geworden; es stand da und starrte den Andres an, aber es sagte kein Wort und bewegte sich nicht.

»Ja so, ja so«, fing Andres wieder an; »du kannst es ja nicht begreifen, es kommt mir alles durcheinander vor Freuden; jetzt will ich von vorn anfangen. Siehst du, Wiseli, jetzt eben habe ich es in der Kanzlei verschrieben: du bist jetzt mein Kind und ich bin dein Vater, und du bleibst hier bei mir für immer und gehst nie mehr zurück zum Vetter-Götti, hier bist du daheim, hier bei mir.«

Jetzt hatte Wiseli alles begriffen. Auf einmal sprang es auf den Andres zu und umfaßte ihn mit beiden Armen und rief: »Vater! Vater!« Der Andres brachte kein Wort mehr hervor und das Wiseli auch nicht, denn es kam ihm so viel zusammen im Herzen und in den Gedanken, daß es ganz überwältigt wurde. Aber mit einem Male war es, als ob ihm ein helles Licht aufginge; es schaute den Andres mit leuchtenden Augen an und rief frohlockend: »O Vater, jetzt weiß ich alles, wie es zugegangen ist und wer dazu geholfen hat.«

»So, so, und wer denn, Wiseli?« fragte er.

»Die Mutter!« war die rasche Antwort.

»Die Mutter?« wiederholte Andres, ein wenig erstaunt, »wie meinst du das, Wiseli? wie meinst du das?«